11. September 2018 .he

SHARKPROJECT zieht seinen Einspruch gegen die MSC-Zertifizierung „Echebastar“ aus Protest gegen das Verfahren zurück.

Fish Aggregating Device (FAD) / (c) Paul Hilton / Greenpeace

„Das Verfahren ist unfair. Es hindert kleinere NGOs daran, aktiv als Interessenvertreter am Verfahren teilzunehmen, indem es immense finanzielle und bürokratische Hürden in den Weg der Einspruchsführer legt.“

Der MSC will offensichtlich diese Fischerei auf jeden Fall zertifzieren – koste es, was es wolle.

Gemeinsam mit der International Pole and Line Foundation (IPNLF) und dem WWF hatte SHARKPROJECT formell Einspruch gegen die MSC-Zertifzierung der spanischen Echebastar-Fischerei eingelegt. Dieses Jedermanns-Einspruchsrecht ist die einzige Möglichkeit für Außenstehende, auf die Bewertung durch den MSC Einfluss zu nehmen, ob eine Fischerei nachhaltig nach den MSC-Kriterien ist.

Der MSC legt Wert auf sein vorgeblich faires und offenes Zertifizierungsverfahren. Die Prüfung wird an vorgeblich unabhängige Prüfer ausgelagert, sogenannte CABs. Diese werden zwar durch den MSC hierfür zugelassen, letztlich aber durch die Fischerei ausgewählt und bezahlt – SHARKPROEJCT moniert dies schon länger.
Aber der MSC schaltet Einsprüche gegen Zertifizierungen auch im Einspruchs-Verfahren aus, wie wir jetzt feststellen mussten: Echebastar sollte im neuen „Streamlining Process“-Verfahren zertifizert werden; der MSC möchte schneller, einfacher und kostengünstiger werden. Dies bedeutet aber faktisch, dass die Spielregeln während des Verfahrens andauernd geändert werden – und zwar immer höchst kurzfristig. Den Einspruchsführern wurden hierdurch Fristen und Vorgaben auferlegt, die (gewollt) unmöglich einzuhalten waren. Anträge auf faire Fristeinräumung wurden abgelehnt.

Zuletzt wurde zum Anhörungsverfahren auf die Seychellen im Indischen Ozean eingeladen – wohlgemerkt: eine spanische Fischerei beantragt bei einem britischen Unternehmen eine Zertifizierung – alle beteiligten Unternehmen sitzen in Europa. Die Fischerei habe darum gebeten, wurden wir beschieden; eine Diskussion über den Ort wurde ebenso verweigert wie der Antrag auf Teilnahme per Videokonferenz. Bei aller Spendenfreudigkeit: fünf Tage Seychellen kann SHARKPROJECT nicht bezahlen.

Es hätte aber vermutlich auch keinen Erfolg gehabt: unsere Argumente wurden ohnehin einseitig bewertet und missachtet. SHARKPROJECT hat mit einer Vielzahl von Beweisen und wissenschaftlichen Belegen argumentiert, dass Echebastar keinesfalls nachhaltig fischt. Die vorgeschriebenen Bewegungsdaten der Flotte wurden selektiv vorgelegt, soweit sie überhaupt vorhanden sind – die Flotte verwendet auch nach fast 20 Jahren nicht den verbindlichen internationalen Standard AIS. Offensichtlich fehlt es an Mitteln oder der Bereitschaft, Schiffsbewegungen öffentlich zu machen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ein Schiff der Echebastar-Flotte

Ein Schiff der Echebastar-Flotte

Und Echebastar hat eine Menge zu verbergen: Die Spanier fangen mit Ringwadennetzen und umhertreibenden, künstlichen „Fischsammlern“, den sog. „drifting FADs“. Hierdurch wird ohne jede Selektion gefischt: mehr als 7.000 Seidenhai-Jungfische sind der „Beifang“ bei der Jagd auf Thunfisch. Dieser Beifang wird komplett bei der Bewertung der „Nachhaltigkeit“ des MSC ausgeblendet. Und weiter: Echebastar fischt ca. 35.000 Tonnen Thunfisch pro Jahr – etwa die Hälfte dessen soll zertifiziert werden (Bonito). Die andere Hälfte besteht aus Gelbflossenthun und Großaugenthun, zwei von der IUCN als massiv überfischt eingeschätzte Arten. Auch sie werden ausgeblendet, wenn der Bonito das MSC-Zertifikat bekommen soll.

Auch zerstören verlorengehende oder gestrandete Fischsammler-Flöße wohl auch empfindliche marine Lebenräume wie Korallenriffe – ein von uns vorgebrachtes Risiko, dass vom CAB komplett beiseite gewischt wurde.

SHARKPROJECT wirft der Echebastar-Fischerei zudem ‚Finning‘ vor. Das EU-weite Verbot gilt unmittelbar auf den spanischen Schiffen, sodass Haiflossen rechtlich nur angelandet werden dürfen, wenn sich die Flossen noch am Fisch befinden. Echebastar beruft sich auf eine andere Vorgabe, nach der das Gewicht der angelandeten Flossen nicht mehr als 5% des Gewichts der angelandeten Fische betragen darf – getrennt transportiert und gewogen. Die 5%-Regel entspricht schon länger nicht mehr dem wissenschaftlich anerkannten Standard; es ist nach Wochen auf See bei gefrorener Fischware nicht mehr feststellbar, ob Flossen und Fischkörper überhaupt zusammengehören – dem Missbrauch ist jedes Tor geöffnet.

Der Zertifizierer hat nichts hiervon zum Anlass genommen, Echebastar um weitere Belege aufzufordern, oder Auflagen zu erteilen – nicht einmal solche auf künftige Reduktionen offensichtlich nicht-nachhaltiger Vorgänge. Statt dessen hat der CAB seinen Auftraggeber nach Kräften unterstützt und jede Unparteilichkeit aufgegeben.

Das Logo von Echebastar

Das Logo von Echebastar

Dies mag auch daran liegen, dass Echebastar kein Unbekannter ist: bereits 2015 wurde eine Zertifizierung gesucht, gegen die der WWF erfolgreich Einspruch eingelegt hat – übrigens einer der beiden insgesamt jemals erfolgreichen Einsprüche in der MSC-Geschichte.

Seit 2017 läuft nun der zweite Versuch von Echebastar, ein offensichtlich nicht nachhaltiges Verhalten mit dem MSC-Siegel legitimieren zu lassen, gegen jede Vernunft. Eine Zertifizierung würde (wird?) als Grundsatzbewertung die ohnehin kritikwürdigen Standards des MSC erheblich weiter aufweichen – spätestens dann wäre das Siegel absolut unbrauchbar.

 

SHARKPROJECT wird das Verfahren beim MSC rügen und dem Dachverband der Nachhaltigkeitsstandards ISEAL ebenso wie der FAO der Vereinten Nationen Bericht und Belege für das parteiische Verfahren vorlegen.

Wir berichten weiter.

Pressemitteilung (englisch) – hier klicken (PDF, 450kB)

Fotos: Echebastar / Paul Hilton / Greenpeace

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