16. Juni 2017 .he

SHARKPROJECT ist gegen Shark City – auch in Pfungstadt

Seit einigen Monaten läuft unsere Kampagne gegen „Shark City“ in Sinsheim, dem geplanten Sensations-Groß-Aquarium, in das ungeeignete Haiarten eingesetzt werden sollen. Nicht ohne Erfolg: die Politik in Sinsheim hat die Kooperation mit dem Betreiber erheblich abgekühlt, und prüft vor allem die rechtliche Zulässigkeit sehr genau.

Der Betreiber hat daraufhin offensichtlich umgeplant und einen willfährigen Mitspieler gefunden: die Stadt Pfungstadt in Hessen, südlich von Darmstadt. Die dortige Lokalzeitung Darmstädter Echo meldete am 15.06.2017, „Shark City“ werde nunmehr dort errichtet werden.

SHARKPROJECT macht seine Meinung zu den Plänen nicht vom Ort des Themas abhängig – wir werden auch gegen „Shark City Pfungstadt“ aktiv einschreiten.

Unsere Kampagne gegen die Pläne im baden-württembergischen Sinsheim hat durchaus gewirkt. Es kam zu einer großen Allianz von Arten- und Tierschützern. Mehrere Vorträge und Podiumsdiskussionen zeigten, dass die ‚Macher‘ und ‚Schirmherren‘ der „Shark City Sinsheim“ versucht haben, eine klare Aussage zu den Haiarten zu vermeiden, die eingesetzt werden sollen. War zunächst von den „größten Haien Europas“ unter dem Werbebild eines Tigerhais gesprochen worden, wurde dann versichert, nur bodennah lebende, bentische Haie wie Katzenhaie oder Ammenhaien sollten zum Einsatz kommen.
Das Problem ist nämlich, dass pelagische Haie, wie zum Beispiel Tigerhaie, sich nicht artgerecht in Aquarien halten lassen; sie müssen konstant schwimmen, um ihre Sauerstoffversorgung aufrecht zu erhalten. Dies ist auch in den größten Becken nicht ansatzweise vergleichbar mit den Bewegungen der großen Fische in freier Wildbahn.
SHARKPROJECT hat immer wieder nach der sogenannten Besatzliste gefragt, aus der sich die Arten ablesen lassen, die in den Becken ihr zu Hause finden sollen. Wir haben sie bis heute (ein halbes Jahr später) nicht erhalten. Allerdings hieß es damals plötzlich, dass mit Schwarzspitzen-Riffhaien doch große pelagische Haie geplant seien … ein Hin und Her der Besatzvorstellungen, je nachdem, wen man fragte. Vorsorglich wurde sogar der Begriff des „pelagischen Hais“ verwaschen, damit man irgendwie mit den eigenen Aussagen vor einigen Tagen konfrontiert nicht ganz so offensichtlich im Trüben blieb.

Kurzum: wer derart eine verlässliche Auskunft und Zusage verweigert, muss für unseriös gehalten werden – und die geplante Shark City Sinsheim verweigerte sich einer klaren Aussage bis heute.

Das vorgesehene Grundstück in Pfungstadt laut Echo. Foto von Karl-Heinz Bärtl

Das vorgesehene Grundstück in Pfungstadt laut Echo.
Foto von Karl-Heinz Bärtl

Und jetzt in Pfungstadt.

Die geheimen Gespräche unter Umgehung des Rates und der Öffentlichkeit werden hier (bislang) munter fortgesetzt – der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt (11 Mitglieder) hat am Dienstagabend dem Verkauf von rund 21.000 Quadratmeter großen Geländestücken endgültig zugestimmt. Ohne öffentliche Diskussion. Angeblich zur Verschleierung des Kaufpreises – als würde dieser nicht in Kürze aus zwangsöffentlichen Unterlagen ohnehin bekannt werden.

Das „Darmstädter Echo“ schreibt dazu: „Die Öffentlichkeit wurde über das Projekt noch nicht informiert. In einer nicht öffentlichen Sitzung hatte es sich der Ausschuss vor einigen Tagen vorstellen lassen. Die Entscheidung über den Verkauf war am Dienstag zwar öffentlich. Doch gab es weder Fragen noch irgendwelche Angaben.“

Wir können also nicht sicher sagen, was die Betreiber (möglicherweise ja versucht, unangenehme Fragen wie die in Sinsheim zu vermeiden) behauptet und erzählt haben. Wir melden aber begründete Zweifel an, dass hierbei die vollständigen, wahrhaftigen Fakten auf den Tisch gekommen sind, was genau in Pfungstadt   geplant ist, und wogegen sich unsere Kritik dort richtete.

Offensichtlich – nach den uns vorliegenden Informationen – werden die baden-württembergischen Pläne für Sinsheim unverändert einfach gut 80km weiter nördlich im benachbarten Hessen genutzt: die identischen Angaben und Werte wie in Sinsheim liegen der örtlichen Zeitung in Pfungstadt vor, und die Geschwindigkeit der Vorgehensweise erlaubt auch keine gravierende Planungsänderung. Bis auf Weiteres müssen wir also davon ausgehen, dass „die größten Haie Europa“, auch pelagische Arten, in Pfungstadt eingesetzt werden sollen. Und wieder müssen wir davon ausgehen, dass die politischen Entscheidungsträger vor Ort nicht vollständig informiert wurden. Eine nicht besonders souveräne Stellungnahme des Bürgermeisters gegenüber der Hessenschau hinterlässt jedenfalls diesen Eindruck.

Der Betreiber mag dies sehr gerne uns (und der Bevölkerung von Pfungstadt) gegenüber klar stellen – die Besatzliste wäre (weiterhin) ein taugliches Mittel zum Beleg, wie ernst man es mit dem hohen Anspruch auf Artenschutz in der Shark City nimmt.

Wir bleiben dran!

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