16. Juli 2015 admin

SHARKPROJECT-Studie: Der Haihandel in Europa

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

SHARKPROJECT hat 2015 eine Studie in Auftrag gegeben, die den Haihandel in Europa durchleuchtet. Der französische Fachjournalist Romain Cabrol, langjähriger Kenner und Experte des Haihandels in Europa, hat diese Studie recherchiert und erarbeitet.

Hintergrund waren Fakten, die wir schon kannten:

  • 30% aller weltweit gehandelten Flossen stammen aus Europa. (Shark Trust)
  • 98% aller im Atlantik gefangenen Haie werden mittels ‚Longlining‘ (Fangmethode) gefangen. (ICCAT)
  • 80.000 Tonnen Hai wurden 2011 im Atlantik und Mittelmeer gefangen – 73.000 Tonnen Blauhai und  7.000 Tonnen Makohai (ICCAT)
  • 68.200 Tonnen Hai wurden 2012 im Atlantik und Mittelmeer gefangen – 60.900 Tonnen Blauhai und  7.300 Tonnen Makohai (ICCAT)
  • 45.000 Tonnen Blauhai und 3.200 Tonnen Makohai wurden 2011 im Atlantik allein durch Fischer aus Spanien gefangen (ICCAT)
  • 14.200 Tonnen Blauhai und 1.450 Tonnen Makohai wurden 2011 im Atlantik durch Fischer aus Portugal gefangen (ICCAT)
  • Der Haiflossenkonsum in Südchina ist in den letzten Jahren um 84% gesunnken. 64% der hierzu befragten Chinesen sind durch Aufklärungskampagnen aufmerksam gemacht worden, 61% wollen hierdurch gezielt Haie schützen. Die örtliche Aufklärungsarbeit trägt Früchte. (Wild Aid Report 2014)
  • Der Preis für Haiprodukte in Südchina hat sich durch den Nachfragerückgang seit 2012 auf etwa 50% halbiert.

Auf Basis dieser Fakten setzt die SHARKPROJECT-Studie an. Romain Chabrol wertete Meldungen an die International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas (ICCAT) aus und ergänzte diese um eigene Recherchen und veröffentlichte Handelszahlen.

Auszüge der SHARKPROJECT-Studie zum Haihandel in Europa:

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

Der weltweite Gesamtfang der Fischereiflotte aus Spanien in 2013 betrug 48.750 Tonnen Blauhai und Makohai.

Deutschland importierte in 2013 265 Tonnen Hai (Blauhai, Makohai und Hundshai). 2014 stiegt der Import auf 296 Tonnen dieser drei Arten. Der größte Anteil davon, nämlich 262 Tonnen, waren 2014 fertig verarbeitete Haisteaks. Bei dem anzunehmendem Gewichtsfaktor 2,4 entspricht die ca. 630 Tonnen Haifisch-Lebendgewicht. Deutschland importiert diese Mengen hauptsächlich aus Namibia (154 Tonnen Haifilets in 2014, entspricht ca. 370 Tonnen Haifisch-Lebendgewicht).

Namibia als Hauptexporteur Richtung Deutschland fängt diese Mengen nicht selbst, sondern verarbeitet Fremdfänge. Die Blauhaie und Makohaie, die nominell aus Namibia importiert werden, wurden im Süd-Atlantik gefangen – in erster Linie per Longlining durch Fischerei-Joint Ventures aus Spanien und Portugal.

Importzahlen zu Dornhai: Deutschland importierte in 2013 zusätzlich zu den genannten Haiarten weitere 255 Tonnen Dornhai. Dieser Import ging in 2014 auf 90 Tonnen zurück. Die Importe erfolgten teils frisch aus den skandinavischen Ländern, zum Großteil gefroren aus den USA. Da es sich hierbei um verarbeitete Produkte (Hai-Steaks) handelte, ist die Anzahl der getöteten Tiere höher: 528 Tonnen Dornhai wurden 2013 gefangen, 177 Tonnen in 2014.

Nördlicher Glatthai: In 2013 wurden von den EU-Nationen (vornehmlich Frankreich und England) mittels Longlining allein im Nordostatlantik 3.433 Tonnen nördlicher Glatthai gefangen.

Spanien, Italien und Griechenland sind die Hauptkonsumenten von Haifleisch in Europa.

Fischer aus Japan fingen 2013 im Atlantik 4.627 Tonnen Blauhai und Makohai. Die Japanische Flotte landet in Las Palmas De Gran Canaria (gehört zu Spanien) an. Somit werden die importierten Tiere, wenn sie weiter vermarktet werden, als Spanischer Export geführt.

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

Der Preis für nach Spanien importierten Hai lag im Schnitt bei 1,58€/kg für gefrorenen Hai, 1,73€/kg für frischen Hai und 2,32/kg für gefrorene Haisteaks.

Nach Spanien exportiert primär die Fischindustrie Portugals: 6.780 Tonnen Blauhai und Makohai in 2014, was 51% des Imports nach Spanien entspricht.

Die Meldungen an die ICCAT sind offensichtlich fehlerhaft: Spanien meldete dem ICCAT für 2013 266 Tonnen Hai-Import aus dem Senegal. Der Senegal meldete für den gleichen Zeitraum den Fang (und somit Export) von nur 95 Tonnen Hai. Ebenso entsprechen die Meldewerte Namibias sich nicht: Das Land meldete der ICCAT 1.154 Tonnen Blauhai (1.146 t) und Makohai (8 t) an. Spanien meldete für den gleichen Zeitraum Importe aus Namibia von 1.996 Tonnen Blauhai und Makohai.

Der Marktwert des Exports aus Spanien  in 2013 (15.930 Tonnen Hai) entspricht 39 Millionen Euro. Der Preis für aus Spanien exportierten Hai lag im Schnitt bei 2,33€/kg für gefrorenen Hai, 2,14€/kg für frischen Hai und 4,08/kg für gefrorene Haisteaks. Die Hauptabnehmer dieses Haiexports sind Italien (24%), Brasilien (20%) und Portugal (19%).

Spanien ist somit mit Abstand der größte Markt für Hai in Europa. Das traditionelle Spanische Gericht „Biensable Andaluz“ wurde ursprünglich aus Hundshai hergestellt, wird aber heute fast ausschließlich als Blauhai serviert. Hochgerechnet auf das Lebendgewicht der Tiere wurden allein in Spanien 43.656 Tonnen Hai im Jahr 2013 konsumiert.

Portugal fing 7.705 Tonnen Blauhai und Makohai in 2013; 2012 waren es noch 8.396 Tonnen gewesen. Dieser Rückgang wird offenbar durch Import kompensiert: 2014 importierte Portugal 5.080 Tonnen Hai gegenüber 2.958 Tonnen in 2013 – dies ist eine Steigerung um über 70%. Namibia mit 46% Markanteil und Spanien mit 28% waren die wichtigsten Handelspartner Portugals.

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

(c) SHARKPROJECT, Romain Chabrol

Die angegebenen Zolldaten klaffen teilweise ebenfalls sehr weit auseinander. Portugal bestätigt in offiziellen Zollangaben 1.425 Tonnen Haiimport in 2014 aus Spanien, während am anderen Ende des kurzen Handelswegs Spanien offizielle Zollpapiere über 3.025 Tonnen Hai-Export nach Portugal im gleichen Zeitraum ausstellte.

Der Export in Gegenrichtung erfolgt ebenfalls: Im Jahr 2014 exportierte Portugal 10.123 Tonnen Hai (signifikant mehr als 2013 mit 4.730 Tonnen). 83% des Portugiesischen Exports geht nach Spanien. Die Studie belegt sehr detailliert die engen Verstrickungen dieser beiden europäischen Haupt-Haifangnationen.

Weitere detaillierte Zahlen in der Studie liegen vor zu Deutschland, Italien, Griechenland, Österreich, Frankreich und England.

Wir danken Romain Cabrol für seine umfangreiche Recherche und detaillierte Ausarbeitung der Studie. Des Weiteren dankt SHARKPROJECT dem Großspender aus dem Raum Berlin, der auf eigenen Wunsch unbenannt bleibt, ohne den die Finanzierung dieser umfangreichen Studie nicht möglich gewesen wäre.

Text und Bilder (c) SHARKPROJECT, Friederike Kremer-Obrock, Romain Chabrol

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