18. März 2020 Switzerland Sharkproject

Hai nach wie vor in Europa als einfacher «Fisch» verkauft!

New brochure by Sharkproject and Stop FInning to educate consumers about dogfish

2019 kaufte Sharkproject in Deutschland Produkte, welche vermutlich Haifleisch enthielten. Die Suche nach entsprechenden Produkten in Österreich und der Schweiz im gleichen Zeitraum verlief erfreulicherweise erfolglos.

Nun liegen die Ergebnisse der Haifleischproben aus Deutschland vor!

Die erworbenen Haifleischprodukte wurden der Forschungsgruppe von Prof. Andrew Griffiths von der Universität Exeter, UK und Dr. Chrysoula Gubili vom Fisheries Research Institute (FRI), Nea Peramos in Griechenland zur Verfügung gestellt.

Diese Gruppe hatte 2018 eine wissenschaftliche Untersuchung von zahlreichen Haiprodukten aus Großbritannien veröffentlicht, welche auch in den Medien viel Aufsehen erregte, da die Wissenschaftler zeigen konnten, dass auch in Europa Hai häufig unter falschem Namen verkauft wird. Dieser wird einfach als „Fisch“ bezeichnet bzw. überhaupt nicht näher spezifiziert. Mit einem als «DNA bar coding» bezeichneten Analyseverfahren können Wissenschaftler anhand solcher Proben im Labor eindeutig – und das oftmals sogar noch aus verarbeiteten Produkten – die Haiart identifizieren respektive zwischen Hai und üblichen Speisefischen unterscheiden.

(c) Christine Gstöttner

(c) Christine Gstöttner

Das Ergebnis: 8 der gesammelten Proben konnten eindeutig bestimmt werden. Es handelt sich bei allen um Squalus acanthias (engl. spiny dogfish), zu Deutsch Dornhai. Dieser Hai ist laut IUNC im Nordöstlichen Atlantik als bedroht (endangered) eingestuft und darf in der Nordsee seit 2011 auch nicht mehr gezielt gefangen werden. Allerdings ist der Dornhai noch immer anteilsmässig ein bedeutender Beifang in der gesamten Nordsee Bodenfischerei. An der Nordküste der USA wird der Hai sogar immer noch gezielt gefangen und dann zumeist nach Europa exportiert – als MSC zertifizierter und laut dem MSC Logo aus nachhaltiger Fischerei stammender Fang, da die dortigen Bestände wohl derzeit NOCH nicht überfischt sind.

Vor allem in den deutschen Küstenregionen wird Dornhai noch immer regelmäßig angeboten und dort, ebenso wie deutschlandweit im Einzelhandel (z.B. bei real, Metro), unter den Fantasienamen Schillerlocke oder Seeaal verkauft und von deutschen Verbrauchern verzehrt – oftmals ohne, dass sich die Verbraucher überhaupt bewusst sind Hai zu essen.

Die Gruppe der Wissenschaftler um Dr. Griffiths und Dr. Gubili wird europaweit weiter Proben sammeln und analysieren, um eine breitere Datenbasis zu bekommen und daraus allfällige Handlungsvorschläge ableiten zu können. Sharkproject wird diese für den Erhalt des Dornhais und die Transparenz der Verbraucher wichtigen Forschungen der Gruppe weiterhin begleiten und unterstützen.

 

Text: Dr. Iris Ziegler

Foto: Christine Gstöttner

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