20. November 2014 admin

Fischmarkt Hamburg – kein Vorbild in Sachen „Schillerlocken“

(c) SHARKPROJECT / Friederike Kremer-Obrock, Meik Obrock

Man möchte doch meinen, dass einer der berühmtesten Wochenmärkte des Landes, der allsonntägliche „Hamburger Fischmarkt“ am Hafen in Altona, ohne fragwürdige Ware prosperieren und leben kann. Leider ist dem nicht so – wie wir bereits vor einigen Monaten feststellen durften. 

Wir haben jetzt einen neuen Bericht vom Hamburger Fischmarkt erhalten, der uns nicht gefällt:

(c) SHARKPROJECT / Friederike Kremer-Obrock, Meik Obrock

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(Hamburg Fischmarkt, 2. November 2014)

„Zwei Schillerlocken auf die Hand, bitte!“ höre ich es neben mir. „Oh, nein, tu das nicht!“, denke ich, aber da ist es schon geschehen: Die Dame neben mir und ihr Begleiter verspeisen genüsslich den ausgehändigten Dornhai.

Ob sie weiß, dass sie sich dadurch mit Methylquecksilber vergiftet, und dass sie so Krankheiten wie Alzheimer und Krebs in ihrem Körper Vorschub leistet? Ich gehe nicht davon aus.

Nach März 2013 ist dies nun ein weiterer Besuch auf dem „Fischarkt“ im Hamburger Hafen, der touristischen Attraktion an jedem frühen Sonntagmorgen.
Mir fällt auf Anhieb auf, dass die Dornhaiprodukte noch schlechter als solche ausgezeichnet werden als vor anderthalb Jahren – wenn überhaupt etwas daran notiert ist. Mittlerweile liegen viele der Haiprodukte ohne jegliche Beschriftung zwischen den anderen Räucherfischarten. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich uns, dass neben geräucherten Bauchlappen (sog. „Schillerlocken“) nun auch rohe Steaks des Dornhais, ja teils sogar ganze Tiere angeboten werden. Sogar rohe „Schillerlocken“ haben wir entdecken dürfen. Hierbei werden die rohen Teile nicht ausgezeichnet, nicht benannt – allein der komplette Dornhai, der als ganzes Tier angeboten wurde, war korrekt beschriftet. Die anderen Teile wurden auf unsere Nachfrage hin als „Seeaal“ indentifiziert und angeboten.

(c) SHARKPROJECT / Friederike Kremer-Obrock, Meik Obrock

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Wir haben an mehreren Ständen ein Gespräch gesucht und so erfahren, dass Dornhai (oder „Seeaal“) mittlerweile ein rares „Produkt“ ist, das fast nur noch als Beifang aus dem Nordatlantik auf den Markt kommt. Hiermit wurden dann auch direkt die Preise gerechtfertigt: Wurden uns im März 2013 „Schillerlocken“ noch durchschnittlich für 3,30 € pro hundert Gramm angeboten, so kosten sie nun bis zu 6,00 €, also fast das Doppelte.
Wer weiterhin „billig“ anbieten will, greift inzwischen auf ein Ersatzprodukt zurück: „Lachslocke“, der Bauchlappen vom Lachs, ist nun der Renner.

(c) SHARKPROJECT / Friederike Kremer-Obrock, Meik Obrock

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Nur ein Händler hat uns überrascht: er lehnte es ausdrücklich und mit klaren Worten strikt ab, Hai oder Schwertfisch anzubieten. Solches „Drecksfleisch“, wie er es nannte, verkaufe er nicht. Viel zu viele Schadstoffe im Fleisch der Tiere.

Unser Fazit: Der weitaus überwiegende Teil der Händler auf dem Hamburger Fischmarkt ist wohl lernresistent. Der Konsument allein bestimmt durch seine Nachfrage das Angebot – Skrupel oder gar Versuche, dem Kunden den Unsinn seines Fischwunschs auszureden (zu Gunsten anderer Fischsorten), sind extrem selten anzutreffen.
Erst wenige verantwortungsbewusste Händler werden nachdenklich und listen Hai, Schwertfisch und Thunfisch aus. Solange aber Käufer „Schillerlocke“ und Co. konsumieren, wird der Handel sie wohl anbieten – bis dann auch die letzten Dornhaie, Schwertfische und Thunfische im Atlantik verschwunden sind.

(c) SHARKPROJECT / Friederike Kremer-Obrock, Meik Obrock

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(c) Text und Fotos: Friederike Kremer-Obrock, Meik Obrock

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