15. April 2019 Nils Kluger

Nachhaltiger Fischfang und Finning – Anspruch und Wirklichkeit des MSC-Siegels

Haifischflossen

Das Marine Stewardship Council (MSC) gibt vor, sich dafür einzusetzen, dass das Finning von Haien in keiner als nachhaltig zertifizierten Fischerei stattfinden kann. Die Politik des MSC in Bezug auf Finning  ist im Wortlaut deutlich und legt die Verantwortung in die Hände der Zertifizierungsagenturen (Conformity Assessment Bodies = CABs). Demnach sollen die CABs eine Fischerei nicht zertifizieren, „wenn es objektive, überprüfbare Beweise dafür gibt, dass Haifischflossen gefangen werden“.

Es gibt jedoch klare Hinweise darauf, dass die Zertifizierungsagenturen (Conformity Assessment Bodies = CABs) den MSC-Standard in Bezug auf Haifischflossen nicht ordnungsgemäß anwenden. Alleine für die Thunfischfischerei PNA traten 429 Fälle von Finning des von der CAB (2012-2015) berücksichtigten Zeitraums auf. Dennoch wurde die Fischerei zertifiziert und in der Kategorie für Finning vergab die CAB den zweithöchsten Wert, nach dem mit hoher Wahrscheinlichkeit Finning nicht stattfindet. Neben der PNA-Fischerei konnten aber bei weiteren Fischereien Unregelmäßigkeiten gefunden werden. Sharkproject hat zusammen mit weiteren 58 Unterzeichnern Wissenschaft, Handel (einschließlich Woolworths), Fischerei und Artenschutzorganisationen einen Anti-Hai-Finning-Brief unterzeichnet, um zu verhindern, dass Finning in der vom Marine Stewardship Council (MSC) zertifizierten Fischerei „toleriert“ wird und weitergeht.

Die Unterzeichner sind nach wie vor zutiefst besorgt, dass das MSC die Öffentlichkeit zwar weiterhin darüber informiert, dass die verabscheuungswürdige Praxis des Finning verboten ist, sie aber gleichzeitig weiterhin in der zertifizierten Fischerei stattfindet. Gemeinsam mit den weiteren Unterstützern fordert Sharkproject deshalb folgende Mindeststandards:

  • Alle Fischereien, die Haifisch aufbringen, müssen diese nach der Richtlinie „natürlich angebrachte Flossen“ anlanden, um die Mindestkriterien für eine positive Bewertung in der Kategorie „Finning“ der MSC-Zertifizierung zu erhalten. Diese ist in der EU seit 2013 in Kraft.
  • Der MSC muss die CABs verpflichten, das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Die CABs haben wiederholt Finning als unwahrscheinlich betitelt, obwohl sie gleichzeitig keine ausreichende Datenverfügbarkeit attestierten. Wenn keine oder nur unzureichende Daten über Finning, Beifang und Konformität vorliegen, sollte den CABs untersagt werden, die Fischerei in Bezug auf Haifischflossen zu zertifizieren.
  • Schließlich muss MSC sicherstellen, dass die CABs die MSC Shark Finning Score Standards korrekt anwenden. In zahlreichen zertifizierten Fischereien in den letzten zehn Jahren haben die CABs festgestellt, dass es „unwahrscheinlich ist, dass Hai-Finning stattfindet“, obwohl es Anzeichen von Finning gibt und keine Hinweise darauf, dass Sanktionen dafür verhängt werden.
  • CABs sollten nur dann die Erlaubnis erhalten, eine Fischerei zu zertifizieren, wenn die Daten das erforderliche Ergebnis eindeutig zeigen.

Das MSC kann eine wichtige Führungsrolle spielen, indem es sicherstellt, dass seine Vorgaben zum Finning künftig in der Praxis umgesetzt werden. Nur so kann das MSC-Siegel seine Pflicht erfüllen, die Verbraucher vor dem Kauf von Fisch zu schützen, dessen Fangflotten nebenbei Finning betreiben, während sie glauben, durch ihre „nachhaltigen“ Entscheidungen zum Schutz gefährdeter Arten und der biologischen Vielfalt unserer Ozeane beizutragen.

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