14. Februar 2021 Britta Baur

Was bringt 2021? – Ein SHARKPROJECT Rück- und Ausblick in der Tauchen 02/2021

Tauchen Magazin, Ausgabe Februar 2021

Nach einer Verschnaufpause im Sommer bestimmte ab Oktober Covid-19 wieder das Weltgeschehen und die Kosten der Pandemie für die Zukunft der Ozeane wurden erneut zur Nebensache. Denn außer großspuriger Slogans der EU von „Green Deals“, „Blue Transformation“ und etwas Nachbesserung bei den Klimazielen ist mit Blick auf die Umwelt und den Meeresschutz nichts passiert. Und seitens Deutschland war dafür neben Corona die EU Ratspräsidentschaft die häufigste Ausrede wenn es darum ging längst überfälliger Maßnahmen beim Meeresschutz und der Fischerei – Verursacher Nr. 1 für den Artenverlust im Meer und die beängstigende Situation unserer Haibestände. Die IUCN listete zum Jahresende 154 Hai-und Rochenarten als bedroht.

Ein Meeres-Rückblick auf 2020  

Bereits im Frühjahr wurde klar dass, es mit dem Superjahr der Ozeane nichts wird. Das 2020 sogar zum Alptraum für die Meere wird, war jedoch nicht abzusehen. Dabei hatten der Rückgang des Flugverkehrs und Tourismus durchaus positive Seiten für die Umwelt.

Aber in Hinblick auf die Meere war 2020 nicht nur von abgesagten Konferenzen und Verhandlungen, sondern auch von nationalen Interessen mit weitreichenden Folgen geprägt:

  • Die Verhandlungen der WTO für ein Ende der Fischerei-Subventionen ziehen sich bis Ende 2020 hin, und die EU hält auf Drängen von Spanien noch immer an diesen fest. Unter Führung von PEW sagen 170 Organisationen und prominente Unterstützer Nein.
  • Die Niederlande schaffen es fast unbemerkt, dass das eigentlich beschlossene Ende des Elektrofischens in der EU wieder auf dem Tisch ist. BLOOM bringt es ans Licht.
  • Bei den Verhandlungen zum Schutz des bedrohten Kurzflossen-Makohais im Atlantik verhindern EU und USA erneut eine Einigung. SHARKPROJECT und +50 Organisationen aus Meeresschutz und Handel prangern die Fortsetzung der Überfischung und das Verpassen der Chance für eine Bestandserholung an.
  • Im Indischen Ozean gibt es keine Einigung, um die Überfischung des Gelbflossenthuns zu beenden, und im Ostpazifik können sich die Mitgliedsstaaten nicht auf die Erneuerung von Fangmengenregulierungen einigen. Auf Drängen der NGOs und des Handels werden für 2021 „Notsitzungen“ anberaumt.
  • Das Nachhaltigkeitssiegel MSC hält den weltweiten Standard „Fins Naturally Attached“ zur Verhinderung von „Finning“ nach wie vor nicht für notwendig. SHARKPROJECT fordert mit +75 Organisationen FNA als Voraussetzung für alle MSC zertifizierten Fischereien.
  • Die EU Bürgerinitiative #StopFinningEU hat bis Jahresende nicht einmal 20 Prozent des Ziels erreicht – bis Juli 2021 müssen weitere 800.000 Stimmen gesammelt werden, und dabei kommt es auf jeden Einzelnen an.
  • Im Wettlauf um einen Impfstoff gegen Corona enthüllt Shark Allies, dass in einigen Impfstoffkandidaten Squalen aus Haien enthalten ist – und durch die riesige Zahl an Impfdosen die Nachfrage nach diesem Rohstoff weiter angeheizt werden könnte. Bereits heute sterben ca. 3 Millionen Tiefseehaie allein für diese Substanz aus ihrer Leber, die  in Impfstoffen, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln und technischen Produkten enthalten ist. SHARKPROJECT startet eine Kampagne zu diesem Thema, um die Beteiligung des deutschsprachigen Marktes aufzuzeigen. Denn pflanzliches oder biotechnologisch hergestelltes Squalen (C30H50) ist eine gleichwertige, sicherere und, unter Berücksichtigung aller Kosten, sogar günstigere Alternative.

Hoffnung für 2021? 

Das lässt sich momentan leider noch nicht sagen, sondern nur hoffen. Das wird neben den laufenden Verhandlungen und Notsitzungen unter anderem auch vom Konsumverhalten der Verbraucher abhängen. Und davon, ob wir als Bürger Druck auf unsere Regierungen ausüben werden. Die Ausrede mit der Ratspräsidentschaft gilt 2021 nicht mehr, und es bleibt zu hoffen, dass im Wahljahr der Fokus nicht wieder nur auf Corona und der Erholung der Wirtschaft liegt, sondern endlich die Zukunft unseres Planeten im Mittelpunkt steht. Denn „ohne Haie stirbt das Meer“. Und ohne lebendige Ozeane steht es schlecht um die Zukunft des blauen Planeten. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen stets zuletzt.

 

Text: Dr. Iris Ziegler, Sharkproject

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