(c) Daniel Botelho
(c) Daniel Botelho

Netze töten Meeresbewohner!     

Schon seit Langem sorgt sich SHARKPROJECT über den Einsatz von Netzen zur „Abwehr“ von Haien. Das Ergebnis ist nicht nur fragwürdig, sondern diese Netze werden auch zur tödlichen Falle für viele Meeresbewohner, wie zum Beispiel Delphine, Schildkröten und Haie.

Als wir vor einigen Jahren erfuhren, dass ein junger Wissenschaftler aus den USA an alternativen Barrieren forscht, weckte das sofort unser Interesse. Das Ziel war es, Weiße Haie und Menschen an besonders kritischen Strandabschnitten voneinander fernzuhalten, so dass es keine irrtümlichen Angriffe auf Schwimmer und Surfer mehr gibt, das sinnlose Sterben in den Netzen ein Ende hat, und der Hai in den Medien nicht mehr als der böse Killer dämonisiert wird.

Gibt es sichere, ungefährliche Alternativen?

Dr. Craig O’Connel hatte bereits Tests mit künstlichen Magnetfeldern durchgeführt und untersucht, wie weit bestimmte Haie dadurch vom Weiterschwimmen abgehalten werden. Aufgrund bisheriger Beobachtungen hatten er und auch andere Forscher die Vermutung gehabt, dass sich Weiße Haie nicht in (bestimmte) Kelpwälder hineinbewegen bzw. diese nicht durchschwimmen. Dies führte letztlich zu seiner These, dass mit künstlichem Kelp und einem permanenten Magnetfeld eine effektive Barriere gegen Haie geschaffen werden könnte, die aber andere Fische und Meeresbewohner nicht in ihren Bewegungen einschränkt oder ihnen gar gefährlich wird.

Umfangreiche Forschung ist notwendig.

Zur Verifizierung dieser These waren viele einzelne Forschungsschritte notwendig. Craig O’Connels Conservation Foundation, die er gemeinsam mit seiner Frau Dr. Nicole O’Connel gegründet hat, besteht aus einem jungen Forscherteam, das die finanziellen Mittel dazu nicht selbst aufbringen konnte.  Hier sprang SHARKPROJECT  ein und unterstützte dieses Unterfangen mit einer wesentlichen Summe.

Diese Mittel wurden hauptsächlich dazu verwendet, um im Jahr 2015 die Expedition nach Südafrika zu finanzieren, wo dreienhalbwöchige intensive Forschungsarbeiten mit den dortigen Großen Weißen Haien durchgeführt wurden.

(c) Michael Mather
(c) Michael Mather

Hält Kelp Haie ab?

In natürlichen Kelpwäldern unterschiedlicher Größe und Dichte wurden Weiße Haie mittels Futterboxen angelockt, gefilmt und ihr Verhalten studiert. So konnte festgestellt werden, welche Seiten- und Tiefenabstände künstlicher Kelp haben müsste, um als Barriere zu wirken.  Dies war sehr zeitaufwendig und dauerte hunderte Stunden, da eine entsprechend große Anzahl an Weißen Haien in unterschiedlichsten Situationen beobachtet werden musste, um statistisch signifikante Aussagen treffen zu können.  Tatsächlich konnte der Beweis erbracht werden, dass Weiße Haie, auch wenn der Duft der Köder noch so verlockend war, in Kelpwälder mit bestimmter Beschaffenheit und Dichte nicht hineinschwimmen.

Kann man künstliches Kelp „bauen“?

Die Konstruktion von künstlichem Kelp war die Kernaufgabe. Es galt folgende Fragen zu lösen und auch praktisch zu erproben: Wie wird „Kelp“ am Boden befestigt? Welchen Kräften muss „Kelp“ standhalten können? Welches Material ist beständig und elastisch genug? Das alles stand natürlich unter dem Blickwinkel der Verhältnismäßigkeit, sowohl die Kosten als auch die Effizienz der Montage betreffend. Es stellte sich bald heraus, dass im Unterschied zu natürlichem Kelp, die einzelnen „Stängel“ der Barriere aus mehreren Segmenten eines bestimmten Kunststoffes bestehen müssen, welche durch kurze Segmente von Kabeln, Ketten und Drähten verbunden sind. Das macht sie beweglich genug, um auch in starker Brandung die notwendige Flexibilität aufzuweisen. Immer wieder musste die Bauweise geändert werden, bis schließlich das perfekte Konstrukt gefunden wurde.

Werden Haie durch Magentfelder irritiert?

Mit ihren Lorenzinischen Ampullen erkennen Haie elektrische Felder ab 1/1000 Mikrovolt.  Mit diesen extrem feinen Sinnesorganen nehmen sie auch Magnetfelder wahr.  In Tests konnte eine bestimmte Art von Permanentmagneten ermittelt werden, deren elektrosensorische Stimuli stark genug sind, um Weiße Haie zusätzlich zu irritieren, die jedoch andere Meeresbewohner nicht beeinflussen.

Der große Test in Südafrika.

In den Jahren 2015 bis 2016 wurden ausgedehnte Versuche in Südafrika durchgeführt. In einem als „Shark-Alley“ bekannten Küstenabschnitt in der Nähe einer Robbenkolonie wurde eine Barriere errichtet und dahinter bzw. innerhalb der Testanordnung wurde geködert.  (Es handelte sich dabei um Köder, die außerhalb des Testfeldes von Weißen Haien sofort und gierig angenommen wurden!).

(c) Craig O'Connell
(c) Craig O'Connell

Mit Hilfe verschiedener Videokameras wurde über hunderte Stunde das Verhalten der Meeresbewohner dokumentiert. Die Auswertung ergab, dass kleinere Fische ohne Schwierigkeiten die Barriere passierten. Kleinere Räuber wurden auch durch die Köder angelockt und nahmen diese innerhalb bzw. hinter der Barriere auf.

(c) Craig O'Connell
(c) Craig O'Connell

Weiße Haie hingegen näherten sich der Barriere und schwammen entweder kurz vorsichtig an dieser entlang oder drehten überhaupt sofort ab.

Kein einziger Weißer Hai hat die Barriere durchbrochen oder auch nur versucht in diese hinein zu schwimmen!

(c) Craig O'Connell
(c) Craig O'Connell

Der fertige Testaufbau in der „Shark-Alley“ in Südafrika

Das Ergebnis von Craig O’Connels Forschung ist so überzeugend, dass bereits eine große Universität in Südafrika die praktische und kommerzielle Nutzung dieser Sharksafe Barrier vorbereitet. Wir erwarten, dass wir zukünftig über die ersten erfolgreichen Anwendungen berichten können.

Die komplette Studie wurde jüngst im renommierten Journal „Aquatic Conservation“ publiziert und kann kostenpflichtig unter http://onlinelibrary.wiley.com/wol1/doi/10.1002/aqc.2803/full heruntergeladen werden. SHARKPROJECT Austria wird in dieser offiziellen Publikation als Sponsor erwähnt!

SHARKPROJECT ist sehr glücklich zu diesem erfolgreichen ersten Schritt maßgeblich beigetragen zu haben.  Wir hoffen, dass es, auch dank der Unterstützung unserer Spender,  in Zukunft noch weniger Angriffe von Großen Weißen Haien geben wird, das sinnlose Sterben in den Netzen ein Ende hat und der Hai endlich als das gesehen wird, was er wirklich ist: Ein seit hunderten Millionen Jahren erfolgreicher, scheuer und wunderschöner Jäger der Meere, den wir schützen müssen.

 

Wir bedanken uns bei unseren Unterstützern, Paten und Förderern, die durch ihre Spenden einen wichtigen Beitrag zur angewandten Forschung im Haischutz leisten.

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