So kannst auch du aktiv zum Haischutz beitragen – und das ganz einfach von zu Hause aus!

19. September, 2021

Schillerlocke & mehr Hai incognito

Sei mit dabei und unterstütze uns dabei aufzudecken, wo und wie Hai auch in Deutschland auf dem Teller landet – ohne dass wir das zumeist überhaupt wissen

Worum es geht: Haie werden weltweit und auch in Europa gezielt gejagt oder als gern gesehener Beifang in der Fischerei auf Thunfisch, Schwertfisch, Scholle, Seezunge und vielen anderer beliebter Speisefische mitgefangen. Da wir aber in Mitteleuropa anders als in Südeuropa jedoch ungern „Hai“ auf der Speisekarte sehen wollen, wird Haifleisch bei uns ebenso wie auch in Großbritannien oft ohne Kennzeichnung, unter Fantasienamen oder sogar unter falschem Namen verkauft. [1]

Dabei handelt es sich nicht selten auch um bedrohte Arten wie zum Beispiel Dornhai (Squalus acanthias) oder auch Makohai (Isurus oxyrinchus).

Wir wollen zeigen, wo überall Hai drin ist, obwohl nicht Hai drauf steht und dabei wollen wir nicht nur – aber sehr wohl auch – die bekannte „Schillerlocke“ erneut ins Visier nehmen.

Ihr habt vielleicht auch den Bericht des WWF Österreich zu diesem Thema gesehen? Haifleisch und sogar Haifischflossen in Österreich? Unglaublich aber wahr und auch in Deutschland kommt, das öfter vor als man glauben möchte.

Hier kannst du uns helfen versteckte Haiprodukte aufzuspüren und verdächtige Produkte dann gezielt zu erwerben, damit wir sie in Zusammenarbeit mit der Universität von Exeter, GB testen lassen können. So können wir dann herausfinden was wirklich drin steckt. Mittels DNA-Barcoding können wir beweisen, ob in der „verdächtigen Probe“ tatsächlich Hai drin ist und um welche Haiart es sich jeweils handelt.

Daneben wollen wir auch eine Übersicht von Restaurants, Fischläden und Märkten erstellen, die aufzeigen soll, wo Haiprodukte – als solche deklariert oder eben nicht deklariert  – im Angebot sind, ein sogenanntes Haiprodukt-Mapping.

Apropos Schillerlocke – wir erstellen mit eurer Hilfe eine Deutschland / Österreich Karte: Bei der Schillerlocke wissen wir, dass es sich um den geräucherten Bauchlappen des Dornhais handelt. Proben sind deswegen hier nicht notwendig, aber wo sie zu welchem Preis verkauft wird und ob es sich dabei um MSC-zertifizierten Fang handelt (blaues MSC-Siegel drauf?) möchten wir als Teil des Haiprodukt-Mappings für ganz Deutschland und auch für Österreich mappen.  Ein paar gezielte Proben werden wir nach Erstellung des Mapping dann zur Testung erwerben, sozusagen „quot erat demonstrandum“. Wenn ihr also dieses Produkt irgendwo findet, dann lasst es uns zusammen mit den genannten Angaben (Ort, Preis, MSC zertifiziert ja/nein) wissen.

Was wird zum Testen gesucht: Haifleisch wird unter vielen Synonymen verkauft, welche erfundene Bezeichnungen sind und keine tatsächlichen Arten beschreiben. Einige Beispiele sind:

  • Steinlachs
  • Karbonadenfisch
  • Speckfisch
  • Seeaal
  • Kalbsfisch
  • Dornfisch
  • Seestör
  • Tofuhai
  • Meeraal
  • Anago (eine Sushi-Spezialität)

All diese Produkte oder auch Fischprodukte ohne jegliche Kennzeichnung einer Art, wie man sie z.B. in Fisch und Chips Imbissständen finden kann, sind dagegen höchst interessant und wir hätte sehr gern Proben davon. Solche Produkte finden sich selten in Supermärkten, aber eben in Restaurants oder auf Märkten.

Gerade in Restaurants wird oftmals Hai unter falscher Bezeichnung z.B. als Schwertfisch angeboten. Dies kann man erahnen, wenn Schwertfisch auf der Speisekarte steht, aber relativ günstig angeboten wird (z.B. in spanischen oder portugiesischen Restaurants oder auch in chinesischen Restaurants) auf der Speisekarte sollen gemeldet und dann nach Absprache mit uns beprobt werden.

Makohai sieht z.B. sehr ähnlich aus wie Schwertfisch, da an dessen Stelle oft sehr ähnlich aussehendes Haifleisch verwendet wird. Wie Wissenschaftler der University of Exeter herausfanden, steckt auch in vielen Fish and Chips Gerichten Haifleisch – oft von bedrohten Arten.[2]

Bitte kontaktiert uns, wenn ihr diese Produkte findet und wir sprechen dann die Probennahme direkt mit euch ab.

So wird’s gemacht: Es wird nur ein sehr kleines Stück der Probe für die Auswertung im Labor benötigt (ca. 1/2 cm²). Bei frittierten Proben ist es wichtig, dass wirklich nur das Fleisch konserviert wird, nicht die Panade. Jede Probe wird in einem separaten Gefäß gelagert (Eppendorf Tubes mit einem Fassvermögen 10 ml sind ideal). Die Proben werden anschließend mit mind. 80 % igem Ethanol (erhältlich in praktisch jeder Apotheke) konserviert und im Gefrierfach gelagert. Wichtig ist, dass die gesamte Probe mit Alkohol bedeckt ist!

Diese Informationen brauchen wir: Für die Rückverfolgung der Probe und das Mapping ist es wichtig, folgende Daten festzuhalten und der Probe beizulegen:

  • Datum und Uhrzeit des Erwerbs
  • Ort der Probennahme (Name des Restaurants, Standes, Marktes etc.) inklusive der kompletten Adresse (Straße, Hausnummer, PLZ, Stadt)
  • Produktbezeichnung (wie auf dem Etikett oder dem Schild oder der Speisekarte angegeben),
  • Preis (pro Stück oder 100 g oder Gericht im Restaurant bitte genau bezeichnen)
  • und wenn möglich noch ein Foto des Produkts

All diese Daten (bis auf das Foto) müssen beim Versand des Produktes beigelegt werden und sollten bitte zusätzlich auch in ein Google Drive Dokument eingetragen werden, damit am Ende eine gute Übersicht über die Orte entsteht, die Haiprodukte im Verkauf anbieten. Den Link zum Google drive bekommt ihr, wenn ihr eure Proben bei uns „anmeldet“. Wichtig: jede Probe muss eindeutig den Informationen zuzuordnen sein. Also am besten je Probe ein Etikett und dieses zusammen mit der Eppendorf Tube in ein Tütchen packen!

Die Proben können nach Absprache mit uns zu jedem belieben Zeitpunkt an uns geschickt werden. Dazu sollten sie so verpackt werden, dass sie auf dem Weg nicht beschädigt werden. Auf dem Umschlag sollte bitte auch der Name des Absenders stehen, damit die Proben einer Person zugeordnet werden können. Und bitte informiert uns vorher darüber wann ihr wie viele Proben an uns schickt. Adresse bekommt ihr von uns bei der Anmeldung der Proben

Wir sammeln die Proben bis zum 24. Dezember 2021 und schicken sie danach an das Labor in England, wo sie analysiert werden. Über die Ergebnisse werden wir dann in 2022 berichten.

Vielen Dank schonmal an alle fleißigen Sammler! Euer Sharkproject Team.

Kontakt zum Dokumentieren von Informationen für das Mapping und Anmelden der Proben vor dem Versand: proben@sharkproject.org

Bei dubiosen Funden und sonstigen Fragen zum Sammeln: Einfach eine E-Mail an die Adresse oben oder an l.bernem@sharkproject.org bzw. i.ziegler@sharkproject.org schicken!

 

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[1] Hobbs et al. (2019): Using DNA Barcoding to Investigate Patterns of Species Utilisation in UK Shark Products Reveals Threatened Species on Sale. Scientific Reports 9: 102

(https://www.nature.com/articles/s41598-018-38270-3#citeas)

[2] Pazartzi et al. (2019): High levels of mislabeling in shark meat – Investigating patterns of species utilization with DNA barcoding in Greek retailers. Food Control 98: 179-186

(https://www.nature.com/articles/s41598-018-38270-3#citeas)

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