10. April 2015 .he

SHARKPROJECT Germany – Restaurant-Gütesiegel: Thunfisch?

(c) SHARKPROJECT

„Ihr zertifiziert den Verzicht auf Thunfisch. Warum eigentlich?
Und: Ganz viele Gastronomen können so kein großes Gütesiegel kriegen, weil Thun so gefragt ist, dass sie nicht darauf verzichten können!“

Der Thunfisch ist ein großer Raubfisch. Im Fleisch der langlebigen Topräuber an der Spitze der Nahrungskette reichert sich Methylquecksilber an, das der Mensch beim Konsum dieses Fleischs aufnimmt. Hierbei gilt eine einfache Faustformel: Je näher die Art zur Spitze der Nahrungskette steht, und je älter der Raubfisch wird, umso mehr Umweltgifte reichert er in seinem Fleisch an. Haie, Schwertfische und eben auch Thunfische stehen ganz oben in der Nahrungskette und werden relativ alt, sind also besonders belastet.

Wir haben über Jahre hinweg Hai, Schwertfisch und Thunfisch in staatlich anerkannten Laboren stichprobenartig auf Methylquecksilber testen lassen. Bei diesen Untersuchungen lag ein erschreckender Anteil der Proben aller drei Fischarten über den gesetzlich erlaubten Grenzwerten, zum Teil um ein Mehrfaches. Und dabei sind sich Experten sogar einig, dass die Grenzwerte für den Konsum von Methylquecksilber vom Gesetzgeber zu hoch angesetzt sind.

App / Foto (c) SHARKPROJECT

App / Foto (c) SHARKPROJECT

Methylquecksilber ist kochresistent – es verändert sich durch die Zubereitung der Speise nicht in einer Weise, dass die Gefahr und Giftigkeit relevant reduziert würde. SHARKPROJECT warnt daher seit Jahren vor dem Konsum des Fleischs von Haien, Schwertfischen und Thunfisch.

Wie auch unserer SHARKPROJECT-App entnommen werden kann: Für einen Erwachsenen gilt bei 75kg Körpergewicht ein Empfehlungsgrenzwert von 7,5µg (7,5 Mikrogramm = 7,5 Millionenstel Gramm) Methylquecksilber.
Eine 100g Portion Thunfisch (was weniger als eine normale Dose ist) gibt 34µg Methylquecksilber in den Körper, also mehr als die vierfache Menge des empfohlenen Grenzwerts!
Und: Wenn kein neues Methylquecksilber hinzu tritt, braucht ein gesunder Körper eines Erwachsenen etwas über vier Monate (130 Tage), bis er den oberen Grenzwert wieder erreicht!

Faustformel: eine Dreivierteldose Thunfisch alle vier Monate ist für gesunder Erwachsene gerade so vertretbar.

Dass bei der gezielten Jagd nach (echten) Thunfisch eine besonders hohe Beifangquote von Haien auftritt, ist uns als Haischutz-Organisation erstes Motiv gewesen – aber nicht der Einzige.

Siegel / Foto (c) SHARKPROJECT

Siegel / Foto (c) SHARKPROJECT

Diese Gründe sind Anlass für uns gewesen, das „große“ Restaurant-Gütesiegel nur für Gastronomieeinrichtungen zu vergeben, die auch auf Thunfisch verzichten.

Und es gibt auch eine Alternative:

den Bonito (englisch: Skipjack).

Das Fleisch dieses Fischs sieht fast so aus, lässt sich fast so verarbeiten, und schmeckt auch fast so, wie Thunfisch.

Tatsächlich kommt er sogar oft bereits auf den Tisch, wenn „Thun“ vermutet wird.

Sowohl der echte Bonito (Katsuwonus pelamis) als auch der unechte Bonito (Auxis thazard) sind Arten der Familie der Makrelen und Thunfische (Scombridae), also nahe Verwandte der Thuns. Beide Arten sind – und darauf kommt es uns an – weniger gefährlich und weniger gefährdet als Thunfisch.

Soweit bisher feststellbar, stehen Bonitos hinreichend tief in der Nahrungskette, dass sie keine auffällige Belastung mit Methylquecksilber aufzeigen. Es sind uns keine Proben bekannt, die eine gesundheitlich relevante Anreicherung im Bonito-Fleisch belegt hätten. Man vergiftet sich also beim Konsum nach unseren Informationen nicht mit organischem Quecksilber.

(c) Greenpeace

Greenpeace Fischratgeber 2014: Bonito
(c) Greenpeace

Und es gibt auch (vorerst) genug von Ihnen. Die IUCN listet beide Arten (Katsuwonus pelamis wie Auxis thazard) als „Least Concern“, stuft sie also als „gute Datenlage; nicht gefährdet“ ein.
Auch die Kollegen von Greenpeace haben den (echten) Bonito als Thunalternative im aktuellen Fischratgeber (Stand 1/2014, pdf, 500 KB) wie eingeblendet als „noch empfehlenswert“ eingestuft, soweit er aus den dort genannten Regionen stammt.

Wir fordern daher alle Konsumenten, aber auch alle Verkäufer, Verarbeiter, Gastronomen und Köche auf:

Ersetzt Thunfisch durch Bonito.

Damit tut Ihr den Konsumenten und den Ozeanen etwas Gutes.

Fotos (c) SHARKPROJECT, Greenpeace

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