Sharkproject als Teil von nationalen und internationalen Koalitionen gegen den Tiefseebergbau

Tiefseebergbau - Eine (Natur)Katastrophe mit Ansage

Was ist das eigentlich? Im Grunde genau das, wonach es sich anhört. Bergbau, welchen wir schon an Land kennen, nur eben in der Tiefsee. Und damit eine weitere, große Gefahr für den Ozean, mit voraussichtlich zerstörerischen Auswirkungen. Aufgrund dieser großen Bedrohung hat auch Sharkproject, als Arten - und Meeresschutzorganisation, reagiert und sich Koalitionen angeschlossen, um über die Problematik aufzuklären und gemeinsam mit Partner gegen die Vorhaben vorzugehen, politischen Einfluss zu üben und ein Umdenken zu erwirken. 

Als Sharkproject kämpfen wir natürlich immer für die Haie. Und gerade in der Tiefsee gibt es viele Hai-Arten, über die wir teils viel zu wenig wissen. Wie z.B. der Kobold-Hai, der Stumpfnasen-Sechskiemer-Hai, Kragenhaie oder der Riesenmaul-Hai. Nur um ein paar der bekannteren zu nennen. Allerdings betrifft der Tiefseebergbau nicht nur die Haie der Tiefsee. Nichts weniger als ein ganzes Ökosystem steht auf dem Spiel. Ein Ökosystem, welches bis heute wenig erforscht ist und über das wir noch viel zu wenig wissen. Dabei bedeckt die Tiefsee den größten Teil der Erdoberfläche. Je nach Definition beginnt sie entweder unterhalb von 200 oder 800 Meter. Damit nimmt sie mindestens 54% und bis hin zu 88% der Erdoberfläche ein. Und doch wurde bisher nur ein kleiner Teil davon erforscht und nur ein Bruchteil der dort lebenden Arten entdeckt. Es fehlt an Wissen darüber, wie dieses Ökosystem funktioniert, welche Rolle die Rohstoffe in der Tiefe spielen und welchen Einfluss die Tiefsee auf das globale Nahrungsnetzwerk hat. Was wir allerdings wissen ist, dass es ein sehr fragiles Ökosystem ist, wie viele andere auch und dass es hier teils einzigartiges Leben gibt.

Was aber ist das Ziel des Tiefseebergbaus? Kurz gesagt, den immer größer werdenden Rohstoffhunger weltweit zu stillen. Vor allem der Bedarf an Rohstoffen, welche unter anderem für die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge oder Smartphones benötigt werden, soll durch den Abbau in meist mehreren tausend Metern Tiefe gedeckt werden:

  • Polymetallische Knollen, welche vorwiegend Mangan und Eisen enthalten, relativ hohe Konzentrationen an Nickel, Kupfer, Kobalt sowie Elemente seltener Erde wie Yttrium und Zirkonium
  • Hydrothermale Sulfiderze
  • Kobaltreiche Eisen-Mangankrusten, mit hohen Konzentrationen an Kobalt, Nickel, Kupfer und anderen seltenen Metallen wie Tellur, Platin, Zirkonium sowie Seltene Erden 

Seit den 70er Jahren weiß die Menschheit von diesen „Bodenschätzen“ am Meeresgrund und seitdem gibt es Pläne, diese Rohstoffe abzubauen und für die Industrie nutzbar zu machen. Und obwohl der Tiefseebergbau offiziell noch nicht freigegeben ist, wurden bis heute bereits viele Lizenzen zum Abbau genehmigt und ca. 30 Verträge abgeschlossen, welche zusammen eine Fläche von bis zu 2.000.000 kmabdecken. Im Vergleich dazu beträgt die Gesamtfläche des Landbergbaus „nur“ etwa 57.000 - 100.000 km2. Das alles unter den Augen der internationalen Meeresbodenbehörde (ISA), dessen Auftrag es eigentlich ist die Meere vor Gefahren wie dem Tiefseebergbau zu schützen. Dabei wurde bei der Erteilung der Lizenzen kaum Rücksicht darauf genommen, dass Bergbau stets ein sehr destruktiver Prozess ist, weiter großes Unwissen über die Tiefsee herrscht und die Auswirkungen zu vielen Teilen noch nicht genau vorauszusehen sind. Die direkten und indirekten Folgen sind jedoch so vielfältig wie dramatisch:

  • Großflächige Zerstörung des Meeresbodens
  • Abbau hydrothermaler Schlote zerstört Lebensräume und tötet die dort lebenden Organismen
  • Massive Lärmbelästigung 
  • Starke Vibrationen
  • Lichtverschmutzung durch die Maschinen und Schiffe
  • Aufwirbeln von Sedimentwolken, die das Licht blocken

Und das ist nur ein Teil der Liste. Trotzdem gibt es viele Interessensgruppen, welche auf den Start des Tiefseebergbaus drängen und möglichst schon in 2023 starten wollen. 

Und neben den Schäden und Folgen für das Ökosystem, und damit auch für uns, gibt es außerdem große Kritik aus Sicht der Menschenrechte. Das hängt zum Teil damit zusammen, dass ein Großteil des Abbaus in Gebieten stattfinden soll, in denen Einwohner stark vom Ökosystem Meer abhängig sind. Nicht nur in küstenfernen Gebieten, sondern auch in wenigen Kilometer Entfernung von den Küsten. Dadurch wird die Lebensgrundlage vieler dort lebenden Menschen stark gefährdet. Darüber hinaus kommen die abgebauten Rohstoffe meist den reicheren, industriestarken Nationen zu gute. Wodurch das soziale Ungleichgewicht weiter verstärkt werden könnte.

Aber das Vorgehen der Befürworter und der ISA wird von vielen NGOs und mittlerweile auch einigen Staaten kritisiert. Das Risiko und der Einsatz sind einfach zu hoch. Und es bildet sich eine immer breitere Front gegen den Tiefseebergbau. Vor allem die Forderung nach einem Moratorium oder gar einem Verbot werden lauter. 

Und es gibt auch bereits Lichtblicke und kleinere Erfolge. So haben sich zum Beispiel schon viele namhafte Unternehmen einem Aufruf für ein Moratorium angeschlossen. Darunter Unternehmen wie BMW, Samsung oder Google: https://www.noseabedmining.org 

Darüber und über weitere Ereignisse, Erfolge und Aktionen halten wir Dich hier auf dem Laufenden.

Ziele:

Gemeinsam mit unseren Partnern fordern wir die Bundesregierung auf, 

  • alle Vorhaben und politischen Initiativen zum Abbau mineralischer Ressourcen in der Tiefsee zu stoppen.
  • die absolute Reduktion des primären Rohstoffverbrauchs in Deutschland umzusetzen und auf EU-Ebene voranzutreiben. Durch ein Umsteuern wirtschaftspolitischer Prioritäten auf eine Kreislaufwirtschaft, ehrgeizige Wiederverwendungsziele, ein verbessertes Recycling und ein auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit ausgerichtetes Produktdesign werden die Rohstoffe des Tiefseebergbaus nicht benötigt werden.

 Um das zu erreichen, fordern wir die Bundesregierung kurzfristig auf, 

  • die wirtschaftliche Förderpolitik im Bereich Tiefseebergbaus sofort zu beenden. 
  • die Verabschiedung der Abbauregularien abzulehnen.
  • keinen Anträgen auf Abbau stattzugeben. 
  • eine Überprüfung und Reform der ISA zu initiieren. 
  • die  im Rahmen ihrer Lizenz und unabhängiger Forschung erworbenen Forschungsergebnisse transparent zu veröffentlichen mit dem Ziel, die Ökosysteme der Tiefsee zu schützen.
  • die wissenschaftliche Erforschung der Tiefsee unabhängig von wirtschaftlichen Nutzungsinteressen zu fördern und auszubauen. Eine umfassende Grundlagenforschung ist notwendig für einen effektiven Meeresschutz am Meeresboden. Die Verkoppelung von Meeresforschung und  Tiefseebergbau-Interessen widerspricht dem Grundsatz der Unabhängigkeit.
  • sich in der EU dafür einzusetzen, dass Investitionen und Finanzdienstleistungen mit Bezug zum Tiefseebergbau nicht als nachhaltig eingestuft werden.
  • sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass keine Förderprogramme zum Tiefseebergbau in der Pazifikregion unterstützt werden. Den Tiefseebergbau mit all seinen unwägbaren Risiken lehnen zivilgesellschaftliche Organisationen im Pazifik wie auch die betroffenen Bevölkerungsgruppen als unverantwortlich ab. Die Bevölkerungen der pazifischen Inselstaaten müssen an Entscheidungen über die Nutzung ihrer Ressourcen angemessen beteiligt werden und das Recht haben “Nein” zu sagen.
  • sich stärker als bisher für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten mit effektiven Managementstrategien und Nullnutzungszonen auf Basis transparenter und partizipativer Verfahren einzusetzen. Des Weiteren sollte die Bundesregierung für den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über ein rechtsverbindliches UN-Abkommen zum Schutz der Biodiversität in Meeresgebieten jenseits nationaler Rechtsprechung (BBNJ Agreement) einsetzen, welches insbesondere die Einrichtung von effektiven Meeresschutzgebieten ermöglicht.
  • ein Verbot der Nutzung oder Einfuhr von Rohstoffen aus der Tiefsee zu beschließen.
  • verbindliche menschenrechtliche, umwelt- und klimabezogene Sorgfaltspflichten für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu verankern. Dabei wird der Zugang zu Recht und Entschädigung für Betroffene sichergestellt. Gemäß dem Vorsorgeprinzip muss auf die öffentliche Förderung von Projekten im Tiefseebergbau als Hochrisikotechnologie zu verzichten und Tiefseebergbau aus der Außenwirtschaftsförderung ausgeschlossen werden.

Partner / Koaltionen:

  • Tiefseebergbau-AG
  • Deep Sea Conservation Coalition

Karte mit Rohstoffvorkommen und bereits lizenzierte Gebiete:

Publikation: Das größte Bergbauvorhaben der Menschheitsgeschichte – Argumente gegen Tiefseebergbau

Kurzfassung:

Die Tiefsee ist ein einzigartiger Lebensraum mit einer enormen Biodiversität. Trotzdem verhandeln Staaten derzeit über Regeln zum Abbau mineralischer Rohstoffe vom Tiefseeboden. Dabei wird Tiefseebergbau unvermeidlich zu Artensterben und einer zusätzlichen Belastung der ohnehin schon stark gefährdeten Meere führen. Statt mehr Bergbau brauchen wir eine Rohstoffwende und starke Regeln zum Schutz der Meere und all jener, die von und mit dem Meer leben.

In dieser Publikation werden 13 Argumente gegen Tiefseebergbau aufgeführt und Alternativen für eine Rohstoffwende vorgestellt.

Autorin: Marie-Lusie Abshagen 

Co-Autorin: Hannah Pilgrim

Herausgeber: Forum Umwelt und Entwicklung, PowerShift, Brot für die Welt, Fair Oceans, Misereor, Ozeanien Dialog, Sharkproject

Newsticker

Projektverlauf

2021 – Sharkproject tritt Deep Sea Coaltion bei

2021 - Sharkproject tritt deutscher Arbeitsgruppe Tiefseebergbau bei

2022 - Gemeinsames Engagement mit Partnern auf der UNOC 2022 in Lissabon

2022 - zwei gemeinsame Pressemitteilungen im Rahmen der UNOC 2022

November 2022 - Publikation veröffentlicht: "Das größte Bergbauvorhaben der Menschheitsgeschichte – Argumente gegen Tiefseebergbau"