5. Februar 2017 .he

Kein MSC-Siegel für Schwertfisch im Atlantik. Aber …

Es wird vorerst kein MSC-Zertifikat für Schwertfisch für die Spanische Langleinen-Fischerei geben. Aber … die Gründe liegen nicht in einer geänderten Politik des MSC, die von SHARKPROJECT daher weiterhin gefordert wird.

SHARKPROJECT hatte zur Messe „boot“ den MSC aufgefordert, auf die anstehende Zertifizierung von Schwertfisch im Atlantik zu verzichten. Hintergrund war, dass im Nordatlantik für 14% „Zielfisch“ (Schwertfisch) 86% Beifang an den Langleinen hängen. Und der Beifang besteht nach den eigenen Werten der Fischereien zu mehr als 90% aus Hai.

Der MSC stand auf dem Standpunkt, dass das Nachhaltigkeitssiegel der Organisation beide Aspekte trennen könne – man betrachte eben nur den Zielfisch und dessen nachhaltige Vorkommen. Dass der Beifang – isoliert betrachtet – kein Zertifikat bekommt, weil die Vorkommen nicht nachhaltig genug sind, ist laut MSC eine andere Frage, die es unabhängig zu klären gelte. Konkret: 80% Beifang Hai ist eindeutig nicht nachhaltig, verhindert aber nicht die Feststellung, das 14% Schwertfisch in dieser Region nachhaltig aus dem Ozean ‚geerntet‘ werden können.

Logobild (c) SHARKPROJECT / Logos jeweils (c) der NGOs

Logobild (c) SHARKPROJECT / Logos jeweils (c) der NGOs

SHARKPROJECT (und 52 andere NGOs, die unter unserer Führung einen offenen Brief an den MSC geschickt haben) vertritt die Auffassung, dass nur gemeinsam eine Bewertung erfolgen können, nicht getrennt. Eine getrennte Bewertung ist Augenwischerei, „postfaktische“ Scheuklappenwahrnehmung und (wissenschaftlich) unseriös vereinfachend.

Immerhin – ein Teilerfolg konnte erzielt werden: die beiden spanischen Fischereien CEPESCA und ORPAGU haben vergangene Woche die Anträge auf Zertifizierung zurück gezogen. Es wird also (vorerst) kein MSC-Zertifikat für Schwertfisch für die Spanische Langleinen-Fischerei geben.

Aber … die Gründe liegen nicht in einer geänderten Politik des MSC.

Die beiden Antragsteller hatten lediglich formal keine ausreichend belegten Anträge eingereicht und konnten übliche Rückfragen des MSC im Zertifzierungsprozess nicht hinreichend erschöpfend beantworten und belegen. Es fehlte insbesondere an lückenlosen Logbucheinträge zum Fang geschützter Arten; hier ist festzuhalten, wie viele wieder ins Meer (noch lebend, meist aber tot) entlassen werden. Diese Zahlen waren nicht erhoben worden konnten daher nicht beigebracht werden, was gegen spanisches und europäisches Recht verstößt. Die Anträge wären also aus diesen formalen Gründen abgelehnt worden – dem sind die Fischereien durch Rücknahme der Anträge zuvor gekommen. Nicht hindert sie aber daran, sich (nach eigener Aussage des MSC) besser vorzubereiten und neuerliche Anträge einzubringen, dann mit allen Angaben.

Dies wären dann Anträge, die vom MSC jedenfalls weiterhin nicht aus dem Grund abgelehnt würden, weil über vier Fünftel der Fänge Beifang geschützter Arten darstellt. Denn: der MSC trennt weiterhin die Bewertung von Beifang von der Bewertung des Zielfischs. An dieser für SHARKPROJECT entscheidenden Stelle ist kein Umdenken des MSC erfolgt.

Daher ist der aktuelle „Sieg“ keiner. Der MSC würde weiterhin formal ausreichend eingebrachte Anträge zertifizieren, also durch Siegel „belegen“, dass der jährliche Fang von fast 43.000t Hai im Atlantik „nachhaltig“ sei!

SHARKPROJECT bleibt daher bei der kritischen Haltung und wird aufmerksam weiterhin die kritische Rolle als Stakeholder beibehalten.

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