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Thema: Methylquecksilber - die Gefahr aus der Tiefe

Die Sharkproject-Kampagne „Methylquecksilber – die Gefahr aus der Tiefe“
wird unterstützt von insgesamt 16 Naturschutzorganisationen und Verbänden, von GREENPEACE Deutschland, NABU, BUND, WWF bis hin zum Verband Deutscher Sporttaucher, die sich in der Initiative HAILIFE zusammengeschlossen haben.

Haie, die Monster aus der Tiefe – das ist das Bild, das die meisten Menschen vom größten Räuber der Weltmeere haben. Dabei ist es eher umgekehrt. Jedes Jahr fallen 200 Millionen Haie dem Menschen zum Opfer, in der Hauptsache für Haifischflossensuppe. Mittlerweile stehen etliche Arten vor dem Aussterben. Im Handel finden sich sehr viele Produkte, von denen man ihre Herkunft vom Hai nicht vermutet Die bekannten Schillerlocken sind nur ein Beispiel dafür.

Dabei wäre es nicht nur für das Ökosystem der Meere besser, die Haie im Meer zu belassen, denn an Land und auf dem Speisezettel sind die Räuber für den Menschen wesentlich gefährlicher als im Wasser.

Seit über 450 Millionen Jahren sind Haie die Wächter der Meere. Elegant gleiten sie stromlinienförmig durch die Tiefen der Ozeane auf der Suche nach Beute. Haie sind die Spitze der Nahrungskette in den Weltmeeren. Damit erhalten sie die Diversität der Arten und sorgen dafür, dass sich kein Lebewesen explosionsartig vermehren und ausdehnen kann. Der Spitzenplatz in der Nahrungskette bedeutet aber auch, dass die in den Beutetieren enthaltenen Giftstoffe mit aufgenommen werden, und die werden von Tier zu Tier weitergereicht. Am Ende der Kette, bei Haien, Thunfischen oder Makrelen, konzentriert sich daher das Gift. Während es den Tieren selbst scheinbar nichts ausmacht, sind für den Menschen die besonders hohen Anreicherungen von Methylquecksilber ausgesprochen gefährlich.

Das Problem ist der Nachweis:
Bisher waren weltweit nur wenige Labors in der Lage, Methylquecksilber zuverlässig zu analysieren. Die Bestimmung dieses Giftstoffes gehörte schon deshalb nicht zur veterinärmedizinischen Basisuntersuchung von Lebensmitteln. Neuerdings ermöglich jedoch ein von der Universität Mainz entwickeltes Analyseverfahren den raschen Nachweis solcher Schwermetalle. Sharkproject reagierte sofort und ließ damit Schillerlocken, Bauchlappen von Dornhaien, Blauhaisteaks und Seeaale testen.

Die Resulate, so Dr. Andreas Keppeler von Sharkproject , übertrafen alles, was die Aktivisten der Haischutzorganisation befürchtet hatten; in der Tiefe der Meere lauert tatsächlich eine neue Gefahr. Und die Gefahr hat einen Namen: Methylquecksilber.

O-Ton1 Dr. Andreas Keppeler,
Sharkproject,
Länge: 0´28´´ min
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Untersuchungsergebnisse im Detail s.u.
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Das Institut für analytische Chemie Mainz hat für uns Haiproben untersucht, und wir haben Werte von bis zu 1400 Mikrogramm pro Kilogramm Haifleisch gefunden, was bei einer aufzunehmenden Menge bei einer normalen Mahlzeit für einen 70 kg Mann bei 300 Gramm Haifleisch einer Menge von 420 Mikrogramm entspricht. Das ist das 60fache des als Gefahrengrenze festgelegten Wertes.

Das heißt, ein 70kg schwerer Mann würde mit dem Konsum von nur 5 g Gramm Haisteak oder 13 Gramm Schillerlocken pro Tag die nach den strengen Kriterien der Environmental Protection Agency EPA empfohlene Höchstgrenze erreichen. Darüber hinaus wird das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen; es drohen Nierenschäden und Einschränkungen der Zeugungsfähigkeit.
Noch drastischer sieht Doktor Hermann Kruse, weltweit anerkannter Toxikologe an der Uni Kiel, die Folgen für das ungeborene Leben:

O-Ton2 Dr. Hermann Kruse,
Universität Kiel,
Länge: 0´33´´ min
Vorhördatei in niedriger Auflösung MP3 Format:
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Methylquecksilber ist ein Trojanisches Pferd und kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, dort hineingelangen und sehr lange gespeichert werden. Auf der anderen Seite kann es die Plazenta überwinden und das Ungeborene schädigen. Die gekannten Schäden sind, dass beim Kleinkind die kognitiven Entwicklungen gestört sind. Bei Erwachsenen kann es zu Schäden am zentralen Nervensystem kommen, was sich an Kopfschmerzen, Merkschwierigkeiten oder Depressionen äußern kann.

Bei hohen Konzentrationen industrieller Abfälle sind die Folgen gravierend: Bis zu 2.000 Todesfälle forderte das Gift in Japan, wo vor Jahren in der Minamata Bucht quecksilberhaltige Abwässer eingeleitet wurden. Der Verzehr der kontaminierten Fische führte in der Folgezeit zu Nervenschäden, Missbildungen und Todesfällen.

Kommt das anorganisches Quecksilber in ein Gewässer, so Prof. Heumann von der Universität Mainz, wird es von Mikroorganismen zu wesentlich giftigerem organischen Methylquecksilber verarbeitet:

O-Ton3 Prof. Klaus Heumann,
Universität Mainz,
Länge: 0´30´´ min

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Das Methylquecksilber entsteht aus dem anorganischen Quecksilber und zwar durch Umwandlung, Umwandlung im Wesentlichen in Gewässerbereichen, sowohl in Süßwasser, aber vor allen Dingen auch im Ozean. Und zwar dadurch, dass Algen und andere Mikroorganismen dieses anorganische Quecksilber in Methylquecksilber umwandeln können, welches dann in verhältnismäßig geringen Konzentrationen im Meerwasser oder anderen Gewässern vorhanden ist, sich dann aber anschließend eben in Fischen zum Beispiel anreichern kann.


Haie speichern das Gift in ihrem Körper, weiß Dr. Andreas Keppeler von Sharkproject

O-Ton4 Andreas Keppeler,
Sharkproject,
Länge: 0´41´´min

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Die Haie sind sehr langlebige Räuber, die am Ende der Nahrungskette stehen. Wenn von Mikroorganismen über Kleinorganismen zu mittleren Tieren im Meer das Methylquecksilber aufaddiert wird, kommt es letztlich mit den höchsten Konzentrationen bei den Raubtieren an. Und es ist von der Natur wohl nicht vorgesehen, dass diese Raubtiere von einem hohen Organismus biologisch weiter konsumiert werden, sondern es wären normalerweise die Mikroorganismen, die wieder die Haie verstoffwechseln würden, das heißt, biologisch umsetzen würden und nicht der Mensch.

Forscher vermuten, dass Haie den Job der Umweltpolizei im Meer übernehmen. Die hohe, mit der Beute aufgenommenen Giftkonzentrationen scheinen ihnen dabei nichts anhaben zu können. Die Tiere speichern sie Zeit ihres Lebens im Gewebe. Das Methylquecksilber gelangt erst mit dem Tod des Räubers wieder in die Nahrungskette. Entweder zersetzen Mikroorganismen den toten Hai und werden selber zum Futter für weitere Lebewesen, und der Kreislauf beginnt damit von vorne. Oder aber Menschen ernähren sich von Haiprodukten wie getrockneten Flossen, Haisteaks oder Suppen. Allerdings: der menschliche Körper ist anders und wird mit den immensen Giftkonzentrationen nicht fertig.

Nicht zu unrecht haben viele Menschen Angst vor dem Monster aus der Tiefe. Haie sind für Menschen extrem gefährlich, aber eben nur, wenn sie auf den Speisezettel geraten und gegessen werden! Bei der nachgewiesenen Giftkonzentration gehören Lebensmittel aus Hai eher in die Kategorie Sondermüll und nicht in die Pfanne oder den Kochtopf. Die Haie sollten bleiben, wo sie hingehören – im Meer.

Vier O-Töne aus dem Manuskript, sendefähig in einer Datei, getrennt durch ca. 2 Sek Pause

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Untersuchungsergebnisse der Universität Mainz:

Die Haisteaks von Blauhaien enthielten 1,40 mg/kg (± 0,13) Methylquecksilber, Seeaal hatte 0,83 mg/kg (±0,02) und Schillerlocke 0,55 mg/kg (±0,01). Die Probenwerte wurden dreimal ermittelt, um Messfehler auszuschließen.

Laut Professor Heumann vom untersuchenden Institut der Uni Mainz sind die analysierten Probenergebnisse zutreffend und halten jeder weiteren Überprüfung stand.

Seit dem Jahr 2000 liegt der international anerkannte von der EPA (Environmental Protection Agency) in einem Toxikologengremium festgelegte Gefahrengrenzwert für Menschen bei 0,1 Mikrogramm Methylquecksilberaufnahme / Kilogramm Körpergewicht / Tag. Das würde für einen erwachsenen, 70 kg schweren Mann bedeuten, dass er die Gesamtgiftmenge von 7 Mikrogramm an einem Tag nicht überschreiten darf, was bei dem untersuchten Haisteak einem Fleischgewicht von fünf (!) Gramm entspräche, beim Seeaal 8,4 Gramm und bei Schillerlocken 12,7 Gramm.

 

Weitere O-Töne

  Vorhördatei.mp3 128kbit.mp3
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Dr. Andreas Keppeler,
Sharkproject e.V

Gefahr durch Haie
Haie




Prof. Dr. Klaus Heumann,
Universität Mainz, Analytische Chemie


Minamata
Wie funktioniert der Test?


Dr. Hermann Kruse,
Universität Kiel,Toxikologe

Was ist und wie wirkt Methylquecksilber?
Hintergrundinformationen