Brüssel verbietet Grundfischerei in der Tiefsee auf 16.000 km²

3. Juli, 2022

EU stoppt zerstörerische Tiefsee-Fischerei

Zürich, München, 15 September 2022. Die Kommission der Europäischen Union kündigte heute die Umsetzung der Tiefseeverordnung und damit ein Fischereiverbot in 87 Gebieten mit empfindlichen und daher schutzbedürftigen Ökosystemen in der Tiefsee in EU Gewässern an.

Tiefsee-Meerestiere in EU-Küstengewässern endlich sicher

Über 16.000 Quadratkilometer von EU-Gewässern im Nordostatlantik werden für die bodenberührende Fischerei (d.h. Bodenschleppnetze und Bodenlangleinen) in der Tiefsee geschlossen. Dies ermöglicht endlich den dringend notwendigen Schutz von Kaltwasser-Tiefseekorallen, Ansammlungen von Tiefsee-Schwämmen und anderen lebensraumbildenden Arten in der Tiefsee vor den Küsten von Irland, Frankreich, Spanien und Portugal.

Mit diesem Schritt folgt die Kommission nunmehr ihrer Verpflichtung aus der bereits 2016 verabschiedeten Verordnung 2016/2336 über den Zugang der Fischerei zur Tiefsee. Nebst dem bereits 2016 in Kraft getretenem Verbot der Grundschleppnetzfischerei unterhalb von 800 Metern sieht die Verordnung auch den Schutz von gefährdeten Lebensräumen mit hoher Biodiversität (allgemein als Vulnerable Marine Ecosystems oder VMEs bezeichnet) in einer Tiefe zwischen 400 und 800 Metern vor, sofern deren Existenz bekannt ist oder als wahrscheinlich gilt.

Umsetzung mit vier Jahren Verspätung

Diese Ökosysteme in der Tiefsee sind besonders von der Zerstörung durch bodenberührende Fangmethoden, d.h. der Tiefseeschleppnetzfischerei und der Tiefsee-Langleinenfischerei, bedroht. Vorgesehen war, dass diese Zugangsverordnung bereits 2018 umgesetzt werden sollte. Weil die EU-Kommission sich aber dazu entschloss, vor der finalen Entscheidung ausführliche Beratungen mit Wissenschaftlern, allen Mitgliedsstaaten, der Fischerei, der fischverarbeitenden Industrie und Umweltschutzorganisationen abzuhalten und zudem eine öffentliche Konsultation durchführte, verzögerte sich die Umsetzung um fast vier Jahre.

Sharkproject, Pro Wildlife, die Deutsche Stiftung Meeresschutz und die Deutsche Meeresstiftung begrüßen diesen Schritt der Kommission ausdrücklich und loben dass die Sachverständigen der 27 EU-Mitgliedstaaten bei der Abstimmung im Juni diesen Jahres dem Vorsichtsprinzip folgend der Variante mit der größtmöglichen Anzahl an Schutzgebieten zugestimmt haben.

„Auch wenn es deutlich länger gedauert hat als erhofft, freuen wir uns sehr, dass die EU-Kommission ihren Versprechungen zur Biodiversitätsinitiative und dem Green Deal nun auch endlich Taten folgen lässt“ sagt Dr. Iris Ziegler von Sharkproject International „Und wir sind stolz, dass sich die Bundesrepublik Deutschland bei der Abstimmung im Juni klar zum Schutz der Tiefsee bekannt hat und ebenso wie Frankreich und 12 weitere Mitgliedsstaaten mit Ja gestimmt hat.“

„Es war überfällig, dass die EU endlich den langfristigen Schutz dieser wichtigen Ökosysteme und gegen die kurzfristigen ökonomischen Interessen seitens einiger Fischereien umsetzt“, betont Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Fischereiindustrie leistete bis zuletzt Widerstand

Neun der anwesenden Mitgliedsstaaten, darunter auch Portugal, hatten sich enthalten. Lediglich zwei Mitgliedsstaaten, Spanien und Irland,  sowie zahlreiche Interessensvertreter aus der Fischereiindustrie hatten sich allerdings bis zuletzt gegen die Umsetzungsverordnung und deren Inkrafttreten ausgesprochen.

„Der Fischerei wäre es natürlich lieber gewesen, möglichst wenige und nur deutlich kleinere Gebiete zu schließen“ fasst Iris Ziegler die Stimmung bei der letzten Informationsveranstaltung zum nun verabschiedeten Umfang der Schließungen zusammen.

Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung für Meeresschutz sieht die Annahme des Vorschlages der Experten des International Council for the Exploration of the Sea (ICES) mit der größten Anzahl an Schutzgebieten als „die einzig richtige Entscheidung, wenn wir es mit dem Schutz dieser höchst gefährdeten aber einzigartigen Lebensräume in der Tiefsee wirklich ernst meinen. Denn die bodenberührende Fischerei zerstört für den Biodiversitätserhalt in den Ozeanen entscheidende Lebensräume“.

Nach der zweimonatigen Wartezeit im Anschluss an die Information des Vereinigten Königreichs (gemäß den Brexit- Bestimmungen) implementiert die Europäische Kommission nunmehr die Umsetzungsverordnung und die Schließung dieser Gebiete.

 

Weitere Informationen auch unter: Deep Sea Conservation Coalition  und die Pressemitteilung der EU Kommission

Pressekontakte:

SHARKPROJECT ist eine Artenschutzorganisation, die sich für den Schutz der Haie und ihres marinen Lebensraumes einsetzt. Neben Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu Meeresschutzthemen engagiert sich SHARKPROJECT v.a. auch für ein globales Umdenken in Bezug auf die Nutzung unserer Meere, wirklich nachhaltige Fischerei, Beifangreduzierung und die Errichtung von Schutzgebieten.  Alle Mitarbeitenden arbeiten ehrenamtlich und alle Spendengelder kommen direkt Haischutz-Projekten zugute. Neben der Dachorganisation SHARKPROJECT International gibt es Landesorganisationen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. SHARKPROJECT ist Mitglied der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und setzt sich für ein Moratorium gegen den Tiefseebergbau und die Einstellung von zerstörerischen Fangmethoden ein

Pro Wildlife e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die sich weltweit für den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume einsetzt. Unser Ziel ist es, die Artenvielfalt zu bewahren und Tiere zu retten. Dabei ist uns das Überleben der Art in ihrem Lebensraum, aber auch der Schutz des einzelnen Tieres wichtig. Wir setzen uns ein für bessere Gesetze und wirksame Schutzmaßnahmen für Wildtiere. In verschiedenen Ländern unterstützen wir Hilfsprojekte für Tiere in Not, helfen Lebensräume zu erhalten und die Bevölkerung vor Ort für den Schutz von Wildtieren zu gewinnen.

Deutsche Stiftung Meeresschutz ist eine gemeinnützige Treuhandstiftung, die sich gegen die unfassbare Ausbeutung der Meere und und Vernichtung von Meerestieren einsetzt. Die Bürgerstiftung setzt sich für einen respektvollen Umgang mit Meerestieren, für den Erhalt und Wiederaufbau artenreicher Küstenökosysteme wie Mangrovenwälder, Korallen und Seegraswiesen ein. Sie fördert und/oder führt Projekte und Initiativen durch, die den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume, besseren Klimaschutz oder Meeressäuberungen (Plastikproblematik) zum Ziel haben. Sie leistet Bildungs- und Aufklärungsarbeit, um den Schutz der Meere stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

 Die Deutsche Meeresstiftung engagiert sich mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft um diesen Lebensraum zum Wohle künftiger Generationen zu erhalten. Mit dem Medien- und Forschungsschiff ALDEBARAN unternehmen wir Forschungsexpeditionen zu Themen wie Korallensterben oder Kunststoffen in Gewässern. Mit unserem Meereswettbewerb motivieren wir seit 2005 den wissenschaftlichen Nachwuchs zu Höchstleistungen für unsere Ozeane. Wir erstellen Bildungsmaterialien für alle Altersgruppen zu Meeresthemen aller Art. Wir entwickeln Messgeräte und Verfahren um Plastikmüll aufzuspüren und ihn aus unseren Ozeanen zu verbannen. Wir engagieren uns mit einer großen Zahl von Partnern im Rahmen der UN Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung zum Beispiel durch eine Dauerausstellung auf dem Museumsschiff Cap San Diego in Hamburg oder dem Ozean Festival in Berlin.

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