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Das Verhalten der Haie
Sind Haie sozial ?

Der Mensch betrachtet Haie als gefühllose Tiere aus deren "Gesichtern" keinerlei Emotion hervorgeht und deren Körperbewegungen dem oberflächlichen Betrachter keinerlei Anhaltspunkt in Bezug auf deren Gemütszustand geben.

Von vielen Tauchern wird gerne das "Huntching" als eindeutiges Drohverhalten gesehen. Bei "Huntching" drehen die Haie die Brustflossen V-förmig nach unten, machen einen "Katzenbuckel" und schwenken dabei auffällig mit dem Kopf hin und her. Doch "Huntching" ist für den Laien sehr schwer zu erkennen; oft werden nur Teile des "Huntching" erkannt und daraus vom Taucher falsche Schlüsse gezogen.

Haie verfügen über ein komplexes Hierarchieverhalten das weit über die eigene Art hinaus geht und sich in verschiedenen Verhaltensweisen dem Betrachter zeigt. Körpergröße und Geschlecht spielen hierbei eine große Rolle; insbesondere beim Paarungsakt werden diese zwei Faktoren gut sichtbar. Das äußert sich u.a. dadurch, daß große und dominante weibliche Haie ebenso große und dominante Männchen zur Paarung bevorzugen. Andere Bewerber werden entweder von den stärkeren Konkurrenten verjagt oder vom weiblichen Tier abgewiesen.

Beim Fressverhalten kommen noch artüberschreitende Hierarchien hinzu:
Es wurde beobachtet, dass bei Weißspitzen-Hoch-seehaien und Seidenhaien, die an einem Walkadaver fraßen, größere Weißspitzen-Hochseehaie die körperlich unterlegenen Seidenhaie dominierten und das obwohl sie wesentlich schnellere Schwimmer sind.
Auch bei den Großen Weißen Haien wurde ein ähnliches Verhalten beobachtet. In den Buchten vor der Küste Südafrikas konnte mehrfach beobachtet werden, daß "halbwüchsige" Weißhaie schnell auf Distanz gingen, wenn adulte Artgenossen erschienen.

Bislang ungeklärt ist noch der Umstand, wie Haie miteinander kommunizieren. Es erscheint zumindest nicht plausibel, daß Tiere mit solch hochentwickelten Sinnesorganen (um Reize zu empfangen) über keinerlei Mechanismen verfügen, um selber Signale zu senden. Auf Grund des hochsensiblen Geruchsinnes, könnte man sich vorstellen, dass hier beispielsweise Stoffe wie Pheromone zum Tragen kommen. Im Bezug auf die Körpersprache wurden bereits erhebliche Fortschritte gemacht. Es konnten bislang mehr als 50 verschiedene Verhaltensmuster identifiziert werden. Es wurden hier Verhaltensmuster entdeckt, die eindeutige Rückschlüsse auf den Gemütszustand der beobachteten Haie zulassen. Lange Zeit konnten sich selbst die Wissenschaftler nicht mit dem Gedanken anfreunden, daß Tiere wie die Haie über ein Spielverhalten verfügen.

Haie sind von Natur aus neugierig; alles was sie nicht kennen, oder ihre Reize anspricht, wird inspiziert. Dies wurde oft mit Nahrungssuche gleichgesetzt, aber bewiesenermaßen zeigen auch gut genährte Haie ebenfalls ein solches Verhalten.
Heringshaie wurden beobachtet, wie sie an der Wasseroberfläche schwimmendes Treibgut mit der Schnauze anstubsten und sich über Minuten hinweg mit den Gegenständen beschäftigten. Dabei versuchten sie zu keinem Zeitpunkt etwa hinein zubeißen oder es unter Wasser zu ziehen. Große Weiße Haie wurden mehrfach beobachtet, wie sie Pinguine fingen, um diese kurz danach wieder auszuspeien. Die Pinguine schwammen nahezu unverletzt davon. Pinguine gehören nicht zur natürlichen Beute der Weißhaie.
Hier können auch eindeutige Parallelen zu jungen Katzen gezogen werden, die eine lebendige Maus mehrfach entkommen lassen, um diese wieder zu fangen. Der Freßreiz scheint wie bei den Weißhaien nur zu gewissen Zeitpunkten eine Rolle zu spielen. Bei den Katzen wird dieses Verhalten eindeutig von der Verhaltensbiologie als Spielverhalten definiert. Daher dürfte es wohl nicht mehr lange dauern, bis die Wissenschaft auch dem Hai ein solches Verhalten zugestehen muß!