3. September 2021 Christine Gstöttner

Fische Fangen & Essen? „Ja“ … aber sicherlich NICHT wie BISHER! 

Christine Gstöttner

Unsere Meere stehen vor dem Kollaps und wenn wir den rapiden Klimawandel überhaupt noch stoppen können, dann geht das nur mit der Hilfe der Ozeane, d.h. mit gesunden, widerstandsfähigen marinen Ökosystemen. Nur so werden wir überhaupt noch eine Chance haben, die globale Erwärmung auf 1,5 – 2° Celsius zu begrenzen.
Um aber unsere Ozeane überhaupt in die Lage zu versetzen, diesem Klimawandel entgegenzuwirken indem sie als riesige CO2-Senke agieren und die Strömungen, das Wetter und überhaupt das gesamte Weltklima stabilisieren, braucht es lebendige Meere voller Artenvielfalt – auch Biodiversität – genannt. Biodiversität bedeutet aber, dass wir funktionierende Nahrungsnetze, angefangen von den Produzenten, dem Phytoplankton und Zooplankton, bis hinauf zu den Topräubern, wiederherstellen und die vielfältigen Interaktionen auf allen Ebenen dieser „Food Webs“ gewährleisten. Alles hat seinen Platz im Ökosystem und ist unentbehrlich für eine gesunde Balance und damit widerstandsfähige Ozeane im Kampf gegen die globale Erwärmung.

Aber das Gegenteil ist der Fall! 

Obwohl der Bericht des Weltbiodiversitätsrates in 2019 auf dramatische Weise veranschaulichte, dass die industrielle Fischerei der letzten 50 Jahre maßgeblich für den Verlust der Artenvielfalt im Meer verantwortlich ist und wir daher Gefahr laufen, in den nächsten Jahrzehnten über ein Drittel aller bekannten Hai- und Rochenarten, der Meeressäuger und der Korallenriffe zu verlieren, ist bisher wenig bis nichts passiert. Noch immer darf die industrielle Fischerei weltweit – und gefördert durch Subventionen der EU (!) –  riesige Mengen an Fisch mit Fangmethoden fangen, die die Meeresböden zerstören, Unmengen an Beifang als „Abfall“ produzieren und mit diesem Beifang vor allem die eh bereits besonders gefährdeten Arten an Haien, Rochen, Meeressäugern, aber auch viele Meeresschildkröten und Seevögel, weiter dezimieren bzw. die Erholung der Bestände trotz Schutzstatus verhindern.

Das muss sich jetzt dringend ändern! 

Wir fordern nicht, dass alle Menschen aufhören sollen Fisch zu essen, aber die Art und Weise wie Fische und andere Meeresfrüchte heute gefangen werden und wie wenig Transparenz wir insgesamt darüber haben, was da draußen auf hoher See passiert, MUSS sich ändern – und zwar schnell!
Deshalb fordern wir ein sofortiges Umdenken der EU, aber auch weltweit: WEG von zerstörerischen, nicht selektiven Fangmethoden und den heutigen unzureichenden Managementansätzen der Fischerei und HIN zu selektiven, ökosystemverträglichen Fangmethoden und einem transparenten Fischereimanagement, das das gesamte Ökosystem im Fokus hat und diejenigen Arten und Bestände, die am stärksten bedroht sind, auch am stärksten schützt und insgesamt ressourcenschonend mit unseren Ozeanen umgeht – ohne marines Leben unnötig zu gefährden oder gar zu verschwenden, auch wenn es im Einzelfall (noch) nicht bedroht ist!
Nur so werden wir es gemeinsam schaffen, dass wir die globale Erwärmung in den Griff bekommen und dass sich auch in Zukunft noch die Menschen vom Meer und seinen Fischbeständen werden ernähren können. Dabei ist es aber essentiell, dass wir ALLE erkennen, dass es jetzt höchste Zeit ist umzudenken –  regionale Fischerei-Managementorganisationen (RFMOs), Regierungen, die Industrie und die Verbraucher.
Aktuell werden für Fisch-Exporte nach Europa, USA, Japan und China die Meere so ausgebeutet, als gäbe es kein Morgen. Dabei setzen wir alle unseren Planeten und die Zukunft unserer Kinder unwiederbringlich auf‘s Spiel. Es muss daher klar sein: FISCH kann und darf keine billige Selbstverständlichkeit sein, die wir uns allzeit und überall leisten können. Fisch muss in den reichen Ländern dieser Welt wieder eine teure Delikatesse werden, damit die armen Länder diesen Fisch nachhaltig fangen, sich davon ernähren und auch ihre Wirtschaft stabilisieren können OHNE die Meere und Ozeane auszubeuten.

Die Zeit des Handelns ist JETZT.

Daher fordert SHARKPROJECT die FAO, alle RFMOs, alle Nationen und auch die EU dazu auf, UMGEHEND weitreichende Verbesserungen in der Fischerei vorzunehmen und diese auf eine ökosystemverträgliche Fischerei umzustellen. Unsere konkreten Forderungen dazu finden sich in unten stehendem Positionspapier zur Fischerei, das wir auch zukünftig weiter ergänzen werden.

Lasst uns nicht warten bis es zu spät ist. Noch haben wir eine Chance …. lasst sie uns nutzen!

Wir fordern:

  • Ökosystemverträgliche, ganzheitlich nachhaltige Fischerei
  • Selektive Fangmethoden und Schutzgebiete als „No TakeZones“
  • „Ungewollten“ Beifang reduzieren
  • Transparenz und Überwachung
  • Mindestanforderungen für die Verbesserung der Langleinenfischerei – umzusetzen bis spätestens Ende 2022
  • Mindestanforderungen zur Verbesserungen für die Ringwadenfischerei mit „Fischsammlern“ – umzusetzen bis spätestens Ende 2022

> download Pressemitteilung deutsch

> download Pressemitteilung englisch

 

, , , , , , , , , , , , , ,
SPENDEN & HELFEN

Sie möchten uns unterstützen?
Wir freuen uns immer, über jede Art von Hilfe…

 

Länderauswahl

GDPR Cookie Consent mit Real Cookie Banner