12. August 2016 .he

Haifütterungen, ein ewiges Thema

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Wir von SHARKPROJECT werden oft von Tauchern angesprochen, wie wir Haifütterungen beurteilen.

Unsere Antwort ist immer gleich: Mal so, mal so!

Der Grund dieser Wischiwaschi-Antwort liegt darin, dass es keine einheitliche Definition für ‚Haifütterung‘ gibt, sondern viele Varianten, die von unterschiedlichen Menschen für verschiedene Haiarten in unterschiedlichem Umfeld durchgeführt werden. Wie wollte man da eine fundierte Meinung abgeben?

Klar ist, dass regelmäßige Fütterungen die Tiere konditionieren. Sie gewöhnen sich an den Menschen, verlieren ihre natürliche Scheu und kommen dem Menschen näher. Dabei kommt es auch immer wieder zu Vorfällen, auch wenn diesen von den Tauchbasen meist sofort verharmlost oder gar verheimlicht werden: Da werden Taucher gerammt, angestoßen und in Einzelfällen auch gebissen.

Alles Ereignisse, die z.B. vom ISAF, dem International Shark Attack File, als sogenannte ‚Haiattacken‚ gewertet werden. Das ISAF unterscheidet dabei zwischen unprovozierten und von Menschen provozierten Attacken. Was sind nun die Unfälle bei Haifütterungen? Provoziert? Unprovoziert?

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Ist der Mensch selbst schuld, weil er füttert?
Ich denke: ja, der Mensch ist weitgehend verantwortlich. Futter im Wasser verändert das Verhalten der Haie. Hierbei wirkt offenes Futter noch mehr als nur der Geruch. In unserem SHARKPROJECT-Buch „BLIND DATES – Begegnungen mit Haien“ haben wir Futter im Wasser als einen der wichtigsten Unfallfaktoren belegt. Kommen weitere Faktoren hinzu, wie z.B. Konditionierung, Konkurrenz, Irritation der Sinne, Persönlichkeit der Tiere und fehlender Respekt der Taucher, klingt das wie die Beschreibung mancher Haifütterungs-Tauchgänge, ist aber nach aller Erfahrung die Ursachenmenge für Haiunfälle.

Haie sind Raubtiere, und Haifütterungstauchgänge sind deshalb immer Risikotauchgänge. Das muss allen Teilnehmern bewusst sein.

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Warum machen die Taucher es trotzdem?
Zunächst müssen wir festhalten, dass Haifütterungen als Köderaktionen zu den wenigen Möglichkeiten gehören, Haie unter Wasser aus der Nähe zu erleben. Wenn man nicht gerade in Geld badet, um die Hammerhaischulen bei Cocos Island oder die Bullenhaie vor Fidschi zu erleben, und keinen Sechser im Taucherlotto hat und einem Walhai im Blauwasser begegnet, dann bleiben nur der Zufall – oder eben das Anködern durch Haifütterungen.

Aufklärung durch Anschauung
Aber es gibt nicht nur kritische Aspekte. Positiv am Haifüttern ist sicherlich, dass die nur hierdurch vielen Tauchern überhaupt ermöglichte Nähe zu Haien bei diesen Tauchern eine besondere Begeisterung und Faszination auslöst. Es wird deutlich schwerer, einem solchen Taucher das Märchen vom Killerhai zu erzählen. Und trotz aller eingangs genannten Risikofaktoren passiert ja tatsächlich insgesamt wirklich wenig, trotz der Fütterungen.

Haifütterungen sind damit deutlich ungefährlicher als z.B. Löwenfüttern oder Leopardenstreicheln. Hauptgrund dafür: Wir Menschen gehören immer noch nicht in das Beuteraster der Haie. Aber wir sind im Beuteschema wilder Großkatzen.

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Foto (c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Fazit
Nachdem ich jetzt lange erklärt habe, wie schwierig es ist, sich eine Meinung zu Haifütterungen zu bilden, meine Position: SHARKPROJECT unterstützt vom Prinzip her Haifütterungen, wenn diese mit strengsten Sicherheitsbestimmungen für Mensch und Tier durchgeführt werden. Ausgeschlossen sind für uns Haifütterungen mit offenem Futter, da hierbei das Risiko für die Taucher zu signifikant ansteigt und unbeherrschbar ist.

Wir wären froh, es gäbe genug Haie, so dass es keiner Köderfütterungen bedürfte. Aber da uns die Aufklärung über die faszinierenden Fische zentral wichtig ist, nehmen wir verantwortungsvolles Haifüttern in Kauf, um möglichst viele Taucher zu überzeugen, sich für Haie einzusetzen.

Gerhard Wegner
Präsident SHARKPROJECT International e.V.
Autor des Bestsellers „BLIND DATES – Begegnungen mit Haien

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