8. Juni 2017 .he

8. Juni – Tag des Meeres. Gedanken von SHARKPROJECT

(c) Christina Gstöttner / SHARKPROJECT

Zum inzwischen neunten Mal feiert die Welt den „Tag des Meeres“, der von den Vereinten Nationen seit 2009 zu Ehren des Rio-Gipfels vom 08.06.1992 an diesem Tag des Jahres gefeiert wird. Wie die meisten Ehrentage dieser Art soll wenigstens einmal im Jahr auf die Wichtigkeit des Themas für alle hingewiesen werden.

Thema verfehlt. Setzen, fünf!

Es reicht nicht aus, einmal im Jahr die Aufmerksamkeit auf aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit Ozeanen zu richten. Denn die Bedrohungen für die Ozeane und damit mittelbar für uns sind tagtäglich aktuell, das ganze Jahr über, nicht nur im Frühsommer.

Die Meere sind mehr als nur die Keimzelle des Lebens auf der Erde. Sie sind als globales Reservoir des unverzichtbaren Wassers ebenso zwingend nötig wie als Motor der Windbewegungen. Ohne gesunde Meere würde mehr als die Hälfte der Umwandlung von CO2 in Sauerstoff nicht stattfinden – uns ginge buchstäblich die Luft aus. Und ein Drittel der Weltbevölkerung ernährt sich durch das Meer.

(c) Herbert Futterknecht / SHARKPROJECT

(c) Herbert Futterknecht / SHARKPROJECT

Doch die Meere sind riesengroß und unübersichtlich. Der Mensch beobachtet allenfalls die obersten Meter und hat nur vage Vorstellungen davon, wie es darunter insgesamt aussieht. Wir wissen bekanntlich mehr von der Rückseite des Mondes als von der Tiefsee auf der Erde.

Die führt beim Menschen zu zwei fatalen Auswirkungen:
Wir nehmen Probleme nicht wahr, wenn wir sie nicht sehen. Als primär-visuelle Wesen brauchen wir braune Wälder, um das Waldsterben zu ‚glauben‘, und verklebte Wasservögel, um eine Ölpest zu ‚akzeptieren‘. Was unter Wasser passiert, ist weit weg und wird von uns sehr erfolgreich ausgeblendet.
Und das führt uns zum zweiten Aspekt: Wir können Schurken nicht kontrollieren, die bewusst und gezielt zum Nachteil des Meeres handeln. weil wir nicht hinsehen, und weil es so groß und weit weg ist.

Aber die Fakten sind ja dennoch bekannt: die Überfischung der Meere wirft wie das Ausrotten der Haie die Biosphäre unter Wasser um. Eine zunehmende Versauerung der Meere und der Anstieg der Temperaturen richten erhebliche Schäden an Flora und Fauna unter Wasser an. Die unsägliche Verschmutzung der Meere, ganz vorweg durch Plastik, tötet Wassertiere in großem Stil.

(c) Friederike Kremer-Obrock / SHARKPROJECT

(c) Friederike Kremer-Obrock / SHARKPROJECT

Was tun wir Menschen?

Wir leugnen den Klimawandel und unseren maßgeblichen Anteil daran. Wir belügen den Verbraucher über Plastik in Nahrungsmitteln und Kosmetika. Wir kaschieren die Fischmengen, indem wir Aquakulturen anpreisen, die doch nur von Unmengen gefangener Wildfische ernährt werden können. Wir zertifizieren als nachhaltig, wenn zur Ernte einiger ’nachhaltiger‘ Fische ein Vielfaches an Beifang sterben muss, bestehend aus bedrohten und geschützten Arten. Wir fliegen weltweit spottbillig zum privaten Vergnügen, erwarten in Inselparadiesen (die dem nahen Untergang durch einen steigenden Wasserspiegel geweiht sind) unbegrenzt Frischwasser in Plastikflaschen und die gewohnte, breite Auswahl an Speisen; wie die Müllmengen bewältigt werden, müssen wir ja zu Glück nicht sehen. Wir füttern sogar unsere Katzen mit Fisch, als wäre das ein natürliches Nahrungsmittel für sie. Wir fordern eine breite Palette verschiedener Frischfischarten in jeder örtlichen Fischtheke weltweit, was zu immensen Kühl- und Transportressourcen führen muss. Die Riesenmengen Fisch, die der Mensch weltweit konsumiert, können nur mit modernen Großfischereisystemen eingefahren werden, die durch Grundnetze oder Langleinen Korallen und Schwämme zerstören und wahllos alles Leben aus dem Wasser reißen. Manche Menschen essen gar die Flossen von Haifischen, obwohl diese eigentlich ungenießbar sind.

Wenn wir ungehindert so weiter machen, geht uns bald die Luft aus. Oder die Nahrung. Oder das trinkbare Wasser.

Wäre das schlimm? Man möchte meinen: Nein. Jedenfalls verhält sich die Mehrheit so.

Auch an diesem einen Tag im Jahr, an dem das Thema angesprochen wird. Wobei ich, während ich dies schreibe, mich frage, wer bis hierher gelesen haben wird. Vermutlich nur jene, die ohnehin bereits verstanden haben. Alle anderen blenden vorher bereits aus, weil sie ahnen, dass die Erkenntnisse irgendwie unangenehm sind.

Denn: wir alle – wir müssen etwas ändern. Uns ändern! Und zwar sofort.

Es reicht tatsächlich nicht mehr aus, einmal im Jahr ein Posting zum Thema in den sozialen Medien zu mögen und zu teilen. Es reicht auch nicht mehr aus, zu Weihnachten an eine Umweltschutzorganisation Geld zu spenden (wobei ich dringend darum bitte, dies jetzt nicht etwa zu lassen – es ist wichtig, aber eben nicht ausreichend). Es reicht auch nicht aus, den Müll zu trennen. Es reicht nicht einmal aus, ein weniger luftbelastendes Auto zu fahren.

(c) Friederike Kremer-Obrock / SHARKPROJECT

(c) Friederike Kremer-Obrock / SHARKPROJECT

Die Menschheit muss größere Schritte unternehmen.
Meeresschutzgebiete sind einzurichten, in denen das Ökosystem einfach mal (wie die Evolution es eingerichtet hat) vor sich hin existieren kann. Wichtige Tierarten sind unter besonderen Schutz zu stellen – und dieser ist auch ernsthaft zu gewähren. Stringente Kontrollen und empfindliche Nachteile für Verstöße müssen eingerichtet und unterhalten werden, auch wenn dies Personal und Geldmittel benötigt. Der Klimawandel ist durch eine gemeinsame Anstrengung der aufgeklärten, vernünftigen Staaten einzudämmen und aufzuhalten – auch wenn dafür einige liebgewonnene Gewohnheiten aufzugeben sind.

Wir können es uns buchstäblich nicht mehr leisten, derart über unsere Verhältnisse weiter zu leben.

SHARKPROJECT setzt sich nach der Satzung für Haie und das marine Ökosystem ein. Die gemeinnützige Organisation besteht aus ein paar Dutzend ehrenamtlich agierender Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir haben verstanden, dass die Meere mehr brauchen als die Aufmerksamkeit an einem Tag im Jahr. Sie brauchen sogar mehr als die Aufmerksamkeit an jedem Tag im Jahr. Denn durch Nachdenken ändert sich erst mal gar nichts.

Wir fordern daher alle auf: Macht mit! Schützt die Meere, setzt Euch ein, werdet aktiv. Ändert Euren Lebensstil, so weit Ihr es könnt und wollt – und blendet das Thema nicht aus.

Das Thema ist aktueller denn je.

Und bedrohlicher!

 

(.he) | Fotos (c) SHARKPROJECT / Herbert Futterknecht, Christina Gstöttner, Friederike Kremer-Obrock

(c) Herbert Futterknecht / SHARKPROJECT

(c) Herbert Futterknecht / SHARKPROJECT

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