Die neue Sharkproject Kampagne ‚Ohne Dich geht’s nicht‘ zur Unterstützung der EU-Bürgerinitiative ‚Stop Finning – Stop the Trade‘ hat bereits offiziell begonnen! Unser Ziel – die Initiative in Deutschland & Österreich bekannt zu machen und für jede Menge Stimmen zu sorgen. Und das geht natürlich nur mit Dir!

20. August, 2021

August: Ohne Dich geht’s nicht! Sei dabei!

Viele von Euch sind bereits aktiv geworden und haben für den Hai-Schutz unterschrieben. Dafür ein großes Dankeschön vom gesamten Sharkproject Team. Die Stimmenzahlen steigen zwar stetig an, trotzdem liegt noch ein langer Weg vor uns. Doch wie überzeugt man seine Freunde davon mitzumachen? Kein Problem – hier findet ihr Gründe, warum auch ein (noch) nicht-Hai-Begeisterter abstimmen sollte.

Alle Teilnehmer des Ökosystems sind durch Nahrungsnetze miteinander verbunden. Auch in unseren Meeren herrscht dieses fragile Gleichgewicht von Fressen & Gefressen werden. Doch das Gleichgewicht kommt durch das Verschwinden der Haie stark durcheinander.

Wenn sich der aktuelle Trend – nämlich die stetige Abnahme der Populationszahlen – nicht ändert, werden viele der großen und bekannten Hai-Arten immer seltener werden und letztendlich aussterben. Die Konsequenzen sind leider bereits deutlich sichtbar – und das oft auf sehr überraschende Weise.

Ein Meer ohne Haie

Haie selbst haben kaum natürliche Fressfeinde, stehen also als Spitzenjäger ganz oben im marinen Nahrungsnetz. Diese Jäger schränken die Populationen ihrer Beute direkt ein, was wiederum die Beutearten dieser Tiere beeinflusst. Dieser Effekt zieht sich durch das gesamte Ökosystem und beeinflusst letztendlich die komplette Gemeinschaftsstruktur. Mehr Raubtiere führen – selbst wenn es erstmal überraschend klingt – zu einer weitaus größeren Artenvielfalt. Studien belegen dies und zeigen immer wieder, dass Gebiete ohne Spitzenjäger wesentlich weniger Biodiversität und eine geringere Dichte an Individuen aufzeigen. Haie sind also ein notwendiger und wichtiger Bestandteil zur Erhaltung eines komplexen Ökosystems voller Vielfalt und Leben.

Bedauerlicherweise können wir bereits jetzt beobachten, was passiert, wenn Haie verschwunden sind:

Tote Riffe in der Karibik

Haie in der Karibik sind einer starken Fischerei ausgesetzt. Inzwischen sind sie an vielen Riffen eine Seltenheit geworden. Ihr Verlust löste eine Kette an Populationsverschiebungen aus, welche letztendlich zum Verlust von Korallenriffen im großen Maßstab führte. Der starke Rückgang von Haien führte zu einem drastischen Anstieg ihrer Beute – hauptsächlich großer Fische wie Zackenbarsche. Diese Zackenbarsche wiederum reduzierten die Zahl der Pflanzenfresser – wie Papageienfische – am Riff. Ohne diese Pflanzenfresser gewinnen Algen schnell die Oberhand und besiedeln jede freie Fläche. Als Konsequenz können sich Korallen nicht ausbreiten oder neu ansiedeln. Diese Überwucherung sorgt für einen homogenen Lebensraum und minimiert die Anzahl an Verstecken und Nahrung für die meisten Fischarten. Eine dramatische Abnahme an Biodiversität und Artenreichtum sind die Folge.

Gesunde Korallenriffe sind ein komplexer, dreidimensionaler Lebensraum voller Vielfalt für Lebewesen aller trophischen Stufen. Von Algen überwucherte Riffe beheimaten oft nur eine limitierte Anzahl kleiner Pflanzenfresser – ökologisch kann man sie einer Wüste gleichstellen.

Abnehmende Wasserqualität

Ein ähnliches Szenario zeigte sich im Nordatlantik um die Jahrtausendwende. Hier waren es nicht Riff-Haie die dezimiert wurden, sondern vor allem große Arten wie Hammer- und Fuchshaie. Entlang der Ostküste der USA nahmen Hai-Populationen so weit ab, dass sie ihre Rolle als Spitzenjäger nicht mehr erfüllen konnten. In diesem Zeitraum hat die Anzahl ihrer Beute – vor allem Rochen – um mehr als das zehnfache zugenommen. Die Auswirkungen sind im gesamten Ökosystem zu spüren gewesen. Am deutlichsten war aber der plötzliche Zusammenbruch der traditionellen Jakobsmuschel-Fischerei. Die stark rentable Zucht und Fischerei von Jakobsmuscheln und Austern nährte hier einen gesamten Industriezweig. Nicht nur führte das Verschwinden der Haie zu einer Änderung der Gemeinschaftsstruktur im Meer, sondern auch zum ökonomischen Untergang einer gesamten Region. Die Auswirkungen auf die dort lebende Bevölkerung war dramatisch, viele Menschen verloren innerhalb einer Saison ihre komplette Lebensgrundlage.

In den folgenden Jahren konnten zwei weitere Konsequenzen beobachtet werden. Die große Anzahl an Rochen zerstörte die lokalen Seegraswiesen durch ständiges Umwühlen während der Nahrungssuche. Dies hatte einen merklichen Rückgang an Speisefischen zur Folge die auf die Seegraswiesen als Aufzuchtgebiet für ihre Jungtiere angewiesen sind. Die wohl überraschendste Folge war aber das Absinken der lokalen Wasserqualität. Muscheln filtern Wasser auf der Suche nach Nahrung – Phytoplankton – und liefern so einen entscheidenden Beitrag zur Aufrechterhaltung der Wasserqualität. Mit dem Zusammenbruch der Muschelpopulationen entfiel dieses Filtersystem. Die Konsequenz → vermehrte Algenblüten und sauerstoffarme Zonen.

Verschwindende Seegraswiesen vor Australien

Seegraswiesen sind eine der wichtigsten Ressourcen im Kampf gegen den Klimawandel. Nicht nur produzieren sie viel Sauerstoff, sondern speichern auch prozentual mehr CO₂ als Landpflanzen. Leider verlieren wir weltweit pro Tag ein bis zu zwei Fußballfelder an Seegrasfläche. Oft liegen die Gründe im touristisch motivierten Küstenausbau, aber vor Australien sind sie eng mit dem Verschwinden an Tierhaien gekoppelt.

Oft bringt bereits die bloße Anwesenheit die Beute der Haie zu einer Verwaltungsänderung. So sind Seekühe und grüne Schildkröten – die sich von Seegras ernähren – oft sehr Standort-treu. Was dazu führt, dass die immer gleichen Bereiche abgegrast werden. Auf kurz oder lang schädigt dies die Seegraswiese und führt dazu, dass entweder neue Ausbreitung verhindert wird oder ganze Abschnitte absterben.

Die Anwesenheit der Tigerhaie führt zu einer Vermeidungstaktik der Meeressäuger und Reptilien. Sie wechseln oft ihren Standort, was dem Seegras genügend Zeit zur Regeneration gibt. Tigerhaie kontrollieren also indirekt die Struktur von Seegraswiesen und letztendlich aller Gemeinschaften, die auf den Lebensraum Seegras angewiesen sind.

Ein Ozean ohne Haie ist ein trauriger, einsamer Ort. Die Auswirkungen bekommen nicht nur Meeresbewohner zu spüren, sondern auch wir. Keine farbenfrohen Riffe zum Tauchen, sinkende Fangzahlen an Speisefischen und ein noch drastischerer Klimawandel – definitiv keine schöne Vorstellung.

Wenn Haie also so wichtig sind, könnte man annehmen, dass wir gut auf sie aufpassen? Leider sieht die Realität – mal wieder – komplett anders aus. Fangquoten steigen stetig an, Populationszahlen sind im Sturzflug und immer neue Arten rücken auf der Roten Liste der IUCN dem Aussterben näher.

Wie das sein kann und wo genau diese Bedrohungen herkommen, schauen wir uns im nächsten Teil unserer Posting-Reihe an.

Stay tuned und unterstützt uns im Kampf für einen gesetzlich festgelegten Hai-Schutz in Europa: https://eci.ec.europa.eu/012/public/

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