17. Februar 2019 Nils Kluger

Sharkproject in Ägypten: Wie geht es weiter an den Brother Islands?

Foto: Michael Weberberger

Bis vor einigen Monaten glaubte man, dass Haiunfälle im Gebiet des Roten Meeres auf Schwimmer und Schnorchler beschränkt seien. Im November 2018 wurden dann drei nicht-tödliche Verletzungen von Tauchern durch Weißspitzen-Hochseehaie an den Brother Islands bekannt. Zumeist soll es sich dabei um kleinere Tiere von unter zwei Metern Körperlänge gehandelt haben. Darüber hinaus gingen mehrere Meldungen von Angriffen auf Taucher ohne Verletzungen ein.

Nach einer Analyse aller Vorfälle durch die HEPCA kann folgendes festgestellt werden:

  1. Bei allen Vorfällen handelte es sich um nicht-provozierte Angriffe mit keinen bis geringen, in keinem Fall tödlichen Verletzungen.
  2. Alle Vorfälle wurden durch Weißspitzen-Hochseehaie kleinerer Größe verursacht, die zwischen 1-2m Gesamtlänge liegen.
  3. Die Interaktion zwischen Tauchern und Haien wurde durch menschliche Praktiken (hauptsächlich Köder) beeinflusst. Ein unterstützender Faktor ist die Knappheit von Beutetieren für die Ozeanischen Hai-Arten durch Überfischung.
  4. Nachweislich und absichtlich erfolgten Köderungen/Fütterungen von Haien durch Bootsbesatzungen und Taucher vor Ort. Unabsichtlich kamen Fütterungen durch das Entladen der Küchenabfälle des Bootes und das Werfen der übrig gebliebenen Nahrung am Tauchplatz hinzu.
  5. Insgesamt werden die Brother Islands Riffe als überbeanspruchte Tauchplätze eingestuft.
  6. Es müssen schnelle Maßnahmen ergriffen werden, da sonst die Interaktion zwischen Tauchern und Haien voraussichtlich stärker beeinträchtigt wird.

Basierend auf diesen Ergebnissen erließ der Gouverneur des Roten Meeres ein Dekret, um Tauchgänge an den Riffen der Brother Islands für fast drei Wochen zu verbieten (d.h. in der Zeit vom 8. bis 31. Dezember 2018). In dieser Zeit wurde unter Leitung der HEPCA eine Exkursion auf die Inseln durchgeführt, um die Größe und das Verhalten der Haipopulation zu untersuchen. Diese Reise zeigte, dass die kleinen Weißspitzen-Hochseehaie noch immer ein verändertes Verhalten zeigen, insbesondere gegenüber Tauchern in Anwesenheit von Ködern. Daraufhin erließ der Gouverneur des Roten Meeres ein neues Dekret, dass das Verbot von Tauchgängen im Bereich der Brother Islands bis zum 15. März 2019 ausweitete.

Blick von Little Brother auf Big Brother Island

Dieser Zeitraum wird nun genutzt: Sharkproject wird die HEPCA vom 18.-21. Februar vor Ort unterstützen. In einem ersten Schritt sollen Dive Guides, die auf Safarifahrten arbeiten, an Bord des HEPCA-Schiffes Amr Ali Red Sea Defender an den Brother Islands geschult werden. Zudem soll das Training genutzt werden, um eine aktuelle Bewertung des Verhaltens der Haie in dem Gebiet zu erstellen. Diese erste Schulung für erfahrene Dive-Instruktoren wird als „Train the Trainer“-Kurs angelegt sein und die ausgebildeten Tauchlehrer qualifizieren, eine Reihe von Workshops zu entwickeln, um alle Tauchführer im Roten Meer auszubilden. Der Kern der Ausbildung wird dabei aufbauen auf:

  • Verhalten von Haien
  • Sicheres Tauchen mit Haien und ein Verhaltenskodex für Taucher
  • Allgemeine Best Practices für Tauchsafaris

Darüber hinaus beauftragte der Gouverneur die HEPCA, in Zusammenarbeit mit dem RSP und der Chamber for Diving and Watersports Security (CDWS) mit der Erstellung eines Standortmanagementplans für die Riffe der Brother Islands. Das übergeordnete Ziel des Plans ist es, die Riffe der Brother Islands zu erhalten und die natürlichen Ressourcen auf nachhaltige und sichere Weise für die Taucher zu nutzen. Zu den spezifischen Zielen des Plans gehören:

  • Die Erstellung und Umsetzung eines tragfähigen Nutzungsplans, mit dem die derzeitige Auslastung der Brothers Islands mit Tauchbooten auf 50% zu reduzieren ist.
  • Die Steigerung des Umweltbewusstseins und der Fähigkeiten der Bootsbesatzungen und Tauchführer, um sich vor Ort richtig zu verhalten und sicher mit Haien zu interagieren.
  • Die Schaffung eines Zertifizierungssystems für Tauchsafari-Besatzungen und Tauchguides, die auf den Außenriffen wie den Brother Islands tätig sind.
  • Das Erstellen einer Liste von Sanktionen für Verstöße gegen die Vorschriften.
  • Die Einrichtung einer langfristigen Untersuchung über das Verhalten und die Population von Haien in den Gebieten der Außenriffe, insbesondere der Brother Islands.
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