13. Juni 2021 Britta Baur

Shark Finning – Profitmaximierung auf Kosten des Tierwohls

© W. Koch - Hafen von Vigo, Spanien

Haie und ihre Vorfahren schwimmen seit mehr als 400 Millionen Jahre durch unsere Ozeane. Nur zum Vergleich: Bäume haben sich erst 100 Millionen Jahre später entwickelt – von uns Menschen gar nicht erst zu reden. Während ihrer langen Evolutionsgeschichte haben Haie fast alle marinen Ökosysteme für sich erobert. Sie haben Massensterben, Asteroideneinschläge und Eiszeiten überlebt und sind so zu integralen Bestandteilen der Meere geworden.

Doch jetzt sind sie in ernster Gefahr. Die Bedrohungen kommen von allen Seiten; sei es die Beifang-Problematik, Geisternetze, Umweltverschmutzung oder die Konsequenzen des Klimawandels. Abermillionen Haie sterben jedes Jahr. Für viele charismatische Arten liegt der Hauptgrund der drastisch sinkenden Populationszahlen in der stetig wachsenden Hai-Fischerei. Diese hat es vor allem auf die Flossen der Tiere abgesehen. Haifleisch selbst, abgesehen von wenigen Spezialitäten, findet keinen großen Anklang und erzielt somit auch nur geringe Preise. Flossen hingegen sind ein begehrtes Produkt mit hohen Profitmargen. Der Hauptabsatzmarkt ist der südostasiatische Raum, wo sie entweder als Delikatesse für Haifischflossensuppe oder als Allheilmittel der Traditionellen Chinesischen Medizin gehandelt werden.

© H. Lüke – Fischmarkt in Bangkok, ein typisches Geschäft

Der wirtschaftliche Aufschwung der gesamten Region führte in den letzten Jahren zu einer steigenden Nachfrage. Immer mehr Menschen können sich das Statussymbol Haiflosse leisten. Die Konsequenz? Eine stetig wachsende weltweite Fischerei-Industrie und weiter abnehmende Hai-Populationen.

Profitmargen stehen, wie bei allen gewinnorientierten Unternehmungen, im Vordergrund. So ist der ausschlaggebende Punkt die effiziente Nutzung des zur Verfügung stehenden Laderaums auf den Schiffen. Der limitierte Platz wird lieber für die profitablen Flossen, statt dem Fleisch, genutzt.

Es geht jedoch nicht allein darum, dass die Haie gejagt, sondern auch wie sie verarbeitet werden. Bei der grausamen Praxis des „Shark Finning“ werden den Tieren bei vollem Bewusstsein sämtliche Flossen abgeschnitten und die oftmals noch lebendigen Haie dann zurück ins Meer geworfen. Hier erwartet sie eins von drei Schicksalen, die alle in einem langsamen Tod enden: entweder verbluten sie, werden von anderen Meeresräubern gefressen oder ersticken. Gerade letzteres ist für Hochseearten der wahrscheinliche Ausgang, denn sie müssen kontinuierlich schwimmen, um über ihre Kiemen atmen zu können. Keine Flossen > kein Schwimmen > keine Atmung.

Shark Finning ist eine weltweit vorkommende Praxis und selbst aus Regionen mit bestehenden Verboten erhalten wir stetig schockierende Bilder und Fangberichte. Regelungen sind oft unzureichend oder werden, aufgrund fehlender Überwachung, nicht eingehalten. Das Geschäft mit dem Produkt „Flosse“ ist für viele Unternehmen einfach zu lukrativ, sodass sie über geltendes Recht hinwegzuschauen oder gezielt Gesetzeslücken ausnutzen. Hinzu kommt, dass Konsequenzen praktisch nicht existieren.

© Ch. Gstöttner – Haie werden auf den Azoren verladen für den Export auf dem Landweg nach Asien

Einige Nationen, so auch die EU, haben bereits eine Gesetzesgrundlage, die das Anlanden des gesamten Haies vorschreibt und somit das Finning auf den Schiffen verbietet. Doch auch hier gibt es kaum Überwachung und ebenso wenig abschreckende Konsequenzen. Da das Abschneiden der Flossen spätestens nach Ankunft im Hafen legal ist, ist eine effektive Kontrolle kaum möglich. Und so ist auch die übliche Praxis: Schiffe und Besatzung aus europäischen Ländern landen den gesamten Haikörper im Hafen an und schneiden den Haien dann an Land die Flossen ab. Die losen Flossen werden dann oft über den Landweg, quer durch Europa, nach Asien verschickt. Spanien, Portugal und Frankreich sind hierbei leider traurige Spitzenreiter. Dieses Vorgehen ist jedoch laut aktuellem EU-Recht legal. Das geltende Gesetz ist somit wirkungslos und muss erweitert werden!

Anfang des Jahres hat SHARKPROJECT über ein mögliches Importverbot für Haiflossen in Großbritannien berichtet – das Gesetz wurde inzwischen verabschiedet und sowohl der Import als auch Export von Haiflossen verboten. Eine parlamentarische Petition mit 115.000 Unterschriften hat dazu den Anstoß gegeben. Jetzt haben EU-Bürger eine ähnliche Möglichkeit aktiv zu werden. Seit ihrem Auftakt unterstützt SHARKPROJECT die EU-Bürgerinitiative „Stop Finning – Stop the Trade“, um den Handel mit losen Haiflossen in Europa zu untersagen.

In Kürze stellen wir Euch deswegen hier unsere neue „Ohne Dich geht’s nicht“ Kampagne vor. Unser Ziel ist es – gemeinsam mit Euch – dafür zu sorgen, dass Finning in der EU bald der Vergangenheit angehört. In den folgenden Monaten erwarten Euch regelmäßige Blog Posts zu den Hintergründen der Initiative – von der Bedeutung der Haie für das Ökosystem und den Konsequenzen ihres Verschwindens bis zur Rolle der EU in der weltweiten Haifang-Industrie.

Stay tuned!

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