30. November 2013 .he

Wenn sich die Jäger gegenseitig attackieren, gewinnt die Beute

Aus gegebenem Anlass – Sharkproject informiert:

Wenn sich die Jäger gegenseitig attackieren, gewinnt die Beute.

Man stelle sich vor: hinter einem Beutetier rennen diverse Jägertiere her, deren Ernährung davon abhängt, dass sie die Beute fressen. Die Jägertiere rennen aber nicht nur dem gemeinsamen Ziel nach, sie versuchen zugleich, den jeweiligen Konkurrenten durch Bisse so zu schwächen, dass er nicht mehr mithält. Als Effekt sind alle Jäger durch die Ablenkung langsamer, was der Beute die Flucht ermöglicht. Die Jäger bleiben hungrig.

Eine solche Jagdtechnik würde sich evolutionär nicht durchsetzen, weshalb es solche Situationen in der Natur eigentlich nicht gibt.

Das hindert aber den Menschen nicht daran, mal wieder gegen die Natur, gegen die Evolution zu handeln:

Artenschutzorganisationen, so müsste man meinen, sollten kollaborieren, miteinander kommunizieren und sich austauschen. Es kann dem gemeinsamen Ziel nicht zuträglich sein, wenn Energie darauf verwendet wird, sich gegenseitig zu schwächen. Wer die Evolution des Survival of the fittest in diesem Sinne versteht, hat sie nicht verstanden. Keine Organisation ist das Maß der Dinge, keine Organisation könnte alleine die gewaltige Aufgabe lösen, die den Artenschutz auf unserem schönen Planeten ausmacht.

Dennoch erleben wir zu Zeit genau dies. Garniert mit persönlichen Angriffen (was bekanntlich jede ernstzunehmende Kritik in der Sache automatisch schwächt) wird SHARKPROJECT vorgeworfen, wir seien uninformiert und hätten uns von und in Costa Rica einlullen lassen.

Wir treten dieser Kritik in der Sache entgegen: Wir sind weder uninformiert noch eingelullt.

Grundlage der Verleihung des Awards „SHARKPROJECT SHARK GUARDIAN of the Year 2013” an die Präsidentin Costa Ricas, Frau Laura Chinchilla Miranda, sind die positiven Ereignisse der vergangenen Monate dort. Die Geschichte ist nämlich etwas komplexer:

Am Anfang des langen Kampfes, den SHARKPROJECT zusammen mit PRETOMA (der costa-ricanischen Haischutzorganisation) gekämpft hat, vor gut 10 Jahren, machten wir die ersten Filme ūber die Machenschaften der Finning-Mafia in den Private Docks von Puntarenas überhaupt. Wir veranstalteten zusammen mit PRETOMA Demonstrationen, erstatteten Strafanzeigen – aber wir kämpften gegen eine Mauer von Korruption, gegen eine übermächtige Haiflossen-Lobby. Costa Rica blieb trotz aller Proteste der Hauptumschlagsplatz für Haiflossen.

Doch wir gaben nicht auf. Wir finanzierten und schalteten TV-Spots und kürten den damaligen Präsidenten von Costa Rica, Abel Pacheco de la Espriella, 2006 zum „SHARKPROJECT SHARK ENEMY of the Year“ – verbunden mit einer ganzseitigen Anzeige in der größten Tageszeitung des Landes LA NACIÓN. Danach wurde es auch für uns persönlich heftig, mit persönlichen Drohbriefen und Bedrohungen bis nach Deutschland.

Wir ließen uns davon nicht beeindrucken und kämpften weiter, wenn auch ohne große Hoffnung angesichts der offensichtlichen Macht der Gegenseite. In dieser Phase entstand auch Gerhard Wegners Roman „Finning„, der in Costa Rica beginnt, und in dem die Machenschaften der Finning-Mafia nebst vieler persönlicher Erlebnisse in Romanform erzählt werden. Mit dem Geld aus dem Buchverkauf unterstützten wir den aussichtslos erscheinenden Kampf in Costa Rica weiter.

Dann wurde Frau Chinchilla Miranda zur Präsidentin Costa Ricas gewählt. Gegen heftigen Widerstand schloss sie 2010 die Private Docks. Die Finning-Industrie reagierte und importierte die Flossen nun über Nicaragua – alles blieb beim Alten, nur der (Land-)Weg wurde länger. SHARKPROJECT reagierte gemeinsam mit PRETOMA mit einer großen Aktion – es wurde in der LA NACIÓN eine ganzseitige Anzeige geschaltet, mit Kampagne und Petitionsliste. Hiernach überraschte die Präsidentin erneut, als sie Randall Arauz von PRETOMA öffentlich eine ausgefüllte Petitionsliste überreichte, die ihr Sohn in der Schule gesammelt hatte.

Sie zeigte, dass sie verstanden hatte und löste ihr Versprechen ein Jahr später ein: Am 1. Dezember 2012 wurde der Import von Haiflossen in Costa Rica insgesamt verboten. Auch der Import über Nicaragua und andere Länder war damit Geschichte. Als Costa Rica dann noch ankündigte, bei der kommenden CITES-Konferenz Schutzanträge für Hammerhaie, Weißspitzen-Hochseehaie und Mantas zu stellen und zu unterstützen, war die konstante positive Veränderung der Regierung eines Landes, das wir 2006 zum Haifeind des Jahres erklärt hatten, für uns ausschlaggebend für eine Nominierung zum „SHARKPROJECT SHARK GUARDIAN of the Year 2013“.

Zusammen mit der Preisverleihung vor ein paar Tagen wurde im Übrigen mit der Präsidentin Frau Chinchilla Miranda als Schirmherrin „El Aleteo“ vorgestellt, die spanische Ausgabe des Romans „Finning“, die ab sofort dort zu erwerben ist. Der Erlös aus dem Verkauf dieses Antifinning-Romans fließt in die weitere Arbeit der Organisation PRETOMA. Deren aktuelle Kampagne richtet sich gegen den tradionellen Verzehr von Haifleisch im Land. Neben uns unterstützt auch hier wieder die Präsidentin diese Kampagne, die in der Dankesrede anlässlich der Awardverleihung eine weitere Gesetzesänderung zusagte, um die nachhaltige Reproduktion der Tiere zu sichern.

Wir empfinden all dies insgesamt als eine unglaubliche Veränderung des Landes Costa Rica, maßgeblich durch Frau Chinchilla Miranda. Der Kampf in Costa Rica ist noch lange nicht zu Ende, aber die positiven Veränderungen sind unübersehbar. Dies ist auch die Meinung derer vor Ort, die sich mit der Sache befassen. Zweifler mögen sich an Randall Arauz wenden, den Präsidenten der international mehrfach ausgezeichneten Organisation PRETOMA. Er hat zusammen mit Gerhard Wegner am 27.11.2013 den Award überreicht. Auch er ist unser Zeuge, dass wir keine „obskure“ Organisation sind, die nicht weiß, was sie macht.

Wir haben die neue Award-Verleihung gerade nach der von 2006 auch nicht etwa unüberlegt vorgenommen; wir haben vielmehr die Veränderungen über drei Jahre intensiv beobachtet, bevor wir den Preis zuerkannten – und das nicht aus der Ferne, sondern über und mit PRETOMA direkt vor Ort.

Der „SHARKPROJECT SHARK GUARDIAN of the Year 2013“ wurde sodann an zwei Menschen mit gleichen Zielen und zum gleichen Thema – nämlich der Veränderung Costa Ricas – verliehen: Der Präsidentin des Landes und dem Unternehmer Sir Richard Branson. Der parallel vergebene „SHARKPROJECT SHARK ENEMY of the Year 2013“ ging übrigens an Colin Barnett, den Ministerpräsidenten von Western Australia, für den staatlich geförderten Jagdaufruf gegen Haie.

Natürlich ist der Haischutz auch in Costa Rica nicht vollkommen. Wir kennen die Verhältnisse vor Ort durch unsere jahrelange Zusammenarbeit mit der Organisation PRETOMA vor Ort, die wir unterstützen. Wir wissen, dass es in Costa Rica Gegenbewegungen, Versuche des Unterlaufens, Korruption und sonstige Illegalitäten gibt. Wir sind ja nicht blind.

Nebenbei: Der Preis ging an Frau Chinchilla Miranda, nicht an das Land Costa Rica oder an alle dort handelnden Menschen. Zu keiner Zeit wurde der Preis jemandem zuerkannt, der zur Finning-Mafia gehört. Die verfälschende Darstellung der Kritiker in diesem Punkt allein spricht für sich – und gegen die Kritiker.

Der an die Präsidentin verliehene Preis ist auch keinesfalls als Freibrief oder Abschlussdokument gedacht – und das ist auch so kommuniziert worden. Natürlich beobachten wir die weitere Entwicklung genau und kritisch.

Wir wissen aber auch aus eigener Erfahrung und Beobachtung um die zur Zeit bestehende Machtlosigkeit der Behörden rund um das Schutzgebiet Cocos-Island. Hier ist noch einiges zu tun.

Unserer Meinung nach bedeutet dies aber nicht, dass wir – wie diejenigen, die uns angreifen – die Regierung von Costa Rica als korrupte Steigbügelhalter der Haiflossenmafia diffamieren, nur weil es bisher keine allumfassend effektive Durchsetzung von guten Gesetzen gibt. Was wird hier eigentlich erwartet? Soll Costa Rica Milliarden in den Aufbau einer Seemarine investieren, um alle paar Qua­dratkilometer bewaffnete Kriegsschiffe gegen die Fischerboote vorzuhalten? Wer das ernsthaft erwartet oder verlangt, darf niemand anderem vorwerfen, ein Problem mit Machbarkeiten oder der Realität zu haben.

Die Regierung in San José hat mit den neuen Gesetzen erste wichtige Schritte gesetzt, dem Massenmord an Haien Einhalt zu gebieten. Das galt es zu honorieren, und dazu stehen wir. Die Preisverleihung an die Präsidentin war und ist richtig.

Die Kritik an uns ist lautstark, zeugt aber bei näherer Betrachtung von einer bodenlosen Ignoranz. Wir halten es eindeutig für den besseren Weg, jeden zu loben, der sich ernsthaft Mühe gibt: um ihn auf dem richtigen Weg zu motivieren – und nicht jeden Versuch grob abzuwürgen, indem wir ihn bereits unterwegs verurteilen, weil irgendein erwarteter oder erträumter Erfolg noch ausbleibt. Wir sind auch durchaus selbstbewusst, dass diese zwischenmenschliche Vorgehensweise nicht nur pädagogisch die Richtige ist.

SHARKPROJECT ist nicht militant, weder in Aktionen, noch in Worten. Wir wollen uns auch nicht in weitere Diskussionen verstricken und stattdessen unsere Zeit und Energie wichtigeren Dingen zuwenden.

Denn es gibt wahrlich genug zu tun.

SHARKPROJECT International e.V.
Präsident: Gerhard Wegner
Vizepräsidentin: Christine Gstöttner
Vizepräsidentin: Christine Staacks

SHARKPROJECT Austria e.V.
Präsident: Dr. Walter Buchinger
Vizepräsident: Helmut Wipplinger
Vizepräsidentin: Elisabeth Buchinger

SHARKPROJECT Germany e.V.
Präsident: Gerhard Wegner
Vizepräsident: Heiner Endemann
Vizepräsident: Wolfram Koch

SHARKPROJECT Switzerland e.V.
Präsidentin: Nicole Blumenthal
Vizepräsident: Alex Smolinsky

30.11.2013

Die Erklärung zum Herunterladen (pdf, ca. 320 kB): hier klicken.

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Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

Comments (6)

  1. Stefanie Langhammer

    Lieber Gerhard und Team,

    Danke für Eure Freizeit, dass Ihr jede freie Sekunde Eures Lebens für diese Tiere spendet.

    Ich durfte dieses Land, die Docks und Cocos Island besuchen und Ihr habt damit einen tollen Erfolg erzielt!

    Vielen Dank auch, dass Eure innovativen Ideen all das erst ermöglichen und ich Euch dabei schon so viele Jahre unterstützen kann. Weiter so!

    Eure Steffi

  2. Genau das ist die richtige Antwort auf diesen unglaublichen Vorwurf …. Erst genau informieren und recherchieren bevor man jemanden ungerechtfertigt in die Pfanne haut ….

  3. Ute Kranich

    Schlimm genug, dass kostbare Zeit geopfert werden muss, um sich zu rechtfertigen!

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