Erforschung der "Kinderstube der Weißen Haie" und Entwicklung von Vorschlägen zum Schutz der Tiere

White Shark Nusery

Auch die mächtigen Weißen Haie haben einmal klein angefangen. Die „Kinderstube” dieser Tiere nimmt das Forschungsvorhaben „White Shark Nursery“ in Montauk Point (USA) unter die Lupe. Dort verbringen viele Weiße Haie ihre ersten Lebensjahre. Als Baby sind sie etwa 1,40 Meter groß, ein ausgewachsener Großer Weißer Hai kann zwischen drei und sechs Metern groß werden.

Als alarmierend viele kleine Weiße Haie in den Stellnetzen der Fischer in der Bucht von Montauk verendeten, starteten die Meeresbiologen der "O’Seas Conservation Foundation“ unter der Leitung von Dr. Craig O'Connell erste systematische Untersuchungen über die jungen Haie in der Bucht.

Seit 2017 unterstützt Sharkproject die Forschungen von Craig O’Connell zur „Kinderstube“ der Weißen Haie. Es geht darum, mehr Wissen über das Leben der jungen Weißen Haie zu sammeln: In welchen Tiefen halten sich die Tiere zu welcher Tageszeit auf? Was fressen sie? Und wie lange bleiben sie in der "Kinderstube Montauk Bay"?

Das Team um Craig O’Connell nutzt dazu spezielle Unterwasserkameras, sogenannte “Baited Remote Underwater Camera Video System” (BRUVS). Diese werden in der Nähe von Beuteködern installiert und filmen, was vorbeischwimmt. Bisher bekannt ist, dass vor allem Glatthaie zu den wichtigsten Beutetieren der Weißen Haie zählen. “Wenn wir mehr über das Verhalten der Haie und über ihre bevorzugte Beute wissen, können wir die Weißen Haie besser schützen”, sagt Eleanor Spencer von Sharkproject. “Deshalb unterstützen wir die Untersuchungen von Craig O’Connell.”

Hintergrundinformationen über das Projekt

Ziele

  • Gezielte Schutzmaßnahmen erarbeiten, die genau dann greifen, wenn die Weißen Haie in der Bucht sind.
  • Genauere Informationen über die Glatthaie in der Bucht sammeln. Sie sind die Hauptbeutetiere der Weißen Haie.
  • Gezielte Schutzmaßnahmen für Glatthaie auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse entwickeln. Wer die Beute schützt, schützt auch die Weißen Haie.

Ort

Atlantikküste der USA 
Montauk Point, New York 

Dauer

  • Eine Fortsetzungsstudie soll die Ergebnisse des ersten Forschungsabschnitts für weitere drei Jahre bis 2024 weiterführen. 
  • Ein Zwischenstand des Projekts wird bis Sommer/Herbst 2021 erwartet. 
  • Weitere Förderungen durch Sharkproject sind vorerst bis Ende 2021 geplant. Eventuell gibt es eine Verlängerung. 

Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler

  • Dr. Craig O’Connell, Meeresbiologe, Gründer und Leiter der “O’Seas Conservation Foundation” in Montauk Bay, USA. Außerordentlicher Professor “University of Massachusetts, Dartmouth.”
  • Julia Crews, Meeresbiologin, “Coastal Carolina University”
  • Juliet Gressle, Meeresbiologin, “O’Seas Conservation Foundation”

Links

www.oseasfdn.org/projects

Die Website der "O’Seas Conservation Foundation" informiert über die Forschungsprojekte, die Jugendcamps und die Zielsetzungen des Meeresbiologen Craig O’Connell und seines Teams.

Konflikte mit Fischern

Leider werden die Kameras immer wieder gestohlen. So gingen in einer Saison acht Kameras mit einem Gesamtwert von 8.000 Dollar verloren. 

Das wirft die Arbeiten von Craig O’Connell und seinem Team immer wieder zurück. 

Konflikte zwischen Fischern, die um ihr Einkommen fürchten, und Naturschützern kommen immer wieder vor. Auch wenn die Verständigung oft nicht einfach ist, setzt die "O’Seas Conservation Foundation" weiter auf den Dialog mit den lokalen Fischern. Auch für Sharkproject ist es wichtig, dass beide Seiten ein Verständnis für die jeweiligen Standpunkte der anderen finden. 

Wie Craig O’Connell berichtet, hat es in den vergangenen Jahren dabei Fortschritte gegeben. "Bei den Fischern gibt es immer mehr Verständnis dafür, dass Haie wichtig sind, für ein ausgeglichenes Ökosystem und auf lange Sicht auch für mehr Fischreichtum in der Bucht", so der Meeresbiologe. 

Technische Informationen

BRUVS

Seit 2013 arbeitet die O’Seas-Schutz-Stiftung mit etwa 14 bis 20 unterschiedlichen BRUVS (Baited Remote Underwater Systems): Im offenen Wasser in der Nähe eines Beuteköders werden von Mai bis November in der Montauk Bai im US-Staat New York Unterwasserkameras fixiert. Gefilmt wird, wie bei einer Wildkamera an Land, was vorbeikommt, in diesem Fall vorbeischwimmt. Die Kameras werden täglich eingesetzt, bis zu 16 Stunden am Tag. Dabei können die Haie anhand der Zeichnungen und Narben an der Rückenflosse identifiziert werden.

Gemessen wird immer auch die Wassertiefe, die Wassertemperatur, die Mondphase oder die Tide. Ziel ist es, herauszufinden, wann und wo die Haie anzutreffen sind. Wichtig ist dabei auch zu wissen, welche Umweltbedingungen die Haie bevorzugen.

Projektverlauf

Seit 2017 fördert Sharkproject die Untersuchungen von Craig O’Connell in der Montauk Bai.

Erste wissenschaftliche Ergebnisse wurden im Februar 2021 im “Marine Technology Society Journal” publiziert.

Kontakte zur örtlichen Fischerei- und Umweltschutzbehörde wurden geknüpft.

Mit der Coronakrise wurden die Forschungen deutlich erschwert. Ein Teil der Forschungen wird durch Jugendcamps finanziert, die seit Monaten nicht mehr stattfinden können.

Sharkproject hat sich deshalb auch während der Coronakrise um eine Weiterförderung des Projekts bemüht. Seit Mai 2021 wird daran gearbeitet, an die Forschungen vor der Coronakrise anzuknüpfen.

Mai 2021: Das “New York Heritage Program” (Umweltschutzbehörde des US-Staates New York) hat den Schutz der Weißen Haie in Montauk Bay stärker priorisiert und will künftig die Daten aus dem Nursery Projekt für ein systematisches Sichtungsmonitoring der Weißen Haie in Montauk Bay nutzen.