21. Januar 2017 .he

SHARKPROJECT fordert den MSC auf: kein Hai-Beifang mit MSC-Siegel!

Messestandansicht (c) F. Kremer-Obrock / Sharkproject

SHARKPROJECT Germany stellt den Messestand der „boot 2017“ (Halle 3, Bereich A 37) unter die Forderung an den Marine Stewardship Council (MSC), einen Antrag auf Zertifizierung für zwei spanische Fischereien abzuweisen.

Die spanischen Fischereiverbände Organización de Palagreros Guardeses ‚OR.PA.GU.‘ aus A Guarda (Pontevedra) und die Confederación Española de Pesca ‚Cepesca‘ aus Madrid umfassen eine Fischereiflotte von aktuell 39 Schiffen, die im gesamten Atlantik und dem Indischen Ozean Lizenzen für Schwertfischfang halten. Die Fischerei auf Schwertfisch im Atlantik soll nun antragsgemäß vom MSC als nachhaltig zertifiziert werden.

Diese Fischerei ist nicht nachhaltig! Der MSC blendet den Nebeneffekt der Fischerei aus: mehr als vier von fünf gefangenen Tieren sind keine Schwertfische, sondern Beifang.

Die beiden Verbände fischen mit der Fangmethode des ‚Longlining‘, bei der Fischtrawler lange Leinen hinter sich herziehen, teils über 100 Kilometer lang und mit mehr als 20.000 Haken versehen. Diese Leinen reißen alles aus dem Wasser, was in der Nähe schwimmt – neben den ‚Zielarten‘ wahllos auch alle anderen Fische, Meeressäuger, Schildkröten und sogar Seevögel.

Die Zahlen sind gravierend: im Nordatlantik beträgt der Ertrag dieser Fangtechnik magere 14% an Schwertfisch, des (vermeintlichen) Zielfischs. 80% der gefangenen Tiere sind Haie – die übrigen 6% sonstiger Beifang. Im Südatlantik stehen 25% Schwertfisch noch 72% an Haien gegenüber, bei 3% sonstigem Beifang.

Der MSC stellt sich hierbei auf einen unfassbaren Standpunkt: die Fischarten werden unabhängig voneinander betrachtet. Schwertfisch sei ja nachhaltig befischbar, da die Fischquoten der EU für Schwertfisch schon seit Jahrzehnten nicht überschritten worden, sondern nur etwa zur Hälfte ausgeschöpft werden (2014: 7.500t im Nordatlaktik aus der Quote von 14.000t bzw. 8.200t im Südatlantik aus der Quote von 17.000t; die Quoten gelten seit 2009). Hai gilt nicht als Beifang, weil dieser gezielt gejagd werden kann und damit eine eigene, unabhängige Betrachtung des MSC erhält – auflerhalb dieses Zertifikatsverfahrens.

Wohlgemerkt: es ist die gleiche, identische Leine an dem jeweiligen Trawler, die mehr als Dreiviertel Beifang aus dem Meer zerrt, um ein Viertel bzw. ein Siebtel des Gesamtfangs an Schwertfisch zu erzielen. Die vom MSC vorgenommene ‚Entkoppelung‘ findet innerhalb dieser Fangtechnik nicht statt und muss daher als Fehlschluss bewertet werden.

Zertifiziert der MSC antragsgemäß die Schwertfischerei der OR.PA.GU. bzw. der Cepesca im Nordatlantik, zertifiziert der MSC den Fang von fast 43.000t Hai als ’nachhaltig‘! SHARKPROJECT macht dieses Verfahren öffentlich und fordert den MSC auf, diese Anträge dauerhaft zurück zu weisen!

Der MSC setzt mit dem Zertifikatsverfahren eine fehlerhafte Haltung fort, die ihm 2012 bereits den SHARKPROJECT-Negativpreis SHARK ENEMY of the Year einbrachte. Der MSC belegt in eigenen Statistiken, dass an den ‚Longlines‘ auch geschützte Arten hängen; da diese in der EU nicht angelandet werden dürfen, werden die Tiere tot im Meer entsorgt. Rund um die Azoren und die Kapverdischen Inseln wird gezielt Jagd auf Hai gemacht, auch wenn dort bekanntermaßen die Kinderstube vieler geschützten Arten liegt. Die letzte verbliebene halbwegs gesunde Population des Dornhais im Nordatlantik (FAO 21) ist durch den MSC zertifiziert, „weil es ja noch genug Dornhai dort gibt“.

Mehr als 50 Artenschutzorganisationen, angeführt durch SHARKPROJECT, wehren sich gegen die fortgesetzte ‚Scheuklappenpolitik‘ des MSC – die Zertifikate sind offensichtlich nicht vom Ziel der Nachhaltigkeit getragen. Wenn der MSC jetzt die beantragten Schwertfisch-Zertifikate Ende Januar erteilt, hat er endgültig jede Glaubwürdigkeit verloren – das Siegel muss dann als Konsumentenorientierung abgelöst werden, da es nichtssagend ist.

Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass durch die hiermit gefundene Öffentlichkeit ein Einlenken des MSC erfolgen mag – im eigenen Interesse, und im Interesse der Haie des Atlantik!

Messestandbild (c) F. Kremer-Obrock / Sharkproject

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