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Wanderungen
Von Faulpelzen und Rekordhaltern

Wanderungen sind nichts ungewöhnliches im Tierreich. Sei es aus Gründen der Suche nach neuen Futtergründen, Paarungssuche oder einfach aus Flucht vor Fressfeinden.
Auch Haie machen hier keine Ausnahme! Unter den Haien gibt es sowohl ganzjährige als auch saisonal bedingte Wanderer aber, auch solche, die ihre angestammte Umgebung in der Regel nie verlassen.
Der Walhai folgt seiner Beute, dem Plankton, um den Globus herum - das macht auch Sinn, da es nie überall zur gleichen Zeit auftritt.

Andere Haie verfolgen Schwarm-fische, die wiederum ihrem eigenen Zyklus von Paarung und Nahrungssuche folgen; einige Arten suchen bestimmte Ort zur Niederkunft oder auch zur Paarung auf.
All dies sind Gründe für diese Tiere sich in Bewegung zu setzen oder auch in Bewegung zu bleiben. Da die Wege der Haie bis heute noch Rätsel aufgeben und selbst die Fortpflanzungsgebiete von so populären Arten wie dem Karibischen Riffhai heute noch unbekannt sind, wurde in den 70er Jahren von einigen Umweltorganisationen mehrerer Länder unter der Führung der FAO (Welternährungsbehörde) ein über viele Jahre andauerndes Markierungsprogramm für Haie ins Leben gerufen.

Das, allerdings auf den Nordatlantik beschränkte Programm, beinhaltete den Fang von Haien. Diese wurden mit leicht identifizierbaren Marken versehen und wieder in ihr Element entlassen. Anhand der wieder gefangenen Haie konnten wertvolle Erkenntnisse gesammelt werden, welche Distanzen Haie zurücklegen können.

Einsamer Spitzenreiter ist hier der Blauhai, ein vor der Küste von Maine (USA) gefangenes Exemplar konnte nach einigen Monaten vor der Küste Westafrikas von einen Fischerboot gefangen werden.
Der Hai hatte sage und schreibe fast 5.500km zurück gelegt. Spitzenreiter sind u.a. der Sandbankhai mit 3.210 km, der Makohai mit 3.075 km, der Düstere Hai mit 3.040 km und der Tigerhai mit immerhin noch 2.175 km, um nur einige zu nennen.


Das Tagging
Um die Wanderungen der Haie besser zu verstehen, wurden verschiedenste Materialien als auch Techniken entwickelt, um Aufschluss über deren Lebenszyklen zu erhalten. In der Masse wurden und werden noch heute s.g. Streamer-Tags verwendet - diese bestehen aus einem kleinen Plastikröhrchen in dem eine Nummer zu sehen ist. Dieses ist mit einer Spitze aus chirurgischem Stahl verbunden, mittels welchem der Tag in der Rückenmuskulatur verankert wird. Unter der Nummer wurden in einer Datenbank die wichtigsten Daten des Hais zum Zeitpunkt der Markierung festgehalten. Sollte der Hai wieder gefangen werden, können sodann Daten über dessen Wanderung, Größe und Gewicht in dem vergangenen Zeitraum erhalten werden.
Je nach Größe des Hais, differieren auch die Größen dieser Tags - von Markierungen, die mittels einer Zange in der Rückenflosse eingedrückt werden, ist man glücklicher weise abgekommen. Neuerdings werden Markierungen verwendet die lediglich die Größe eines Streichholzes haben und unter die Haihaut geschoben werden. Diese enthalten entweder einen Strichcode oder senden ein Signal aus - wird der Hai gefangen, kann das Tier anhand dieser Markierung ebenfalls wieder identifiziert werden.
Der Vorteil solcher Markierungen ist, das der Hai diese nicht "abstreifen" kann und auch sonst hydrodynamisch nicht beeinflusst wird. Der Nachteil ist, dass man ein spezielles Gerät benötigt, um den Code auslesen zu können und zudem auch noch sehr nahe am Tier sein muss.

Vor allem in den letzten 3 Jahren kamen bei Studien, die sich hauptsächlich mit den Wanderungen von Tieren beschäftigten, s.g. Satellitensender zum Einsatz. Bei Walhaien und Riesenhaien wurden solche Sender schon erfolgreich eingesetzt. Da diese sehr groß sind und den Hai strömungstechnisch negativ beeinflussen, kommen nur große Arten hierfür in Frage. Doch die Sender können nur Daten an den Satelliten senden, wenn deren Antenne für einen bestimmten Zeitraum aus dem Wasser ragt - da dies allerdings bei den wenigsten Haien zutrifft, wurden Korrosionskupplungen entwickelt, welche sich nach und nach im Kontakt mit Salzwasser auflösen. Zu einem zuvor berechneten Zeitpunkt löst sich der Sender vom Hai, treibt an die Wasseroberfläche und kann dann senden. Diese Sender sind kleine Hightech-Wunder, sie registrieren nicht nur die Position, sondern können auch Daten wie Wassertemperatur, Wassertiefe und Tag/Nacht-Rhythmus aufzeichnen.