Finning in MSC zertifizierten Fischereien? Unmöglich sollte man glauben!

Fin Free MSC

Das MSC-Siegel soll ja eigentlich ein Zeichen für nachhaltige Fischerei sein. Jedoch werden immer häufiger Fischereien zertifiziert, die entweder ganz oder teilweise höchst schädliche Formen der Fischerei betreiben. Aufgrund dessen haben wir bereits mit vielen Partnern die Kampagne „Make Stewardship Count“ ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, das MSC zum Umdenken zu bringen.

Aus Sicht einer Haischutz-Organisation ist die Lage jedoch noch schlimmer. Denn Fisch mit dem MSC-Siegel und der Bezeichnung „aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei“ stammt vielfach aus Fischereien, die noch immer „Finning“ betreiben. Und das MSC weigert sich bis heute, wirksame Vorsorgemaßnahmen zu etablieren, um sicherzustellen, dass „Finning“ in zertifizierten Fischereien nicht mehr vorkommen kann. Eine dieser Maßnahmen könnte die “Fins Naturally Attached“ Verordnung sein. Das bedeutet, dass sich die Flossen bei Anlandung im Hafen noch auf natürliche Weise am Körper des Tieres befinden müssen und daher nicht mehr auf See abgeschnitten werden dürfen. Diese Maßnahme gilt unter weltweiten Experten als die wirksamste gegen Finning.

Leider ignoriert das MSC weiterhin bewusst den weltweiten Expertenrat. Dies steht völlig im Widerspruch zu deren eigener Aussage, dass „es nach wie vor einen Null-Toleranz-Ansatz für das Hai-Finning von ihnen zertifizierten Fischereien gibt“. Deshalb haben seit 2018 Interessensvertreter aus Umweltschutz, Handel, Fischerei und Regierungen mehrfach Briefe an das MSC geschrieben, um dieses kaum vorstellbare Paradoxon im Fischereistandard und der Zertifizierungspraxis des wohl weltweit größten Nachhaltigkeitslabels für Fisch und Meeresfrüchte zu korrigieren. Ein zentrales Anliegen dabei war unter anderem, die Rücknahme der Zertifizierung von Fischereien, z.B. der PNA (Parties of the Nauru Agreement) Thunfischfischerei im westlichen Zentralpazifik, zu erwirken, in denen nachgewiesenermaßen „Finning“ stattfindet. Bedauerlicherweise erfolgte aber bisher kein Einlenken seitens des MSCs um dieser weltweit größten, von ihnen zertifizierten Thunfischfischerei das Nachhaltigkeitssiegel zu entziehen. Ganz im Gegenteil wurde diese sogar erneut zertifiziert.

Da wir hier jedoch nicht aufgeben wollten und stattdessen noch koordinierter und gezielter auf das MSC einwirken wollten, haben wir zusammen mit diversen Partnern die internationale Kampagne „Fin Free MSC“ ins Leben gerufen. Unter diesem Namen stehen wir zusammen für eine Änderung ihrer Zertifizierungsstandards ein. Die Kooperationspartner verfassen hierfür gemeinsame Briefe, erstellen Studien und Berichte, nehmen an Konsultationen teil oder koordinieren gemeinsame Social Media Kampagnen.

Hintergrundinformationen über das Projekt

Ziel

Unsere zentrale Forderung ist, "Fins Naturally Attached" als Mindestanforderung für alle Fischereien einzuführen, die Haie gezielt fangen oder als Beifang in ihren Fischereien haben - und zwar ohne Ausnahmen! Dafür bedarf es einer umfassenden Überarbeitung der MSC Standards:

  • Der Nachweis von Hai-Finning muss eine Fischerei sofort vom MSC-Zertifizierungsprozess ausschließen.
  • Jede Fischerei, die in irgendeiner Weise mit Haien interagiert, muss zum Zeitpunkt der Zertifizierung über eine Richtlinie "Fins Naturally Attached" verfügen, die keine Ausnahmen zulässt.
  • Die Anforderung "Fins Naturally Attached" muss für alle Bewertungsrichtlinien gelten, unabhängig davon, ob die Haie bei der Bewertung als primäre, sekundäre oder ETP-Arten eingestuft werden.
  • Bei der Bewertung sollten alle Fischereien, die mit Haien interagieren, einer Bewertung des Risikos (niedrig, mittel oder hoch) des Finning in der Fischerei unterzogen werden, und zwar auf der Grundlage objektiver, überprüfbarer Kriterien wie Zielart, Art des Fanggeräts und Fanggebiet.
  • Die Fischerei sollte dann anhand von Leistungsindikatoren in Bezug auf das Finning von Haien bewertet werden. Wobei für jede Bewertungsstufe (SG 60, 80 und 100) eine "Fins Naturally Attached"- Politik, sowie ein Überwachungsniveau erforderlich ist, das dem Risikoniveau in dieser Fischerei entspricht und das über die Bewertungsstufen ansteigt, um Anreize für Verbesserungen zu schaffen.

Dauer

Die Koalition wird so lange dafür kämpfen, bis ein Umdenken stattgefunden hat, die Forderungen umgesetzt wurden und das MSC-Siegel Fin Free ist.

Downloads

Erster Brief aus 2018 an das MSC

Bericht aus 2018 zur PNA Fischerei

Zweiter Brief 2019 an das MSC

Eingabe bei der MSC Konsultation 2019

Diskussionspapier von Iris Ziegler 2020

Dritter gemeinsamer Brief im Januar 2020 an das MSC

Vierter gemeinsamer Brief im Oktober 2020 an das MSC

Bericht 2021: Analyse der Politik des MSC in Bezug auf das Finning von Haien und die Möglichkeit, im Rahmen deren Überarbeitung des Fischereistandards eine Politik des "Fins Naturally Attached" zu verabschieden.

Links

Webseite der Kampagne: https://finfreemsc.com

Sharkproject Webinar: https://www.youtube.com/watch?v=DTqhPr7Bnok

Live Talk während der Shark Awareness Week: https://www.youtube.com/watch?v=zst6cjIljU8

Involvierte Partner

Wir arbeiten hier mit diversen internationalen Organisationen, Wissenschaftlern und Händlern zusammen. Eine vollständige Liste ist auf der Fin Free MSC Webseite zu finden.

Projektverlauf

2018 

Sharkproject hat einen gemeinsamen Brief initiiert, um die Rücknahme der Zertifizierung von Fischereien, z.B. der PNA (Parties oft the Nauru Agreement) Thunfischfischerei im westlichen Zentralpazifik, zu erwirken, in denen nachgewiesenermaßen „Finning“ stattfindet.

5. Oktober 2018

Das MSC erhält diesen Brief zusammen mit einem ausführlichen Hintergrund Briefing – unterzeichnet von 45 Umweltschutzorganisationen sowie dem englischen Einzelhändler Marks & Spencer.

5. April 2019

2. Brief an das MSC – diesmal von 57 Unterzeichnern, darunter viele Umweltschutzorganisationen wie Sharkproject, Greenpeace, WildAid und namhaften Wissenschaftlern wie Prof. Callum Roberts und Dr. Catherine Dorey. Außerdem mehrere Einzelhändler wie Migros, Woolworths, Fischereien, und das südafrikanische Fischereiministerium.

2019

Beitrag der Partner bei der vom MSC gestarteten öffentlichen Konsultation zu weiteren Maßnahmen gegen „Finning“. MSC ignorierte dabei aber die von den Unterzeichnern geforderte, schnellstmögliche Einführung einer „Fins Naturally Attached“ Verordnung.

2020

Dritter (57 Unterzeichner) und vierter (mehr als 70 Unterzeichner) gemeinsamer Brief. Diese fordern das MSC dringendst auf, jetzt endlich aktiv zu werden und die konkreten Forderungen der Interessensvertreter aus Umweltschutz, Handel, Industrie und Wissenschaft nicht länger zu ignorieren.

2021

MSC Standard Review mit dem Ergebnis, dass fast 70 % der Befragten deren Finning Policy ablehnen.

2021

Veröffentlichung des Reports: Analyse der Politik des MSC in Bezug auf das Finning von Haien und die Möglichkeit, im Rahmen der Überarbeitung ihres Fischereistandards eine Politik des "Fins Naturally Attached" zu verabschieden.