2. Januar 2021 Christine Gstöttner

Die Top 10 Haie und wo man sie live erleben kann.

Sehr oft bekommen wir bei SHARKPROJECT die Frage gestellt, wo man ganz bestimmte Haiarten live erleben kann. Als Organisation, die sich dem Haischutz und unseren Ozeanen widmet sind Fernreisen und ihre ökologische Vertretbarkeit immer eine Gratwanderung. Es gibt unzählige Diskussionen zu diesem Thema und Pro ´s und Contra ´s haben ihre Berechtigung. Wir wollen hier aber nicht über dieses Thema philosophieren, sondern euch einige der besten Plätze vorstellen, wo ihr eure Lieblingshaie treffen könnt.

Zunächst: Haie sind nicht einfach zu treffen. Will man nicht auf das Glück vertrauen, ganz zufällig einem Hai bei Tauchen zu begegnen, gibt es im Grunde drei Wege:

  1. Man taucht an Stellen, wo Haie mit höherer Wahrscheinlichkeit anzutreffen sind. (Strömungsplätze, Kanäle, Steilwände, nahe an Tiefseekanten etc.)
  2. Man reist zur richtigen Zeit zu Plätzen, an denen sich saisonal viele Haie treffen – sei es zur Paarung oder zum großen Fressen. (z.B. Sardine Run in Südafrika)
  3. Man nimmt an einem Tauchgang teil, bei dem Haie angelockt werden. Ob man sich dieser riskanten Situation aussetzen will, ist eine persönliche Entscheidung, bei der das Buch Blind Dates sicherlich viel beitragen kann.

Bei unseren Empfehlungen beschränken wir uns auf solche Gebiete, die für Touristen halbwegs komfortabel erreichbar sind. Leider ist es meist so, dass gerade bei den natürlichen Begegnungen gilt: Je entlegener und für uns ungastlicher die Umgebung erscheint, desto mehr Haie trifft man für gewöhnlich an. Haie lieben z. B. Strömungen, die Tauchern mitunter zu schaffen machen. Glasklares, tropisches Wasser hat meist recht wenig Plankton, um z. B. Filtrierer anzulocken, und Sardinenschwärme pflegen sich nicht immer ans Datum zu halten. Natürliche Begegnungen sind nicht Disney-animiert, und insofern kann die „verlässlichste“ Destination „haitechnisch“ ein Reinfall sein.

Es muss ein ganz spezieller Hai sein! Die Top 10 Haie von Tauchern.

Top 1: Großer Weißer Hai – König der Meere

Dieser Wunsch kommt von vielen Menschen: Einmal im Leben einen Großen Weißen Hai live erleben. Wer das möchte, muss sich aber warm anziehen, denn der Weisse Hai liebt es kühl. Bei „normalen“ Tauchgängen sind Begegnungen eher selten, aber Sichtungen beim Käfigtauchen sind recht verlässlich.

Top Spot aufgrund der guten Sicht und der vielen Haie ist die mexikanische Isla Guadalupe. (3) Die vulkanische Insel liegt ca. 240 Kilometer vor der Küste der Baja California im Pazifik und ist nur per Schiff erreichbar. Die Hauptsaison ist von Juni bis Oktober. Umso später in der Saison umso größere Tiere trifft man meist an.

Mindestens genauso bekannt sind die Kapregion Südafrikas (3) mit der Falsebay und Gaansbaai gefolgt von Australien (Neptune Island (3)) und einigen Plätzen in den USA (Farallon Islands und Kalifornien in den Wintermonaten).

Bei den Käfigtauchgängen werden die Haie immer angeködert. Die Käfige an der Wasseroberfläche sind auch für Nicht-Taucher geeignet, für bis zu 15m absenkbare Käfige benötigt man einen Tauchschein.

Top 2: Walhai

Begegnungen mit Walhaien gehören mit Sicherheit zu den beliebtesten und meist gesuchten Taucherlebnissen. Die sanften Giganten streifen weltweit durch tropische Gewässer und mit wenigen Ausnahmen sind sie die Nadel im Heuhaufen. Sehen kann man sie theoretisch überall. Von Ägypten bis in die Südsee. Zu den verlässlichsten Plätzen zählen immer noch die Maldiven, Galapagos (Darwin & Wolf), Djibouti (Tadjoura Bay), Mocambique und saisonal das Ningalo Riff in Australien.

Aber wohin soll man gehen, wenn man schon alles versucht hat? Auch für Walhaie gibt es recht gute Plätze und wiedermal ist Futter der Grund warum es hier vergleichsweise verlässlich ist sie anzutreffen.

In den Sommermonaten ist im Golf von Mexico Laichzeit der Bonitos und diese Fischeier gehören zu den Lieblingsspeisen von Walhaien. Deshalb pflügen sie von Juni bis August in riesigen Schulen durch die Gewässer vor der Isla Mucheres und Holbox. In der Nähe der Küste ist ein regelrechter Massentourismus für´s Walhaischnorcheln entstanden, aber wer sich mit privaten Booten weit abseits der Küsten bewegt, kann alleine einzigartige Begegnungen mit großen Zahlen von Walhaien erwarten.

Dass es an den Fischereiplattformen von indonesischen und philippinischen Fischern ebenfalls was zu holen gibt, hat sich auch unter den Walhaien bereits herumgesprochen. Nicht alle Fischer sind allerdings immer freundlich zu den großen Haien, die ihnen oft die Netze zerreißen um an den Fang von kleinen Fischen zu kommen. An jenen Plätzen aber wo man entdeckt hat, dass Taucher und Schnorchler Interesse an Walhaien haben, ist man dazu übergegangen die Tiere gewähren zu lassen und damit Geld zu verdienen den Fang mit den Haien zu teilen. Je nachdem wie leicht erreichbar diese Stellen sind, umso mehr Touristen trifft man dort an. In Donsol mussten Regeln geschaffen werden um nicht im Chaos zu enden und den Tieren nicht zu schaden. Der Golf von Tomini in Indonesien, die Cenderawasih Bay oder die Triton Bay (Raja Ampat) liegen derart entlegen, dass nur wenige Male im Jahr ein Tauchkreuzfahrtschiff auftaucht und Taucher zu den Walhaien ins Wasser hüpfen.

Top 3: Tigerhai

Begegnungen mit Tigerhaien gehören zu den spannendsten, da es sich um richtig große Tiere mit vielen Zähnen handelt. An fast allen Plätzen, wo Tigerhai Tauchgänge angeboten werden, wird geködert oder gefüttert. Eine der wenigen Ausnahmen hiervon ist Manuelita in Cocos. Seit einigen Jahren sind einige Tigerhaie zur Pazifik Insel zurückgekehrt und haben die einst standorttreuen Silberspitzen-Haie vertrieben. Sie sind jetzt dort die Chefs.

An den bestens bekannten Plätzen Tigerbeach (Bahamas), Aliwal Shoal und Protea Banks (Südafrika), Tahiti und der Beqa Lagoon (Fiji) werden Haie angeködert und Sichtungen von Tigerhaien sind sehr verlässlich. Relativ neu und unter Tauchern noch nicht so gut bekannt ist Fuvamulah relativ weit im Süden der Malediven. Aufgrund vieler Fischabfälle vom Fischmarkt im Hafen werden an den nahen Tauchplätzen viele Haiarten gesichtet und beim Tauchplatz „Tiger Zoo“ sind Tigerhaie eigentlich garantiert. Allerdings wird auch dort gefüttert und Tunfischköpfe kullern das Riff entlang – nicht jedermanns Sache und nichtganz ungefährlich …

Top 4: Bullenhai

Bullenhaie sind in den Bahamas weit verbreitet und überall da anzutreffen, wo es Futter gibt. Dazu zählen Bimini, Tigerbeach oder Fiji und andere Tauchspots wo Haie angeködert werden. Gleiches gilt für Aliwal Shoal und Protea Banks in Südafrika und die Beqa Lagoon in Fiji.

Vor Playa del Carmen in Mexico trifft man sie in den Wintermonaten an. Auch hier werden die Haie angeködert, damit Taucher sie aus nächster Nähe beobachten können.

Im Nationalpark Cabo Pulmo (Mexico) leben Bullenhaie und Taucher sehen sie regelmäßig am Schiffswrack El Vecendor. Auch vor West Palm Beach und Jupiter (Florida) werden in jüngster Zeit öfters Bullenhaie gesichtet. Das Füttern von Haien ist in Florida verboten.

Top 5: Großer Hammerhai 

Die Großen Hammerhaie sind Wanderer der Meere und man sieht sie überall und nirgends. Der einzige wirklich sehr verlässliche Spot, der sich in den letzten Jahren etabliert hat, ist Bimini in den Bahamas. In den Monaten Dezember bis April, werden regelmäßig Tauchgänge mit großen Hammerhaien angeboten. Aufgrund der vielen Fütterungen bleiben die Hammerhaie nun auch mal länger und werden bereits auch nördlich an der Tigerbeach gesichtet.

Top 6: Weißspitzen Hochseehai

Die Oceanics, wie die Weißspitzen Hochseehaie auf englisch heissen, waren einst eine der weit verbreitetsten Arten in unseren Ozeanen. Heute ist es schwierig geworden diesen wunderschönen Hai vor die Kamera zu bekommen.

Für uns Europäer gibt es im Roten Meer an den Außenriffen eine nahe und sehr gute Chance Weißspitzen Hochseehaie zu sehen. An den Brother Islands, Daedalus und Elphinstone tummeln sich die Haie meist zwischen den Booten um etwas von den Küchenabfällen der Boote zu erwischen. Brenzlige Situationen stehen leider immer wieder an der Tagesordnung da nicht alle Taucher sind auf die teils sehr nahen und intensiven Begegnungen richtig vorbereitet sind.

Eine ganz andere Situation erlebt man in den Monaten April und Mai vor Cat Island, Bahamas. Da es östlich der Insel sehr schnell Richtung Tiefsee geht, kommen pelagische Bewohner hier sehr Nahe. Darunter auch sehr große Weißspitzen Hochseehaie. Auch hier werden die Tiere angeködert und wer hier ins Wasser springt muss sich meist auf mehrere große Tiere gleichzeitig einstellen.

Top 7:  Blauhai & Makohai

Wer zum Blauhaitauchen geht, hat auch ganz gute Chancen auf einen der scheuen Makohaie – meist allerdings nur der erste, der ins Wasser springt …

Regelmäßige Tauchgänge, bei denen auch geködert wird finden auf den Azoren (Faial und

Pico), in Südafrika (Kapregion) und von Februar bis April auch vor der Baja California und San Diego statt. Von Juni bis in den Herbst hinein hat man in England vor Cornwall gute Chancen auf Blauhaie.

Top 8:  Sandtiger Hai

Sandtigerhaie zählen aufgrund ihrer krassen Zahnstellung nicht unbedingt zu den hübschesten Haien, bei Tauchern und Fotografen sind sie dennoch sehr beliebt. Ihr Lebensraum erstreckt sich quer über den Globus und die verlässlichsten Plätze sie zu sehen sind in Queensland beim Wolfsrock (Australien), vor der Küste North Carolinas (USA) wo sich die Tiere rund um die zahlreichen Wracks aufhalten und im Frühsommer an den Protea Banks und Aliwal Shoal (Südafrika). Ein neuer Spot findet sich vor den Kapverden, wo man vor Boa Vista regelmäßig Sandtigerhaie in den Höhlen antrifft.

Top 9: Fuchshai

Die schüchternen Fuchshaie sind seltene Begegnungen. Und dennoch gibt es ein paar Plätze auf der Welt wo sie regelmäßig gesichtet werden.

Vor der kleinen Insel Malapascua im Norden der Philippinen muss man früh morgens ins Wasser hüpfen und sich den Tauchspot leider auch meist mit einer Reihe anderer Taucher teilen. Da sieht es bei dem riesigen Sardinenschwarm vor Moalboal (Philippinen) schon besser aus.

An der Südspitze des Kleinen Bruders in Ägypten gibt es auch häufige Sichtungen und ebenso in den Kanälen bei der Inseln Virgin Cocoa und Nabucco im Maratua Atoll (Indonesien).

Top 10:  Bogenstirn Hammerhai

Die riesigen Hammerhaischulen von Cocos Island (Costa Rica), Malpelo Island (Kolumbien) und Darwin & Wolf (Galapagos) sind legendär.

Ähnlich gute Plätze, wo die Sichtungen allerdings seltener sind, finden wir im tiefen Süden des Sudans, bei Daedalus und den Brother Islands in Ägypten und in den Wintermonaten an den Protea Banks (Südafrika).

Gute Chancen hat man ebenfalls von März bis Mai in Layang-Layang (Malaysia) und immer mehr Sichtungen werden aus der Banda See in Indonesien sowie vom Nationalpark Tubbataha Reef in den Philippinen gemeldet.

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Tauchen mit Haien: eine Grundüberlegung

Klar ist eines: Fütterungstauchgänge sind immer Hochrisikotauchgänge. Bei jedem Tauchgang kann man völlig andere Erfahrungen machen als hunderte und tausende Taucher zuvor an der gleichen Stelle und mit den gleichen Haien. Wer nur wenige Tauchgänge hinter sich hat, wenig Erfahrung mit Strömungen und Großfischen besitzt oder unsicher in der Handhabung seiner Ausrüstung ist, sollte darauf verzichten. Egal, was der Guide sagt. Einige Tauchführer sehen nur das Geschäft und verweisen gerne darauf, dass es noch nie Zwischenfälle gegeben habe. Mag sein oder auch nicht. Wenn etwas passiert, erwischt es Sie und nicht den Guide. Deshalb vertrauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand und verlieren Sie vor allem niemals den Respekt vor den Tieren. Haie in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, ist ein unvergleichliches Erlebnis mit normalerweise geringem Risiko. Aber Sie sollten sich immer bewusst sein, dass jeder Haitauchgang auch ein Blind Date ist.

Christine Gstöttner

Titelfoto: Dr. Volker Kukla

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