5. November 2020 Austria Sharkproject

Verantwortungsvolles Tauchen mit Haien

Ein Auszug aus Blind Dates

An der Statistik des Global Shark Attack Files sehen wir deutlich, dass Taucher mit knapp 5 % Anteil bei den sowieso wenigen Haiunfällen fast nicht präsent sind. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass sich die Tiere einem Taucher meist nicht unbemerkt nähern können. Es kommt deshalb extrem selten zu nahen Begegnungen. Eine grundsätzliche Ausnahme stellen aber Haifütterungen dar. Und dabei ist es egal, ob es sich um absichtiliches Füttern handelt oder man sich in einer Situation befindet in der natürliches Futter im Wasser ist und Haie fressen oder jagen. Da kann es passieren, dass scheinbar aus dem Blauen heraus ein Weißspitzen-Hochseehai direkt den Taucher anschwimmt, weil er durch Safariboot-Abfälle stimuliert worden ist, oder dass sich der Taucher plötzlich mitten in einem wildgewordenen Rudel von Haien befindet, nachdem eine Köderbox auseinandergebrochen ist. Beide Fälle sind gefährliche Situationen, weil es sehr nahe Begegnungen sind. Hauptziel muss es deshalb immer sein, Distanz zu dem Geschehen zu halten – zumindest, soweit man das beeinflussen kann. Das kann bedeuten, nicht direkt zwischen den Safaribooten zu tauchen oder bei Haifütterungen sichere Entfernung zur Köderbox zu halten und Strömungsverhältnisse zu berücksichtigen, damit man nicht plötzlich inmitten des Ködergeruchs schwimmt.

Es gibt aber auch andere Fälle, die nicht so einleuchtende Gründe haben. Es bleibt nur die einfache Regel: Wenn ein Hai sich dem Taucher nähert, interessiert er sich für das ihm fremde Objekt. Deshalb höchste Vorsicht. Dafür gelten die nachfolgenden Sicherheitsregeln. Dass die Checkliste allgemein gehalten ist und deshalb nicht alle denkbaren Situationen umfassen kann, liegt auf der Hand. Aber bei den meisten Haibegegnungen lässt sich damit das Risiko eines Angriffs deutlich minimieren.

Allgemeine Regeln:

  • Zunächst: Think positiv! Das Risiko einer Haibegegnung oder besser die Chance einer Haisichtung ist extrem gering. Und wenn doch, ist das daraus folgende Risiko eines Angriffs noch viel geringer.
  • Aufmerksam dem Tauchbriefing folgen. Nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde.
  • Sich vor allem informieren, welche Haiarten zu erwarten sind und welches Verhalten zu erwarten ist. (Die Tauchguides wissen meist am besten, was da herumschwimmt und was gefährliche Situationen hervorrufen kann.)
  • Sich über Notfallmaßnahmen informieren. Darauf bestehen, dass bei Fütterungen Sicherungstaucher dabei sind. Besonders, wenn man selbst fotografieren oder filmen will.
  • Respekt vor Haien niemals verlieren. Vorsicht und Aufmerksamkeit gehören zur Standard-Ausrüstung.
  • Richtige Tauchplanung: Beim Tauchen in Haigebieten ist es z. B. ratsam, sich immer wieder einmal umzusehen, auch wenn kein Hai zu sehen ist.
  • Richtiges Equipment: Bei Haifütterungen immer Distance Stick (Sharkstick) oder großes Kameragehäuse mitnehmen. Handschuhe und Kopfhaube benutzen.
  • Auf Kontraste achten: Bei Haifütterungen immer einheitliche, dunkle Neoprenbekleidung, Maske und Flossen benutzen. Helle Design-Elemente auf Anzug, Handschuh, Haube und Füßlingen überkleben oder übermalen. (Grund: Starke Kontraste können bei Fütterungen mit Futter verwechselt werden, da das Fleisch von Beutefischen auch hell ist.)
  • In der Gruppe bleiben. Eine enge Gruppe von Menschen wirkt auf Haie einschüchternd.
  • Immer Distanz halten – auch wenn die Makroaufnahme des Gebisses an der Köderbox noch so verlockend ist.
  • Haie nicht bedrängen und nicht berühren.

Tauchen mit Haien: eine Grundüberlegung

Klar ist eines: Fütterungstauchgänge sind immer Hochrisikotauchgänge. Bei jedem Tauchgang kann man völlig andere Erfahrungen machen als Hunderte und Tausende Taucher zuvor an der gleichen Stelle und mit den gleichen Haien. Wer nur wenige Tauchgänge hinter sich hat, wenig Erfahrung mit Strömungen und Großfischen besitzt oder unsicher in der Handhabung seiner Ausrüstung ist, sollte darauf verzichten. Egal, was der Guide sagt. Einige Tauchführer sehen nur das Geschäft und verweisen gerne darauf, dass es noch nie Zwischenfälle gegeben habe. Mag sein oder auch nicht. Wenn etwas passiert, erwischt es Sie und nicht den Guide. Deshalb vertrauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand und verlieren Sie vor allem niemals den Respekt vor den Tieren. Haie in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, ist ein unvergleichliches Erlebnis mit normalerweise geringem Risiko. Aber Sie sollten sich immer bewusst sein, dass jeder Haitauchgang auch ein Blind Date ist.

Wer mehr über Haie und das Tauchen mit Haien wissen möchte, findet alles im SHARKPROJECT Buch BLIND DATES.

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