19. November 2012 admin

Kampagne gegen MSC-Schillerlocken: Runde #1: tegut…

Selbstdarstellung: „tegut ist ein Handelsunternehmen mit dem Ziel, den Menschen gute Lebensmittel anzubieten. (…) Nachhaltigkeit bedeutet für tegut… Verzicht auf Gentechnik, Handel mit fairen Produkten, Förderung ökologischen und konventionellen Landbaus, Regionale Kooperationen, Schonung natürlicher Ressourcen und Engagement im Klimaschutz

Leider hat Tegut diesen Pfad verlassen: Seit einigen Wochen bietet tegut wieder Schillerlocken an, den geräucherten Bauchlappen des Dornhais. Man beruft sich hierbei wohl darauf, dass der MSC diese Tiere in einer gewissen Region des Nordostpazifik zertifziert hat. Diese Zertifizierung – die wissenschaftlich fehlerhaft ist und dem MSC unseren Award „SHARK ENEMY 2012“ einbrachte – wird offensichtlich als Freibrief zum Verkauf von Schillerlocken betrachtet.

Somit ignoriert man bei Tegut die übrigen Argumente gegen Schillerlocken. Insbesondere die enorme Gesundheitsbelastung durch Methylquecksilber beim Konsum von Dornhai scheint den verantwortlichen Einkäufern von Tegut wieder entfallen zu sein, die sich noch vor 5 Jahren „für alle Zeiten“ entschieden hatten, keine Haiprodukte mehr zu verkaufen.

Wir haben daher den Vorstand von Tegut (und den des Mutterkonzerns Migros) angeschrieben und diese Fakten erneut dargelegt. Damit dies auch wissenschaftlich ernst genommen wird, haben wir ein Konvolut von Belegen und Studien beigefügt, von angesehenen Wissenschaftlern, Instituten und staatlichen Stellen.

Offenbach, den 19.11.2012

Gift im Regal

Sehr geehrter Herr Gutberlet,

Wir dürfen uns kurz vorstellen: Sharkproject ist eine der weltweit größten, ehrenamtlichen Hai- und Meeressc’nutzorganisationen. Wir sind als gemeinnützig anerkannt und tragen das DZI-Spendensiegel. Unsere Ausrichtung ist nicht militant sondern wir setzen auf Aufklärung. Siehe dazu auch unsere Website: www.sharkproject.org

Nun zum Thema: Sie vertreten die Tegut-Märkte in Deutschland und diese sind eigentlich bekannt für nachhaltige Sortimente. Umso mehr erstaunt es uns, dass jetzt in ihren Märkten das Dornhaiprodukt „Schillerlocke* wieder angeboten wird.

Zur Historie:
Die Firma Tegut hat mit Schreiben an Sharkproject vom 11.5.2007 angekündigt, keine Schillerlocken mehr zu verkaufen. Die Gründe dafür sind genauso aktuell wie heute: Ökologie (Dornhai hat weltweit Rückgänge von 95%) und Gift (Schillerlocke ist wie viele Haiprodukie mit dem hochgiftigen Methylquecksilber versetzt). Migros hat aus diesen Gründen bereits seit 1995 auf Haie im Sortiment verzichtet.

Nun mit der Übernahme der Tegut-Märkte durch Migros sind plötzlich Schillerlocken wieder im deutschen Sortiment. (??)

Der einzige Grund, den wir uns dafür vorsteiien können, ist das MSC-Siegel, das das Produkt Schillerlocke jetzt trägt. Lassen wir einmal die vielen Zweifel beiseite, die sich auch anderen Umweltorganisationen aufdrängen über die Art der Studien bzw. wie nachhaltig es ist, noch die letzten Restbestände hochbedrohter Tierarten zu fangen. Was bleibt, ist die Tatsache des Giftgehaltes des Lebensmittels Hai. MSC schreibt ganz bewusst in seinem Statement zum Siegel für das Produkt Schillerlocke: „Der MSC-Standard umfasst keine Aspekte, die in Zusammenhang mit der Verarbeitung oder mit gesundheitlichen Fragen stehen, wie beispielsweise der Quecksilbergehalt von Dornhaien!“ (siehe Anlage 1)
Hinter diesem Satz verbirgt sich Sprengstoff. Sprengstoff übrigens, der schon 2007 bei Tegut zur ersten Auslistung von Schillerlocken geführt hat. Wieso werden diese Produkte nun wieder verkauft?
Wir können uns nur vorstellen, dass dieses Wissen bei Ihnen im Haus nicht mehr vorhanden ist, denn wieso sollten sie wissentlich Ihre Kunden vergiften wollen?

Lassen Sie uns deshalb nochmals die Fakten darstellen:

1.    Haie als Giftmüll-Deponie
Haie stehen im marinen Ökosystem am Ende der Nahrungskette und nehmen mit ihren Beutetieren, die in diesen enthaltenen Giftstoffe auf. Einmal im Hai, werden sie, je nach Stoff, nur in sehr geringem Maße abgebaut. Haie sind damit so etwas wie Langzeit-Giftmüll-Deponien der Meere. Bestimmte Schwermetalle, wie Quecksilber und das ungleich giftigere Methylquecksilber nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein. (siehe hierzu Anlage 2)

2.    Uni    Kiel, Toxikologie: Dringende Verzehrwarnung
(Siehe hierzu Anlage 3)

3.    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit:
Methylquecksilber ist ungleich giftiger als Quecksilber
–    In Haiprodukten ist in der Regel 90% des vorkommenden Quecksilber als Methylquecksilber vorhanden.
–    Hochgradig toxisch auf Nervensystem und Gehirn.
–    Durchdringt als einziges Gift die Blut-Hirn-Schranke und ist plazentagängig
–    Die Halbwertszeit für die Auscheidung aus dem gesamten Organismus beträgt ca. 60 Tage. Jeder weitere Verzehr in dieser Zeit baut den Giftgehalt auf.
–    Führt zu irreversiblen Störungen
–    Das IARC stuft Methylquecksibler als mögliches Humankarzinogen ein
–    Bereits die Zufuhr geringer Dosen kann zu einer Beeinträchtigung des Hörens, Sehens, verlangsamten Gehen, verminderter Sprachentwicklung und weiteren Schäden führen.
(Siehe Anlage 4. Studie des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz undReaktorsicherheit vom Dezember 2008)

4. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit:
Jede 4. Probe Schillerlocke liegt weit über den Grenzwerten
–    Der relative Anteil des Methylquecksilber am Gesamt-Quecksilber-Gehalt stellt keine konstante Größe dar. Er unterliegt ganz eindeutig mehreren, äusseren Einflussgrößen.
–    Haie liegen an oberer Stelle der Belastungsspitzen
–    Die Ergebnisse lassen allerdings keinen Zweifel daran aufkommen, dass bei selektiver Bevorzugung insbesondere von Haien eine beträchtliche Überschreitung der genannten Empfehlungen in Kauf genommen wurden.
–    Jede 4. Probe bei Haien und jede 5. Probe bei Schillerlocken übersteigt den Grenzwert
(siehe Anlage 5. Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom Februar 2008)

5.    Hai ist hoch mit Quecksilber kontaminiert!!!
40% der Proben über der Höchstmenge !!
(siehe Anlage 6. Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2006 sowie Lebensmittel-Monitoring 2001 des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

6.    Lebenslange Anhäufung von Quecksilber im menschlichen Gehirn
Bislang gingen Wissenschaftler von einen biologischen Halbwertszeit des Giftes Quecksilber von 60-90 Tagen aus. Im Zuge zahlreicher Untersuchungen (siehe Anlage 1) über den Zusammenhang von Methylquecksilberbelastungen und der Auslösung der Alzheimerischen Demenz haben sich Erkenntnisse über Abbaugeschwindigkeiten von Quecksilber im menschlichen Gehirn ergeben. Danach beträgt die biologische Halbwertszeit von Quecksilber mehr als 18 Jahre !!
Die gesamten bislang gültigen Höchstwerte müssen neu überarbeitet werden !!

7.    Eine von Sharkproject in Auftrag gegebene Studie über den Methylquecksilbergehalt in Haiprodukien bestätigt, dass jede 4. Probe über dem gesetzlich zulässigen EU-Grenzwert liegt.
In Zusammenhang mit Punkt 6. wird damit klar, dass jeder Konsument von Haiprodukten sich vergiftet und selbst ohne die Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse ist es immer noch jeder 4. (Sharkproject-Studie) bzw. sogar 40% der Kunden (siehe Punkt 4), die sich daran vergiften.

Alle diese Studien sind öffentlich zugänglich und auch für Ihre Einkäufer ersichtlich.
Fakt ist: Schillerlocke und weitere Haiprodukte sind hochgefährlich für den Konsumenten.

Wir hoffen, dass wir Sie mit unserem Schreiben hinreichend aufklären konnten und erwarten Ihre Stellungnahme bis zum 15.12.2012.

Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass wir diese Stellungnahme im Rahmen unserer aktuellen Schillerlocken-Kampagne öffentlich machen werden. Weitere geplante Schritte sind nach dem 15.12.2012 Kauf von Produktproben und Veröffentlichung der Studienergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz.

Tegut wird also nicht mehr sagen können, man habe das Ganze nicht gewusst.

Wir haben um Antwort bis Mitte Dezember gebeten – wir werden natürlich berichten, ob und wie reagiert wird. Und in Abhängigkeit der Reaktion setzen wir die Kampagne fort – gegen Tegut, und gegen andere Handelsunternehmen, deren Gewerbe in Handel und Vertrieb von Schillerlocken besteht.

Wer unterstützen will, dass diese Kampagne bei Tegut und Migros Gehör findet, kann sich selbst (bitte nicht ausfallend) dorthin wenden:

tegut… Gutberlet Stiftung & Co. KG, Gerloser Weg 72, 36039 Fulda
http://www.tegut.com, info@tegut.com
Telefon-Zentrale: 0661 104-0, Telefax-Zentrale: 0661 104-496

Bilder (c) Sharkproject

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