Für den Schutz der Haie das Wissen der Fischer nutzen: Erforschung der aktuellen und historischen Haipopulation in Curaçao

Future of Curacao

2015 wurde in der gesamten niederländischen Karibik das Yarari-Schutzgebiet für Haie und Meeressäuger eingerichtet. Dieser grundlegende Schritt schützt Haie rund um die Inseln Saba und Bonaire. Um die Insel Curaçao herum sind Haie und Rochen jedoch nach wie vor völlig ungeschützt, obwohl einzelne Berichte stark darauf hindeuten, dass weiterhin Haie gefangen werden. Ältere Mitglieder der Fischergemeindschaft bestätigen zudem, dass es in der Vergangenheit viel mehr Haie gegeben hat.

Um die Aufmerksamkeit auf die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der Haie in Curaçao zu lenken, werden zuverlässige Informationen über die aktuellen wie auch vergangenen Hai-Populationen und deren Vielfalt in dieser Region benötigt.

Um diese Daten zu erhalten, haben wir uns mit den Haiexperten der Insel zusammengetan: Einheimischen Fischern. Die Fischer verbringen einen Großteil ihres Lebens auf dem Meer, wo sie täglich die Meerestiere und Veränderungen des Ökosystems beobachten. Ihr Wissen ist äußerst wertvoll, vor allem wenn man historische Trends berücksichtigt. Durch Interviews mit Fischern mehrerer Generationen haben wir Informationen über ihre Haifänge gesammelt. Dazu gehören Arten, Fangorte und die Motivation der Fischer für ihren Fang - sowohl heute als auch zu Beginn ihrer Karriere. Anhand dieser Informationen können wir Veränderungen bei den Haifängen im Laufe der Zeit feststellen - wertvolle Informationen, die Aufschluss darüber geben, welche Haiarten derzeit vorkommen und ob sie seit den 1960er Jahren zurückgegangen sind, zugenommen oder ihren Lebensraum gewechselt haben. Um das Wissen der Fischer zu validieren, arbeiten wir gleichzeitig mit ferngesteuerten Unterwasservideosystemen BRUV (Baited Remote Underwater Video systems), die das Vorkommen von Haien an verschiedenen Stellen rund im die Insel erfassen.

Wenn wir mit den Fischern sprechen, beginnen wir auch ihre Motivation für den Haifang zu verstehen. Ob es sich dabei um rein finanzielle, soziale und/oder kulturelle Gründe handelt - die Bedürfnisse und Perspektiven der Gemeinschaft müssen in künftige Schutzpläne einbezogen werden. Die lokalen Fischer werden von künftigen Vorschriften am meisten betroffen sein. Um zu verhindern, dass durch den Schutz der Haie die Lebensgrundlage der Bevölkerung zerstört wird, müssen wir gemeinsam mit der Bevölkerung über geeignete Alternativen für die Bevölkerung nachdenken. Daher ist ein wichtiger Teil dieses Projekts die Schaffung einer gesunden und respektvollen Partnerschaft zwischen Forschern und Fischern durch offene Kommunikation und Beteiligung.

Wir hoffen, dass wir durch diesen integrativen, interdisziplinären und vor allem nachhaltigen Ansatz einen sicheren Hort für Haie und Rochen in Curaçao schaffen können!

Hintergrundinformationen über das Projekt

Projektziel

  • Ermittlung des aktuellen Zustands der Haie und Rochen in Curaçao, einschließlich der Artenvielfalt und der Populationsgrössen
  • Erstellung einer historischen Ausgangsbasis als Bezugspunkt für künftige Schutzpläne
  • Ermittlung artenspezifischer Bestandstrends: Welche Arten sind im Rückgang begriffen und seit wann?
  • Ermittlung der sozioökonomischen und kulturellen Gründe für den Fang von Haien
  • Suche nach kreativen, nachhaltigen Alternativen zum Haifischfang (z. B. Entschädigung)

Umsetzung eines nachhaltigen Haischutzes in diesem Gebiet

Projektdauer

Das Projekt begann als Master-Forschungsprojekt im Mai 2022 an der Universität Groningen. Die Universität beabsichtigt, das Projekt fortzuführen und das übergeordnete Ziel eines nachhaltigen Haischutzes auf Curaçao zu erreichen, indem sie den Behörden die erforderlichen Daten zur Verfügung stellt.

Projektort

Die Insel Curaçao befindet sich in der niederländischen Karibik.

Projektbeteiligte

  • Lisa Hübner, MSc Meeresbiologie-Studentin, Universität Groningen
  • Guido Leurs, Doktorand und Betreuer des Projekts, Universität Groningen
  • Laura Govers, Betreuerin des Projekts, Universität Groningen
  • Lisa Bruil, MSc Meeresbiologie-Studentin, Universität Groningen
  • Ise Grimm, MSc Meeresbiologie-Studentin, Universität Groningen
  • Javier Diaz, lokaler Experte und Kontaktstelle
  • Frensel Mercelina, Übersetzer, lokaler Experte und Kontaktstelle
  • Stichting Uniek Curaçao, örtliche Mitarbeiterin

Vorläufige Ergebnisse

  • Rückgang der Haivorkommen seit den 1960er Jahren
  • Der Lebensraum der Haie hat sich auf die nördlichen Regionen reduziert
  • Mindestens 15 Haiarten in diesem Gebiet gefunden
  • Erster Nachweis eines Seidenhais in den Gewässern von Curaçao
  • Haifänge sind hauptsächlich Beifang
  • Hauptmotivation für die Anlandung von Haien: Angst vor finanziellen Konsequenzen durch den Verlust von Fanggeräten

Projektverlauf

2022

  • Erste 3-monatige Expedition nach Curaçao
  • Durchführung von 25 Interviews mit lokalen Fischern
  • Einsatz von 58 BRUVs

2023

Zuständig