31. Januar 2021 Christine Gstöttner

Was haben Haie mit der Corona Impfung zu tun?

WARUM ES HAIEN AN DIE LEBER GEHT.

Die gute Nachricht: Zurzeit ist in keinem in der EU zugelassenen Impfstoff ein squalenhaltiger Wirkverstärker (Adjuvans) enthalten, das aus Haileber Öl gewonnen

wurde. ABER – laut WHO befinden sich einige Covid 19 Impfstoffkandidaten in der klinischen Prüfung, die sehr wohl Squalen verwenden. Zudem gibt es andere in der EU zugelassene Impfstoffe, wie zum Beispiel den Grippeimpfstoff FLUAD, die Squalen aus Haileber Öl enthalten.

Hier findest Du mehr Information zu Squalen:

WAS IST SQUALEN/SQUALAN?

Squalen ist ein ungesättigter Kohlenwasserstoff C30H50 und kommt in natürlicher Form in verschiedenen Organismen wie Tieren, Pflanzen, Pilzen und Bakterien vor. Die höchste Konzentration von Squalen findet man in der Leber von Tiefseehaien, die in 200-4000 Metern Tiefe leben wie zum Beispiel dem Portugiesenhai (Centroscymnus coelolepis) oder dem Blattschuppigen Schlingerhai (Centrophorus squamosus).

Den hohen Öl Anteil in der Leber benötigen Haie zur Tarierung und er dient auch als Energiereserve. Die Leber von Tiefseehaien macht bis zu 20% des Körpergewichtes aus und davon sind 10-70% Haileber Öl, aus dem je nach Haiart 15-85% sehr reines Squalen extrahiert werden können. Direkt aus der Haileber gewonnenes Squalen nimmt an der Luft schnell Sauerstoff auf und ist nur begrenzt lagerfähig, daher wird es industriell hydriert, d.h. „gesättigt“ und ist dann als SQUALAN stabiler, haltbarer und leichter zu verarbeiten.

Wegen seiner feuchtigkeitsspendenden und antioxidanten Wirkung wird Squalen/Squalan in der Kosmetikerzeugung, in der Pharmaindustrie, als Nahrungsergänzungsmittel und auch in technischen Anwendungen z.B. in Schmiermitteln verwendet.

WAS IST EIN ADJUVANS – WIRKVERSTÄRKER?

Squalen aus Haileber Öl wird als Adjuvans in Impfstoffen als Wirkverstärker verwendet. Dort steigert es die Immunantwort des menschlichen Körpers, erhöht die Effektivität des Impfstoffes und es muss weniger Antigen (z.B. abgeschwächtes oder abgetötetes Virus) im Impfstoff verwendet werden.

Squalenhaltige Adjuvantien sind in Europa u.a. von Novartis (MF59) und GSK GlaxoSmithKline (AS03) zugelassen und werden in Impfstoffen gegen die saisonale Grippe (FLUAD) und die Schweinegrippe (Pandemrix) verwendet. Diese zwei Wirkstoffverstärker sind auch in einigen Covid 19 Impfstoffen enthalten die sich derzeit noch in der präklinischen oder klinischen Testung befinden. GSK hat angekündigt, 2021 eine Milliarde an Dosen seines Wirkstoffverstärkers AS03 herzustellen.

GIBT ES ALTERNATIVEN?

JA! Das ist ja das besonders tragische an dieser Situation. Viele Haie müssen ihr Leben für Squalen lassen obwohl es Alternativen gibt. Denn Squalen kann auch aus Pflanzen wie Oliven oder Zuckerrohr (Phytosqualen), aus Pilzen und sogar biotechnologisch aus Hefen oder Bakterien hergestellt werden und weist jeweils die gleiche chemische Struktur wie das tierische Squalen auf. Die Herstellung ist allerdings aufwendiger als die Extraktion aus Haileber, denn die Leber kann ja einfach aus dem Hai herausgeschnitten wird.

WOHER WEISS ICH OB DAS SQUALAN IN EINEM PRODUKT VOM HAI STAMMT?

Leider gibt es bis jetzt in den meisten Branchen (Kosmetik, Nahrungsergänzung, …) keine Herkunftsbezeichnungspflicht die den Ursprung des Squalans angibt. Die FDA (U.S.Food and Drug Administration) unterscheidet nicht zwischen Squalen von Haien, Phyotsqualen oder synthetischem Squalen und verlangt keine entsprechenden Herkunftsbezeichnungen außer dem Land aus dem es kommt.

Anders ist das bei Arzneimitteln. Das Adjuvans in Impfstoffen gilt als Teil des sogenannten „Active pharmaceutical Ingredient“ und daher muss der Antragssteller, das genaue Herstellungsverfahren, den Lieferanten und die Herkunft des eingesetzten Squalens in den Zulassungsunterlagen angeben. Die Zulassung ist dann auch auf die Verwendung dieses Materiales beschränkt und kann z.B. nicht durch Squalen anderer Herkunft ausgetauscht werden, ohne dass ein sehr aufwendiges und Monate oder Jahre dauerndes Änderungsverfahren durchlaufen werden muss, in dem z.B. neue Stabilitätsdaten oder gar klinische Daten verlangt werden. (SUPAC = scale-up and post-approval changes)

HAILEBER ÖL VON TIEFSEEHAIEN

Nach den Flossen ist Haileber Öl DAS Haiprodukt mit dem größten Marktwert. Nach einer Schätzung von Bloom wurden 2012 ca. 3 Mio. Tiefseehaie zur Gewinnung von Squalen getötet. Diese Schätzung basiert auf Interviews mit Fischern und Squalenproduzenten, da es bis dahin keine offiziellen Studien gab.
Bis heute ist die Datenlage unverändert mangelhaft aber man darf annehmen dass die Nachfrage nach Squalen seither nicht wesentlich gesunken ist – sondern vielmehr wohl eher angestiegen ist. Auch wissen wir viel zu wenig über Tiefseehaie (Squaloid sharks), deren Bestände, ihre Fortpflanzung oder ihren Lebensraum. Sicher ist aber, dass sie langsam wachsen, noch später fortpflanzungsfähig werden und noch geringere Geburrtenraten haben als die meisten andere Haie. Bereits eine geringfügige Überfischung kann bereits katastrophale Auswirkungen auf einzelne Arten haben – bis hin zur ihrer Ausrottung. Eine globale Einschätzung der Situation ist äußerst schwierig da es keine Überwachung der Fangmengen gibt und die berichteten Fangmengen bleiben deutlich hinter den tatsächlichen Fangmengen zurück.

„SHARKLIVERING“

Durch die steigende Nachfrage ist es möglich, dass der Fang von Haien für das Haileber Öl auch für solche Fischereiunternehmen attraktiv wird die sich bis dato noch nicht daran beteiligen. Auch „Beifang“ Haie und Haie die für einen anderen Verwendungszweck gefangen wurden werden zur Haiölgewinnung herangezogen.
Analog zur Gewinnung der wertvollen Haiflossen mittels des grausamen „Finnig“, erfolgt die Gewinnung des Haileber Öls oftmals durch „Livering“. Dabei wird dem Hai (oft noch bei lebendigem Leib!) die Leber entfernt und der Rest des Hais zurück ins Meer geworfen. Das spart wie auch beim „Finning“ Zeit und erfordert weniger Lagerraum an Bord.

Video von Bali Divers zum Thema Shark Livering

BEDARF & MARKT VON HAILEBERÖL

1960 hatte Japan die Pionierrolle in der Squalen Produktion, wo es vor allem in der Kosmetikherstellung verwendet wurde. (Kishimoto Special Liver Oils). Ab 1990 versorgten Spanien und Portugal mit Haien aus dem Atlantik bis zu 2/3 des Marktes. Sinkende Bestände und die Einführung von Fangquoten im Nordatlantik verlagerte die Haileber-Fischerei südwärts nach Australien und Neuseeland. Seit 2012 verlagerte sich die Jagd nach dem Haileber-Öl in tropische und halbtropische Gewässer, wo es leichteren Zugang zu Fisch Ressourcen gibt, die Produktionskosten niedriger sind und es weniger Regulationen oder Kontrollen gibt.
Zudem haben die dort lebenden Haie eine höhere Ölkonzentration in ihrer Leber, eine bisher unbekannte Besonderheit. 

2012 waren die Hauptproduzenten: Philippinen, Indonesien, Indien, Australien, Neuseeland und indirekt Spanien, das eine zentrale Rolle beim Haiölhandel spilet („Squalop Oil“ hatte 2012 eine Kapazität von 80 Tonnen Haiöl pro Monat für die Marktbelieferung, womit es ein Viertel des globalen Marktes versorgte.)
1990 bis 2020 war die französische Firma „Sophim“ weltweit führend bei der Squalen Herstellung und Hauptkäufer von Haileber-Öl, zusammen mit der japanischen Firma „Kishimoto Special Liver Oils“. (Auf der Website von Sophim standen 2012 auch bedrohte Haiarten als Quelle gelistet.

Für eine Tonne Haileber Öl müssen ungefähr 2.500 – 3.000 Haie (je nach Größe und Ölgehalt) sterben. Das sind zu Zeit ca 2,7 – 3 Mio Haie pro Jahr die nur um ihrer Leber Willen gefangen und getötet werden. 2012 lag der Preis für eine Tonne Haileber Öl bei 12.000 – 15.000 Dollar, je nach Squalengehalt. Der Preis für eine Tonne Squalen betrug 15.000 – 25.000 Dollar und für Squalan 20.000 – 35.000 Dollar.

FAO Daten aus 2018 zeigen einen Anstieg beim Import und der Verarbeitung von Haileber Öl mit einem Handelsvolumen von bis zu 752 Tonnen. Seit Jahrzehnten die größte Menge. In den Jahren 2000-2017 lag das durchschnittliche Handelsvolumen bei etwa 200 Tonnen.

commons.wikimedia

BEDROHTE TIEFSEEHAIE – PROBLEME FÜR HAISCHUTZORGANISATIONEN

50 % der für die Squalengewinnung verwendeten Haiarten konnten mangels Daten (data defficient) bisher von der IUCN (Weltnaturschutzunion International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) noch nicht einmal hinsichtlich ihrer Bedrohunge bewertet werden. Für 30% der Arten gibt es nur unzureichende Daten. Ein Drittel der Arten wurde als bedroht eingestuft. Bestandszahlen sind zum Teil unbekannt oder stark rückgängig.
In der Literatur wurden mittlerweile 133 Haiarten benannt die für das Geschäftl mit Haileber Öl relevant sind. Viele davon sind Tiefseehaie die in über 200 Meter Tiefe leben.

Die Nachfrage nach Haileber Öl steigt. Hinsichtlich der überwiegend asiatischen Hersteller sehen sich die Wissenschaftler und Haischutzorganisationen mit folgenden Problemen konfrontiert:

  • Es gibt wenig Transparenz beim Haifang. Kaum Angaben über Fangzahlen und ob sie legal gefangen wurden. Keine Angaben um welche Arten es sich handelt, ob sie bedroht sind oder nicht, und auch keine Angaben wie viele Tiere geschützter Hai Arten gefangen, an Bord verarbeitet und bereits auf See entsorgt werden, ohne dass die Fangzahlen entsprechend gemeldet werden.
  • Wenig Möglichkeiten für Kontrollen auf den Fangschiffen und in den Verarbeitungsbetrieben.
  • Kaum Qualitätskontrollen

Im Verhältnis zu Haiflossen ist Squalen noch ein kleiner Markt und bis jetzt gab es wenig mediale Aufmerksamkeit für die Machenschaften der Haiölindustrie. Allerdings ist es ein wachsender Markt.
Während in der Kosmetikindustrie mittlerweile in Europa und in den USA hauptsächlich pflanzliches Squalen verarbeitet wird, ist Squalen aus Haileber Öl vor allem als Nahrungsergänzungsmittel und als Adjuvans in Impfseren auf dem Markt.

In welchem Ausmaß Squalen und Squalan in technischen Produkten eingesetzt werden, für die es keinerlei Deklarationspflicht gibt, ist ebenfalls unbekannt aber aufgrund der positiven Eigenschaften dieses Produktes in vielen technischen Anwendungen sicherlich auch von Bedeutung.

WAS KANN ICH TUN?

SHARKPROJECT bittet um Deine Mithilfe!

  • Bitte teile dein Wissen über Haiölgewinnung mit deinem Umfeld.
  • Unterstütze die von SharkAllies ins Leben gerufene Pettion gegen Squalen in Impfseren. „Stop Using Sharks in COVID-19 Vaccine – Use EXISTING Sustainable Options“
  • Petition unterzeichnen
  • Kaufe und konsumiere keine Produkte die Squalen oder Hai enthalten BITTE informiere SHARKPROJECT, wenn Du ein Produkt mit Squalen/Squalan findest, das eventuell aus Haileber Öl gewonnen wurde.
    Kennst Du technische Produkte wie z.B. Schmiermittel wo Haisqualen oder andere Haileberölbestandteile enthalten sein könnten? Bitte teile diese Information mit uns.
  • In Europa ist die Problematik mit Haisqualen bisher noch wenig bekannt, obwohl die Umweltschutzorganisation Deepwave bereits 2016 auf die Verwendung von Squalen in Impfstoffen hingewiesen hat. Facts
  • Bereits 2012 veröffentlichte die französische Meeresschutzorganisation Bloom eine Studie zu Hai-Squalan in Kosmetikprodukten.
  • In den USA sind die Organisationen SharkAllies und Oceana bereits sehr aktiv hinsichtlich der Aufklärung und Initiativen gegen die Verwendung von Squalen und die damit verbundene Jagd auf die Tiefseehaie.

WAS WOLLEN WIR?

EIGENTLICH NICHT VIEL, NUR LASST DEN HAIEN IHREN FRIEDEN! UND DAS JETZT – NICHT ERST, WENN SIE AUS DEN MEEREN DER WELT VERSCHWUNDEN SIND!

Warum wird für ein Impfserum ein Inhaltstoff verwendet, der aus einer endlichen Ressource, wild lebender Tiere gewonnen wird, wenn es eine pflanzliche Alternative zum gleichen Preis gibt? Weil es der Öffentlichkeit nicht bewusst ist und weil die Industrie in der Vergangenheit keine Rücksicht auf Artenschutz genommen hat. Das muss sich ändern, da sich das Motto: „Menschliches Leben vor Naturschutz“ als Bumerang erweisen wird.

Alternativen zu Haisqualen müssen zu Beginn der Entwicklung getestet werden oder Haisqualen bereits in Phase I noch ausgetauscht werden, um den langwierigen Zulassungsprozess und Änderungsprozess nach der Zulassung zu vermeiden.

Für ALLE Produkte mit oder aus Haisqualen müssen genauerer Kennzeichnungspflichten bezüglich Haiarten, Herkunftsland der Haileber etc. eingeführt werden. Wenn das durch den Verarbeitungsprozess nicht mehr möglich ist zumindest eine Kennzeichnung als „Aus wildlebenden, oftmals vom Aussterben bedrohten Tierarten hergestellt“

Importverbot von Haisqualen Produkten z.B. Nahrungsergänzungsmittel.

Der Fang von Tiefseehaien oder besser ALLER HAIE muss besser überwacht oder eingestellt werden. Die Menge und Art der gefangenen oder als Beifang gefangenen Haien muss lückenlos überwacht und dokumentiert werden.

All der Raubbau an der Natur, die Zerstörung des empfindlichen Gleichgewichts im Meer durch Überfischung und nicht regenerierbare Verkleinerung der Haibestände kann im Falle von Squalen ganz einfach verhindert werden.

Pflanzliches oder biotechnologisch hergestelltes Squalen, das qualitativ gleichwertig ist, steht mittlerweile ausreichend und zu einem gleich günstigen Preis zur Verfügung. Z.B. kann die Firma „Amyris“ in Californien, die Squalen aus Zuckerrohr herstellt, innerhalb von einem Monat das Adjuvans für eine Billion Impfstoffe erzeugen.

Mit pflanzlichem Squalen ist man nicht von unstabilen Quellen wie Haivorkommen und Ländern, die wenig Transparenz und Qualitätskontrollen zulassen, abhängig. Pflanzliches oder biotechnisch hergestelltes Squalen aus nachhaltigen Rohstoffen bietet eine gleichbleibende Konsistenz des Produktes und gefährdet keine wildlebenden Tierarten.

Text: Nina Escher

Bildnachweise: Pixabay, Pexels, Commons.wikimedia, Sharkallies

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