25. August 2013 admin

Die Früchte der Arbeit

„Eine Schnorchlerin paddelt durch türkisgrünes Meer, sie schwimmt nur 50 Meter vor der Ferieninsel Maui. Plötzlich wird die junge Frau aus der Tiefe von einem Hai angegriffen. Er reißt ihr den Arm ab. Die 20-Jährige kämpft eine Woche im Krankenhaus um ihr Leben, dann stirbt sie an ihren Verletzungen.“

Wie dieser Bericht des Stern (später dazu mehr) beginnen seit Jahren die (glücklicherweise insgesamt selten auftretenden) Berichte über tragische Vorfälle im Zusammenleben zwischen Hai und Mensch. Und nicht zuletzt seit „Jaws | Der weiße Hai„, dem leider meisterhaften Film von Steven Spielberg, hat das Thema Boulevardbrisanz und gehört zu den reflexartigen Sensationsthemen des Sommerlochs: Menschenfressendes Monster aus den tiefen des dunklen Meeres, mit schlecklich großen, spitzen, scharfen Zähnen, blutriechend auf tausende Meter und blutrauschend ohne Sinn und Verstand meuchelt armes, unschuldiges Menschlein. Die Jagd ist eröffnet, der Schuldige (natürlich das Raubtier) ist zur Strecke zu bringen, damit brave Bürger wieder ungefährdet ihren Urlaubsgelüsten nachgehen können. Oder so ähnlich.

Aber halt – so ist es doch gar nicht mehr.

Seit einiger Zeit ist ein erfreuliches Umdenken der Presse festzustellen.
Zunächst aus dem Umfeld der seriösen Druckpresse und der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – und inzwischen auch in den Boulevard- und werbefinanzierten Medien hat sich die Erkenntnis durchgesetzt:
Haie sind anders
.

In den letzten Tagen hat der tragische Tod der Schnorchlerin mehr als 600 Presseberichte ausgelöst, die uns erwähnen oder zitieren, und dann einigermaßen faktengerecht und objektiv berichten. So auch der Stern in einem aktuellen Bericht (Link heute abgerufen, hier klicken) – er fährt nach oben zitierter Einleitung fort mit:
Immer wieder sorgen Hai-Attacken für Schlagzeilen, doch tatsächlich ist die Gefahr für Menschen äußerst gering. Weltweit registriert die Universität von Florida jährlich rund 80 Attacken der Raubfische auf Menschen, nur ein Bruchteil davon endet tödlich. Im Jahr 2012 verloren insgesamt sieben Menschen bei Hai-Angriffen ihr Leben. Zum Vergleich: Mehr Menschen sterben jedes Jahr durch umfallende Getränkeautomaten.

Wir sind ehrlich stolz darauf, schreiben wir uns doch einen Großteil des hier festzustellenden Umdenkens auf unsere Fahne und unserer Arbeit des letzten Dutzend Jahre zu: Die Bevölkerung und die Journalisten sind sensibilisiert dafür, das die Gefahr für Haie viel höher ist als die Gefahr durch Haie.
Unermüdlich haben wir als SHARKPROJECT das Ziel, durch breitgefächerte Information und Aufklärung den Raubfischen eine Lobby und eine Stimme zu geben, damit Ihr/Sie alle verstehen, dass die Haie uns als Schutzpersonen brauchen, nicht als ausrottende Jäger.

Denn weiterhin werden jährlich weit mehr als 100 Millionen Haie durch Menschen getötet, wurden mehr als 90% der gesamten Haipopulationen in den Weltmeeren bereits getötet, und ändert sich nur sehr langsam und in schrecklich kleinen Schritten die entscheidende Situation, nämlich die durchgesetzte Gesetzeslage weltweit.

Wir sind also noch lange nicht fertig – denn es geht inzwischen schon länger nicht mehr ausschließlich um die Haie. Das gesamte marine Ökosystem ist in Gefahr, insbesondere durch die Ausrottung der Haie, aber auch durch Veränderung der Wasserqualität und Plastikmüll sowie die weltweite Überfischung. Der Mensch hat noch nicht verstanden, dass ein zerstörtes Ökosystem Meer unmittelbaren Einfluss auf ihn, also auf uns Menschen und unsere Existenz hat.

Wir bleiben dran.

 

Fotos (c) Sharkproject / Gerhard Wegner | Text .he

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