25. September 2017 .he

Der Haiunfall in Marsa Alam und seine Folgen. SHARKPROJECT im Einsatz für die Haie.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Nach dem blutigen Haiunfall in Marsa Alam (Ägypten) Anfang August reagierten die Behörden sofort. Der Hai konnte anhand seiner Rückenflosse identifiziert werden, und als das Tier am nächsten Tag wieder am Riff erschien, wurde es von den Rangern des Nationalparks gefangen und getötet.

Die ägyptische Umweltorganisation HEPCA bat SHARKPROJECT um Hilfe bei der Aufklärung für die verantwortlichen Behörden.

Vom 15. bis 20. September 2017 fand nun auf dem HEPCA-Wissenschaftsschiff „R/V AMR ALI – Red Sea Defender“ ein spezieller Workshop statt, an dem auf Einladung durch HEPCA die Ranger der beiden RED SEA-Nationalparks und der drei marinen Schutzzonen teilnahmen. Geleitet wurde der Workshop von Gerhard Wegner und Dr. Barbara Szvetits von SHARKPROJECT.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Auf dem Programm stand u.a. ein tägliches Haitauchen. Angelaufen wurden während der Tour die Brother Islands, Daedalus und Elphinstone. Der Workshop stand unter einem guten Stern. Täglich wurden Haie gesichtet, darunter fanden auch sehr nahe Begegnungen statt.

Die Teilnehmer, die teilweise das erste Mal mit Haien im Wasser waren, interagierten bald sehr sicher mit verschiedenen Haiarten wie Weißspitzen-Hochseehaien, Fuchshaien, Hammerhaien und Grauen Riffhaien. Dazu kamen tägliche Unterrichtseinheiten.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Insgesamt veränderte der Workshop das Denken der Ranger nachhaltig, wie sie uns zum Schluss der einwöchigen Hai-Reise versicherten. Es wurde auch besonders deutlich bei der abschließenden Diskussionsrunde, bei der auch bisher unveröffentlichtes Bild- und Videomaterial des Unfalles in Scharm El-Scheich gezeigt wurde: Durch den Workshop beurteilten die Ranger den Unfall völlig anders, als sie dies bei der Workshop-Einführung am ersten Tag getan hatten. Nicht länger war der Hai das Monster – die Teilnehmer erkannten die unterschiedlichen Faktoren, die zu dem Unfall geführt hatten, und fanden selbständig Lösungen, um solche Unfälle in Zukunft zu verhindern.

Der erste Schritt auf einem langen Weg. Dass dieser aber auch von ägyptischer Seite gewünscht ist, zeigten die Gespräche, die das SHARKPROJECT-Team vor und nach dem Workshop mit den Verantwortlichen der Nationalparks und der HEPCA führte.

Eine langfristige Kooperation mit SHARKPROJECT wurde besprochen und erste Eckpunkte dafür festgelegt. Mehr werden wir auf der „boot“ 2018 in Düsseldorf präsentieren.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Gerhard Wegner:

Für mich war es ein ganz besonderes Erlebnis, auf der neuen „R/V AMR ALI – Red Sea Defender“ gerade zu diesem Thema zu unterrichten. Das HEPCA-Schiff, das nach meinem leider verstorbenen Freund Amr Ali benannt wurde, war gerade deshalb ein würdiger Rahmen. Amr hätten die Reaktionen der Ranger sehr gefreut.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Dr. Barbara Szvetits:

Es war eine Freude und sehr beeindruckend zu sehen, welch großes Interesse alle zwölf ägyptischen Ranger und Wissenschaftler an der Schulung über Haie hatten. Die Diskussionen waren äußerst spannend und zeigten, dass der Schutz der Haie durch den SHARKPROJECT-Workshop eine neue Bedeutung für die Ranger erlangt hat.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Ahmed Fouad (regionaler HEPCA – Manager für das südliche rote Meer):

Diese Schulung war äußerst hilfreich, um das ideale Verhalten zu trainieren, wenn es bei Wassersportaktivitäten im Roten Meer zu Hai-Begegnungen kommt. Außerdem wird der Workshop den Managementplan für Haiunfälle am Roten Meer positiv beeinflussen. Er hat das Potential, zukünftige Haiunfälle zu verhindern, indem Taucher und Schnorchler geschult werden, das Verhalten der Haie verstehen zu lernen.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Dr. Tamer Monir (Wissenschaftler in der „North Islands“ Rotes Meer-Schutzzone):

Diese Woche auf der „R/V AMR ALI – Red Sea Defender“ mit dem SHARKPROJECT-Team war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Ich kann nun das Verhalten von Haien viel besser einschätzen. Ich persönlich habe jetzt ein besseres Wissen, das mir ermöglicht, mit zukünftigen Haiunfällen anders umzugehen. Für mich macht es nun einen großen Unterschied verglichen mit dem reinen wissenschaftlichen Blickwinkel, den ich aus Büchern kenne. Ich habe seit diesem SHARKPROJECT-Workshop nun keine Angst mehr vor Haien, und meine Einstellung zu ihnen hat sich komplett verändert. Wichtig ist es, sowohl die unterschiedlichen Sinne zu kennen, als auch die Sprache der Flossen. Der Workshop war klar und verständlich und hilft uns ab sofort, das Haiverhalten unter Wasser zu verstehen, um mögliche Haiunfälle besser zu analysieren. Mit diesem Wissen können richtige Entscheidungen getroffen werden.

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

(c) Gerhard Wegner / SHARKPROJECT

Zum Schiff: R/V AMR ALI – Red Sea Defender:
Es war immer ein Traum von Amr Ali gewesen, Wissenschaft und Tauchtourismus zusammenzubringen. Kurz vor seinem Tod entschloss sich Amr Ali,  seinen Traum zu verwirklichen. Seit dem 2. Mai 2017 patroulliert nun das komfortable Boot im Roten Meer. Taucher können an unterschiedlichen Touren mit Wissenschaftlern teilnehmen; Workshops und Mitarbeit an wissenschaftlichen Versuchen stehen auf der Tagesordnung. Mit den Erlösen der Charter werden verschiedene Projekte im und am Roten Meer realisiert. Ein Perpetuum mobilé – ganz so, wie es sich Amr Ali gewünscht hat.
Informationen über die Touren gibt es unter www.hepca.org.

© Fotos: Gerhard Wegner / SHARKPROJECT (freigegeben für die Berichterstattung)

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