HandsOff_LowRes3 x Haischutz.

Es ist eine aberwitzige Situation. Auf der einen Seite boomt der Haitourismus. Jeder Tauchanfänger kann heute mit Großhaien frei tauchen. Der „Horrorfi sch Hai“ hat sich in den letzten Jahren scheinbar in ein Schoßtier verwandelt, das jeder hautnah beobachten kann.

Auf der anderen Seite sind wir im Krieg gegen die Haie! Anders ließe sich nicht erklären, warum wir pro Jahr rund 200 Millionen dieser Tiere bewusst töten – als Beifang, zum Sport oder ganz gezielt als Fleisch-, Flossen- und Knorpellieferant.

Und wir sind dabei diesen Krieg zu gewinnen. Eine Studie der Dalhousie Universität, Halifax (Kanada) zeigt, dass in den letzten sechs Jahren rund 80 % aller Hochseehaie im Nordatlantik verschwunden sind. Das sind Hammerhaie, Makohaie, Blauhaie und viele, viele andere Arten mehr. Ein endgültiger Sieg über die Haie ist in Sicht. Experten geben nur noch wenige Jahre, bis viele der bekannten Haiarten endgültig verschwunden sind.

 

 

1 Aus ökologischen Gründen.

Andrew F. Cobb, der bekannte südafrikanische Haischützer und Sharkproject-Botschafter für Südafrika bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Wenn die Haie sterben, stirbt das Meer. Und wenn das Meer stirbt, sterben wir!“.

Dieser Meinung sind inzwischen auch viele Wissenschaftler. Die ökologisch unglaublich wichtige Rolle des Topräubers Hai im Meer wird jetzt erst allmählich verstanden. Haie sind die Gesundheitspolizei der Meere und halten den Bestand der Fischräuber in Schach. Ein Verschwinden der Haie würde eine ökologische Katastrophe bedeuten, deren Ausmaß sich den Wissenschaftlern erst erschließt. Eine virtuelle Studie einer mexikanisch/amerikanischen Forschergruppe belegt, dass ein gesundes Korallenriff innerhalb eines Jahres stirbt, wenn es keine Haie mehr gibt.

Die Maßnahme der maledivischen Regierung ab 2010 den Handel mit Haiprodukten komplett zu verbieten und den Fang unter Strafe zu stellen, bestätigt dies, wenn man die Begründung liest. Fakt ist, dass die Haie auf den Malediven nur geschützt werden, weil man erkannt hat, dass der dramatische Rückgang des wirtschaftlich extrem bedeutenden Thunfischfangs mit der Ausrottung der Haie dort zusammenhängt.

 

2 Aus gesundheitlichen Gründen.

Ein weiterer Aspekt, die Hände von Haien zu lassen, ist die nachgewiesene hohe Giftkonzentration im Haifl eisch. Eine Studie der Haischutzorganisation Sharkproject hat ergeben, dass jede 3. Haifleisch-Probe weit über den gesetzlich zulässigen Wert mit dem hochgiftigen Methylquecksilber verseucht ist.

Im Topräuber Hai sammeln sich über die Nahrungspyramide hohe Konzentrationen von Umweltgiften an, die ihn ungenießbar machen bzw. zu einem hohen gesundheitlichen Risiko führen. Dies gilt sowohl für das Fleisch – das in Deutschland z. B. unter so Phantasiebegriffen wie Schillerlocke und Seeaal – auf den Markt gebracht wird als auch für die Flossen der Tiere. Die Haie scheinen sich für ihre Ausrottung zu rächen.

 

3 Aus Respekt.

Was ist passiert, dass Haie plötzlich als Schoßtiere gelten?

Wir sind mit schuld! Unsere langjährige, erfolgreiche Aufklärungskampagne, dass Haie keine Menschenfresser sind, hatte eine von uns nicht beabsichtigte Nebenwirkung. Aus Killern wurden plötzlich Schoßtiere.

Der Haitourismus boomt seitdem – frei nach dem Sensationstitel: Kamikaze-Taucher gegen Tigerhaie! Denn Kamikaze-Tauchgänge sind es oft. Unerfahrene Guides, Futter im Wasser, keine Briefi ngs, Haie, die ihre Scheu vor dem Menschen verloren haben und Menschen, die ihren Respekt vor den Haien verloren haben.Eine unselige Mischung, die leider verstärkt zu Unfällen und sogar zu Todesfällen führt.

Und die wiederrum verursachen Angst vor dem Hai.

Ein teuflischer Kreislauf, den wir jedoch ganz leicht durchbrechen können. Alles was wir dazu brauchen, ist gesunder Menschenverstand und Respekt.  Respekt vor einem Raubtier, das uns potenziell gefährlich werden kann.

Und gesunder Menschenverstand, der uns rät, gefährliche Situationen zu vermeiden.
Dazu zählen:

Futter im Wasser

Nichts verändert das Verhalten eines Hais so sehr, wie Futter oder der Geruch davon. Aus scheuen Räubern werden aufdringliche Zahnträger. (Füttern oder Abfallentsorgung ins Meer sind hohe Risikofaktoren)

Irritation der Sinne.

Alles, was die Sinne der Haie verwirren kann, wie z. B. schlechte Sicht.

Konditionierte Tiere

Regelmäßige Begegnungen mit Menschen verändern das Verhalten der Tiere. Sie verlieren ihre natürliche Scheu und kommen oft sehr viel näher.

Mangelnder Respekt

Wer Haie nicht mehr als potenziell gefährlich betrachtet, verliert den Respekt und damit die Vorsicht, die man großen Zähnen gegenüber immer haben sollte.

Gefährliche Touren

Überall da, wo es regelmäßig zu Haibegegnungen kommen kann und die Taucher oder Schnorchler darauf nicht richtig vorbereitet werden, handelt es sich um potenziell gefährliche Haierlebnisse.

Sollten mehrere dieser 5 Risiko-Faktoren zusammentreffen, sollte der Taucher auf den Tauchgang lieber verzichten oder ihn abbrechen.

 

Aber: Bei 99,9 % aller Haibegegnungen werden die Haie scheu und ängstlich die Distanz wahren und schnell wieder von selbst verschwinden.

Sollte ein Tier jedoch näher kommen, unbedingt die folgenden Sicherheitsregeln beachten:

(Für Sharkproject zusammengestellt von Ralf Kiefner und Andrea Ramalho)

 

  1. Keine hektischen Bewegungen
    (Flossenschlag kontrollieren).
  2. Entspannt atmen.
  3. Den Anweisungen des Tauchguides folgen.
  4. Respekt vor Haien niemals verlieren.
    Vorsichtig und aufmerksam bleiben.
  5. Augenkontakt zum näherkommenden Hai halten.
  6. Nie vom Hai wegschwimmen, wenn er sich nähert (Beuteverhalten).
  7. Den Hai nicht stören, berühren, unter Druck setzen oder in die Enge treiben.
  8. Kamera entgegenhalten, wenn das Tier viel zu nahe kommt oder Distance-Stick benutzen (Kunststoff-Stab vertikal entgegenhalten).
  9. In der Gruppe bleiben. Sich gegenseitig beobachten und die Situation kontrollieren.
  10. Bei unbehaglichem Gefühl das Wasser vorsichtig verlassen (niemals alleine).

 

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