Vor wenigen Wochen erlaubte die amtierende Regierung in Costa Rica die Jagd auf bedrohte Hammerhaie. Aktuell ist diese Erlaubnis zwar gestoppt, zeigt aber doch eine dramatische Wendung der Umweltpolitik des Landes.

Ein Interview mit Gerhard Wegner, Präsident SHARKPROJECT International e.V.

Redaktion
Gerhard, Du kämpfst seit vielen Jahren gegen die Finning-Mafia in Costa Rica. Du wurdest wegen deiner Arbeit massiv bedroht, musstest einmal sogar fliehen, und hast dabei die Arbeit mehrerer Regierungen in Costa Rica kennen gelernt. Was sagst du zu der aktuellen Entwicklung?

 

gwGerhard Wegner
Ich bin maßlos wütend, aber im Grunde war es zu erwarten. Seit Präsidentin Chinchilla Miranda abgewählt wurde, hat die neue Regierung alles dafür getan, um ihre Gesetze und Bestimmungen zum Haischutz wieder aufzuheben. Der schnöde Grund dafür ist Geld, viel Geld. Geld, das von der Haiflossen-Mafia verdient wird und das jetzt wieder reichlich fließt.

 

Redaktion
Das heißt?

 

Gerhard Wegner
Wir reden hier über klare Korruption. Schon wenige Tage nach der Wahl wurden die Flossen-Fabriken wieder geöffnet, und die Fangboote entluden wieder an den Private Docks.
Dafür brauchte es noch nicht einmal eine Gesetzesänderung. Die auf Grundlage der bestehenden Gesetze kriminellen Taten wurden einfach nicht mehr verfolgt.

Innerhalb weniger Wochen war alles wie zuvor. Alle geltenden Gesetze und Bestimmungen, die von der Chinchilla-Regierung beschlossen waren, wurden einfach nicht mehr beachtet – und keinen interessierte es.

 

Redaktion
Und was haben SHARKPROJECT und andere Organisationen dagegen getan?

 

Gerhard Wegner
Wir haben Briefe geschrieben, Petitionen eingereicht, demonstriert – aber all das ging in den aktuellen weltweiten Problemen unter und interessierte die breite Öffentlichkeit und damit die costa-ricanische Regierung nicht die Bohne.

 

Redaktion
Und jetzt ?

 

Gerhard Wegner
Die Regierung hat sich mit der Fangerlaubnis für Hammerhaie ein Eigentor geschossen. Sie hat damit klar gegen CITES-Bestimmungen verstoßen, die unter Costa Ricas Führung erst wenige Jahre zuvor eingeführt wurden, und das hat zu einem weltweiten Shitstorm geführt.

Deshalb ist die Erlaubnis zunächst einmal auf Eis gelegt.

Redaktion
Ein Erfolg der internationalen Umweltorganisationen?

 

Gerhard Wegner
Eindeutig ja. Als ich vor vielen Jahren SHARKPROJECT gründete, gab mir Andrew F. Cobb einen zynischen Ratschlag mit. Er sagte: Umweltschutz funktioniert nur, wenn einer daran verdient, bzw. wenn einer wegen des Gegenteils daran Geld oder Image verliert.

Und genau das passiert jetzt in Costa Rica. Das Image der neuen Regierung ist durch die weltweiten Proteste massiv beschädigt. Nur deswegen haben sie die Jagd gestoppt.

Deshalb heißt es jetzt, wieder Vollgas zu geben. Wir sind mit unseren Freunden von der PRETOMA dabei, den Druck zu erhöhen.

 

Redaktion
Also alles wieder von vorne?

 

Gerhard Wegner
Lass uns realistisch bleiben. Solange so viel Geld an Haiflossen verdient wird, wird es niemals aufhören. Erfolg werden wir nur haben, wenn der Konsum zusammenbricht. Erst wenn niemand mehr Haiflossensuppe kauft, wird der Fang aufhören.

Und – Hurra! – das passiert inzwischen weltweit. Viele Länder haben die Suppe verboten. In der Folge ist der Markt weltweit geschrumpft, seit 2012 alleine in Südchina um 82%!

Hier müssen wir weitermachen. Mit Aufklärung über die Grausamkeit der Fangpraxis, und damit, dem Konsumenten von Haiflossensuppe die Schamröte ins Gesicht zu treiben. Wenn Haiflossensuppe von der Öffentlichkeit ebenso gebrandmarkt wird wie Schildkrötensuppe oder Delfinfleisch, wird es aufhören.

Das ist die Zielsetzung unserer Arbeit.

Was da in Costa Rica aktuell passiert, wird aufhören, wenn der Finning-Mafia das Geld ausgeht.

Und wir waren noch nie so dicht davor. Lasst uns Gas geben!

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