18. Juli 2019 Nils Kluger

Haie im Mittelmeer – Bestände stark bedroht

(c) F. Kremer-Obrock

Der World Wildlife Fund (WWF) hat in seinem neuesten Bericht „Sharks in Crisis: A call to action for the Mediterranean” auf die dramatische Situation der Haibestände im Mittelmeer aufmerksam gemacht und ein sofortiges Umdenken gefordert. Während weltweit 181 Hai- und Rochenarten nach Einschätzung der Roten Liste der IUCN als gefährdet gelten müssen, sind es im Mittelmeer 39 Arten, die unter diese Kategorie fallen. Der WWF berichtet, fast 80 % der bewerteten Fischbestände in der Region seien überfischt. Alleine deshalb müssten ernsthafte Maßnahmen ergriffen werden, um das Fischereimanagement in der gesamten Region zu verbessern und die Ressourcen für künftige Generationen zu erhalten. Was Haie und die weiteren Knorpelfische angeht, so ist die Situation laut WWF noch schlimmer.

Haie und Rochen spielen im Mittelmeer eine entscheidende und vielfältige Rolle, von Spitzenprädatoren, die die Nahrungsmittelpyramide stabil halten, bis zu Rochen, die die Komplexität der Meeresboden-Ökosysteme unterstützen.Der Bericht listet die Gründe für die Situation der Haie detailliert auf:

Im Mittelmeeer kaum noch zu finden – Bogenstirn-Hammerhaie
(c) Klaus-Peter Harter

1. Überfischung:
Im Gegensatz zu den meisten anderen überfischten Arten sind Haie und Rochen oft nicht das Ziel der Fischer. Ob sie nun den Weg zur Vermarktung finden oder nicht, technisch gesehen sind viele von ihnen nur Beifang. Dabei kommen viele Fischereiarten zum Tragen, von der Oberflächen-Longline bis zur Grundnetzfischerei. Einige werden an Bord gehalten und zumeist illegal verkauft, andere werden verworfen – je nach Strategie des Fischers. Dabei können sinkende Fänge anderer Zielarten durchaus dazu führen, dass Fischer mehr Haie anlanden wollen, um ihre sinkenden Erträge zu ergänzen. Auf dem Markt sind sich viele Verbraucher nicht bewusst, dass einige der billigen Meeresfrüchte, die sie kaufen – die sie zum Beispiel für Schwertfisch halten – tatsächlich scharf sind. Sharkproject hat in der Vergangenheit immer wieder über fantasievolle Namen für Haiprodukte berichtet.

2. Verengung der Lebensräume
Die Haipopulationen und die marine Biodiversität werden von den dichten Küstenpopulationen und der Anzahl Touristen direkt beinflusst. Mit der Beschleunigung des Verlustes und der Verschlechterung der Lebensräume an der Küste durch die rasante Entwicklung stehen lebenswichtige Aufzuchträume an der Küste – sowohl in Mündungsgebieten als auch im Süßwasser – im Mittelmeer besonders unter Druck. Auch die verstärkte Küstenfischerei, verlorene oder zurückgelassene Fischernetze, Tiefseebergbau und Ölbohrungen bedrohen die lokalen Populationen.

3. Verschmutzung des Mittelmeeres
Als langlebige Spitzenprädatoren sind Haie und Rochen anfällig für die Ansammlung hoher Schadstoffmengen in ihrem Körper. Das Mittelmeer als kleines und relativ geschlossenes Meer gilt als stark belastet. Hohe Quecksilberkonzentrationen wurden in vielen Mittelmeerhaien gefunden. Insbesondere Proben des Dornhais (Squalus acanthias) ergaben hohe Konzentrationen. Auf die Belastung von Dornhai – nicht nur aus dem Mittelmeer, weist Sharkproject seit einigen Jahren hin.

Für die Zukunft der Haie im Mittelmeer fordert der Bericht deshalb eine umgehende Veränderung. Die Einrichtung von Schutzgebieten für besonders wichtige Haifischgründe oder -routen ist die erste Empfehlung für den Schutz der Bestände. Sie sind das wirksamste Mittel zur Verringerung des Hai-Beifangs und dem Schutz von kritischen Habitaten. Grundlage hierfür muss eine bessere Datenerfassung, -überwachung und Kontrolle der Haifänge im Mittelmeer bilden, um sinnvolle Gebiete zu identifizieren. Zudem müssten die Fischereien Anpassungen in allen Fangarten vornehmen, um Beifänge zu reduzieren.

Die Studie des WWF ist hier zu finden (englisch).

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