20. Januar 2019 Nils Kluger

MSC Siegel – Sharkproject und die Koalition Make Stewardship Count fordern Verbesserungen am Standard

Bild: Sharkproject

Im Januar 2018 veröffentlichte Sharkproject gemeinsam mit 65 Organisationen und Wissenschaftlern einen Offenen Brief an das Marine Stewardship Council (MSC). Mit sieben Kernforderungen wurde das MSC aufgerufen, sein Zertifizierungsverfahren zu verbessern und so wieder zu einer echten Alternative für Verbraucher zu werden, die an nachhaltig gefangenen Fischprodukten interessiert sind.
Trotz dieses Aufrufes, der weltweit Beachtung gefunden hat, hat der MSC bisher keine Änderungen implementiert oder angekündigt. Im Gegenteil, noch weitere, keineswegs nachhaltige Fischereien erhielten das blaue MSC Siegel. Stellvertretend sollen an dieser Stelle nur drei besonders erschütternde Beispiele genannt werden:

• Die PNA – Thunfischfischerei im westlichen Zentralpazifik (Parties to the Nauru Agreement) wurde re-zertifiziert, obwohl auf ihren Schiffen das Finning von Haien nachgewiesen wurde. Diese Missstände wurden im Oktober nochmals in einem offenen Brief von 45 Umwelt- und Artenschutzorganisationen kritisiert, den auch Einzelhändler und sogar Fischereien mitgezeichnet haben.

• Hoki-Fang in Neuseeland wurde erneut zertifiziert: Trotz nachgewiesenen illegalen Praktiken wie Rückwürfen, Fang in Brutgebieten und falschen Angaben von Fangmengen, sowie unzuverlässigen Angaben zum Beifang an bedrohten und geschützten Arten wurde die Hoki-Fischerei erneut als nachhaltig zertifiziert.

• Erstmals in der Geschichte des MSC wurde eine Fischerei zertifiziert, die im offenen Ozean mit umhertreibenden Flössen (FADs = fish aggregating devices) Fischschwärme anlockt. Die spanische Echebastar erhielt für eine Flotte im Indischen Ozean das MSC Siegel, obwohl sie neben dem zu zertifizierenden Echten Bonito große Mengen an Gelbflossenthunfisch und Seidenhai gefangen hat. Im Jahr 2016 wurden dabei mit nur fünf Schiffen fast 8.000, zumeist junge und noch nicht geschlechtsreife Seidenhaie gefangen. Auch der formelle Einspruch von Sharkproject, International Pole & Line Foundation (IPNLF) und dem WWF gegen die Zertifizierung blieb erfolglos.

Diese Beispiele zeigen, dass es grundsätzliche Änderungen in den Anforderungen an und die Durchführung einer Zertifizierung geben muss, wenn das MSC-Siegel für den Verbraucher wieder zu einer echten Hilfestellung werden soll. Auch eine Verbraucherumfrage von YouGov hat bestätigt, dass für die Konsumenten nachhaltige Fischerei nicht den Tod von Delfinen, Haien, Meeresschildkröten, Walen und anderen bedrohten und geschützten Tierarten oder die Zerstörung empfindlicher Lebensräume im Meer nach sich ziehen darf.

Foto: Sharkproject

Mitglieder von „Make Stewardship Count“ vor dem MSC-Hauptquartier in London (links nach rechts): Adrian Gahan (Blue Marine Foundation, UK), Dr. Iris Ziegler (Sharkproject International, Deutschland), Dr. Barbara Maas (NABU International Stiftung, Deutschland), Dr. Mark Jones (Born Free, UK) und Shannon Arnold (Ecology Action Centre (Kanada)

Deshalb hat sich Sharkproject gemeinsam mit den Unterzeichnern des Briefes und weiteren Organisationen/Wissenschaftler zur Koalition „Make Stewardship Count“ zusammen-geschlossen. Bis heute ist diese Allianz auf 82 Mitglieder angewachsen. Ziel der Koalition ist es, im Rahmen der jetzt anstehenden Überprüfung der MSC-Standards unsere Forderungen in einem offenen und transparenten Prozess mit allen Beteiligten zu diskutieren und Verbesserungen gemeinsam umzusetzen. Der MSC ist aufgerufen, diesen offenen Prozess zu ermöglichen. Ob das blaue Siegel durch die in diesem Jahr beginnende Überprüfung des Standards wieder zu einer vertrauenswürdigen Alternative für den Verbraucher werden kann, hängt entscheidend von der Offenheit des MSC ab, sich mit den Forderungen der Kritiker konstruktiv auseinanderzusetzen.

Weitere Informationen zur Koalition finden Sie hier: Make Stewardship Count

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