12. Januar 2021 Diana Fürsicht

Forderung der Fins Naturally Attached Regelung an den MSC

In einem früheren Blogartikel über das MSC Siegel haben wir bereits darüber berichtet, dass der Schein dieses Siegels trügt und dennoch viele Haie der MSC (Marine Stewardship Council) gekennzeichneten Fischerei zum Opfer fallen. Eine vielversprechende Möglichkeit, die Haie davor zu schützen, als Beifang auf einem Kutter zu enden, ist die Fins Naturally Attached Regelung. 

Fins Naturally Attached bedeutet, dass Haie von Fischern immer als Ganzes Lebewesen angelandet werden müssen. Wieso dies so wichtig für den Artenschutz ist und wieso der MSC diese Regelung dringend aufnehmen sollte, thematisiert der folgende Artikel. 

Sharkproject und 74 weitere Unterzeichner fordern vom MSC, dass die Fischerei, die durch das Siegel des MSC als nachhaltig ausgezeichnet wird, dies auch tatsächlich ist. Zur Zeit scheinen die Bedingungen für die Fischerei eher undurchsichtig an die Außenwelt kommuniziert zu werden. 

Die Methoden der Fischer sind alles andere als nachhaltig oder artenschutz gerecht. Langleinen, Bodenschleppnetze und Kiemennetze gehören zu den Fangmethoden, die von MSC zertifizierten Fischereien angewendet werden. Das Versprechen, ein umweltfreundliches Produkt zu verkaufen, wird dem Verbraucher gegenüber demnach nicht eingehalten. Endkunden vertrauen allerdings darauf, nachhaltig gefischte Produkte zu kaufen, wenn diese mit dem MSC Siegel gekennzeichneten wurden. 

In unseren Augen ist die Fischerei nicht als nachhaltig zu deklarieren, wenn bedrohte Haie en masse als Beifang in den Netzen landen und sterben. In den meisten Fällen werden ihnen die Flossen abgetrennt bevor die nicht überlebensfähigen Körper zurück über Bord geworfen werden. Auch Delfine werden in die Enge getrieben und enormen Stress ausgesetzt, um den mit diesen assoziierten Thunfisch zu fangen. Somit trägt die MSC zertifizierte Fischerei nicht zum Umweltschutz bei, sondern führt dazu, dass das Ökosystem Meer weiter bedroht wird.

Die Haie sind, wenn sie nicht bereits tot sind, dem Tode geweiht, sobald sie ohne Flossen wieder ins Meer entlassen werden. Der Grund dafür ist, dass die Flossen das kostbarste am Hai sind. Die Fischer können über den illegalen Handel zwischen 15-20.000 Dollar pro Kilogramm für diese verlangen und so zusätzliches Geld verdienen. Das Haifleisch hingegen ist mit 1-20 Dollar Pro Kilo je nach Haiart deutlich weniger wert. Der Handel von Haiflossen besteht bis heute, obwohl dies mit wenigen Ausnahmen weltweit verboten ist. Fins Naturally Attached soll dafür sorgen, dass der gesamte Hai angelandet werden muss. 

Vielleicht fragen Sie sich, worin der Unterschied besteht, wenn der Hai letzten Endes dennoch getötet wird. 

Indem der Hai im Ganzen an Land gebracht werden muss, ist für Haischützer nachvollziehbar, welche Haiarten durch die Fischerei gefangen und weiter ausgerottet werden. Die Trennung von Flossen und Haikörper lässt nicht beweisen, dass und ob bedrohte Haiarten getötet wurden. Durch die Anlandung des ganzen Tieres würde protokolliert, welche und vor allem wie viele Haie der Fischerei zum Opfer fallen, indem die Tiere identifiziert werden. Sind die Flossen erst einmal vom Körper getrennt, ist im Nachgang nur schwer nachvollziehbar, zu welcher Art die Flossen gehören und wie groß die Tiere waren. Ein Teil der Frage könnte mittels eines DNA Tests beantwortet werden, jedoch fehlen dazu in den meisten Fällen die monetären Mittel und die Zeit, um solche Tests durchzuführen. Nachdem die Haiflossen anfangen zu trocknen, wird die Identifikation immer schwieriger. 

                  

Die Daten sind wichtig für den Artenschutz, damit die Fangzahlen analysiert und aktualisiert werden können, sowie der Schutz lebensbedrohter Haiarten gewährleistet werden kann. Geschützte Haiarten gelten so schnell wie möglich und im bestmöglichsten Zustand wieder freigelassen zu werden, falls sie in einem Fischernetz gefangen wurden.

Jede abgetrennte Flosse beweist außerdem das Finning und sollte so gut es geht im Keim erstickt werden.

Die Regelung Fins Naturally Attached unterstützt nunmehr nicht nur das Protokoll des Haifangs, sondern sorgt dafür, dass weniger Tiere sterben müssen. Wenn jeder Hai, der gefangen wird, mit seinem gesamten Körper an Land gebracht werden muss, nehmen diese sehr viel Platz im laderaum des Schiffes ein. Dies bedeutet zum einen, dass weniger Haie aber auch weniger vom eigentlichen Fanggut transportiert werden kann.

Fins Naturally Attached ist seither die beste Methode, um dem Finning und dem Töten von Haien durch Beifang  entgegen zu wirken. In dem genannten Brief fordern wir MSC dazu auf, diese Regelung in ihre Fischerei einzuführen. Zudem bitten wir darum, Informationen über die Fischerei unter MSC offen an die Verbraucher zu kommunizieren. 


Der Verbraucher wird in dieser Hinsicht schlicht und ergreifend betrogen. Selbst wenn jemand einen nachhaltig gefangenen Fisch kaufen möchte, trifft er offensichtlich mit einem MSC zertifizierten Produkt die falsche Wahl. Der Wille, nachhaltig zu konsumieren und der Umwelt nicht zu schaden, sollte nicht missbraucht werden, um mehr Geld zu verdienen. 

Nachdem der MSC bei der Überprüfung der Fischereimaßnahmen durch Make Stewardship Count in fast jeder Hinsicht mit dem schlechtesten Ergebnis (“Erfüllt die Erwartungen nicht”) abgeschnitten hatte, wartet die Öffentlichkeit seit August 2020 auf eine Erklärung dessen seitens MSC. Zudem verlängerte MSC die Dauer der Standardüberprüfung um weitere 6 Monate, sodass die aus den Ergebnissen resultierenden Verbesserungsvorschläge immer später umgesetzt werden können. Im schlimmsten Fall, kann es bis dahin für die ein oder andere Haiart zu spät sein. 

Nicht nur MSC, sondern auch deutsche Händler sollten die Fins Naturally attached Regelung unterstützen. Dies würde sowohl MSC als auch den Verbrauchern immer mehr bewusst machen, wie notwendig der Meeresschutz und damit einhergehend eine nachhaltige Fischerei ist. Die Frage an den Fischhändler, woher der Fisch kommt und wie er gefangen wurde, sollte für Klarheit sorgen und dazu führen, dass Sie als Verbraucher nur den Fisch kaufen, dessen Fang auch Ihren Vorstellungen einer nachhaltigen Fischerei entspricht.

 

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass man Siegeln nicht blind vertrauen darf. Informieren Sie sich über die Herkunft des Fischs und unterstützen Sie so den Schutz der Haie und deren Lebensraum. Nur so werden uns Bilder wie diese noch lange in der freien Natur erhalten bleiben: 

 

Hier findet ihr den Brief an den MSC zum Nachlesen 

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