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Das Element Wasser erfordert einen hohen Grad der Anpassung
der Sinne, da hier die Wahrnehmung anders funktioniert als an
der Luft. Wasser ist 800 mal dichter als Luft, das bedeutet,
daß sich beispielsweise der Schall ca. viermal schneller
fortsetzt als in der Atmosphäre.
Gerüche kommen im Wasser nur gebunden vor und deren Verteilung
hängt maßgeblich von den Strömungen ab. Dafür
sind Einflüsse, wie Druckwellen, erzeugt durch Bewegungen
und die unterschiedlichsten elektrischen Strömungen im
Wasser von wesentlich größerer Bedeutung als zu Lande.

Um diesen besonderen Bedingungen gewachsen zu sein, hat im Verlauf
der Evolution eine bei den Haien eine Feinabstimmung der Sinne
stattgefunden. So verfügen beispielsweise Haie der Dämmerzone
meist über große Augen, um auch noch das schwächste
Licht in der Tiefe nutzen zu können. Ammenhaie besitzen
nur kleine Augen, da diese sich erwiesener maßen stärker
mit ihrem Geruchssinn orientieren. Hammerhaie verfügen
über die grösste Anzahl an Lorenzinischen Ampullen
in der Kopfregion, die sie einsetzen, um die im Sand verborgene
Rochen aufspüren zu können.
Die Meere sind voller Gerüche, daher ist der Geruchssinn
von ganz besonderer Bedeutung für die Haie! Für
uns Menschen ist das schwer vorstellbar. Hormone, Pheromone,
Abfallprodukte, Produkte verwesende Stoffe, sind dabei nur
einige. Welchen möglichen Stellenwert der Geruchssinn
beim Hai einnimmt, können wir bei näherer Betrachtung
des Gehirns
sehen. Bei einigen Arten kann das Riechzentrum bis zu 2/3
der Gehirnmasse ausmachen. Haie sind in der Lage Blut in milliardenfacher
Verdünnung (1:10 Mrd.) wahrzunehmen. Versuche ergaben,
das Graue Riffhaie kleinste Barschextrakte noch in einer Konzentration
von eins zu zehn Milliarden Teilen riechen konnten. Dass entspricht
einem Tropfen Wein auf die Wassermenge eines mittelgroßen
Schwimmbades (1.000qm groß und 2 Meter tief).
Weitere Versuche ergaben, das selbst blinde Haie zielsicher
ihr Futter fanden, diese Fähigkeit aber schnell abnahm,
als man diesen die Nasenöffnungen mit Watte verstopfte.
Teile der Nasenregion reagieren selektiv auf bestimmte Gerüche,
u.a. können Haie keinen Zucker riechen, hingegen andere
Stoffe wie Aminosäuren werden selbst in minimaler Verdünnung
wahrgenommen.
Diese erstaunliche Fähigkeit wird dem Hai u.a. durch
die Schneiderschen Falten ermöglicht; diese kanalisieren
das einströmende Wasser, so dass die Nasengruben ständig
von Wasser umspült werden. Diese Nasengruben haben je
eine Öffnung für ein- und ausströmendes Wasser,
welches mit geringem Widerstand das sensible mit feinsten
Sinneszellen durchsetzte Gewebe passiert. Die Geruchsstoffe,
die im Wasser gelöst an den Sinneszellen vorbei strömen,
werden in den selben Zellen in Signale umgewandelt und an
das Vorderhirn und entsprechend das zentrale Nervensystem
weitergeleitet.
Der Geruchssinn ist, zusammen mit dem Gehör, derer der
beiden Sinne mit dem der Hai Reize aus größter
Distanz wahrnehmen kann. Je nach Strömung und Geruchsintensität
können das durchaus mehrere Kilometer betragen.
Das Gehör ist von
großer Bedeutung für den Hai - warum?
Die Meere sind voller Geräusche: Wellen die als Brandung
gegen das Ufer schlagen, Sediment das sich durch die Wasserbewegung
am Boden bewegt, singende Wale, grunzende Seehunde und mit
steigender Tendenz Geräusche, die der Mensch in die Meere
entlässt (beispielsweise Schiffe, industrielle Anlagen,
Wassersportaktivitäten).
Es sind die niederfrequenten Töne (Töne unter
600 Hertz) auf die ein Hai reagiert. Töne, die z.B. ein
zappelnder Fisch von sich gibt. Haie sind in der Lage solche
Geräusche aus grosser Distanz wahrzunehmen. Das Ohr ist
von außen, abgesehen von zwei kleinen auf dem Kopf liegenden,
Poren nicht sichtbar. Bei Experimenten mit hochempfindlichen
Mikrofonen (Hydrophon) wurde das Zappeln harpunierter Fische
auf Tonband aufgenommen und an verschiedenen Plätzen
wieder abgespielt. Das Ergebnis war eindeutig: an zuerst haileeren
Plätzen fanden sich innerhalb kurzer Zeit viele Haie
ein. In einem Aquarium abgespielt, attackierten Haie den Unterwasserlautsprecher.
Unabhängig davon, dass man schon viel über das Gehör
weiss, wird vieles jedoch noch nicht wirklich verstanden.
Ein zentraler Teil der Weiterleitung der Schwingungen sind
Haarzellen im inneren der Ohren. Auf diesen Haarzellen liegen
Steinchen, die s.g. Otoconia, die eine höhere Dichte
als die sie umgebene Flüssigkeit besitzen.
Das Ohr des Hais dient auch als ein System zur Kontrolle des
Gleichgewichtes und der Beschleunigung. Geradlinige Bewegungen
und das Beschleunigen im Zusammenhang mit der Erdanziehungskraft
bewirken, daß die Gehörsteinchen in ihrer gallertartigen
Umgebung für einen Augenblick der Bewegung "hinterher
hinken". Dieser Vorgang wird von den hoch sensiblen Härchen
registriert und als Reiz an das Hirn weitergeleitet. Dort
wird es als Veränderung von Geschwindigkeit und Richtung
entschlüsselt.
Bögen, im inneren des Ohres, liegen halbkreisförmig
um die Säckchen und stehen zudem noch im rechten Winkel
zueinander. Am Ende eines jeden Bogens sind diese vergrößert.
Durch die Position der Bögen zueinander, können
alle drei Dimensionen wahrgenommen werden.
Die Geschmacksknospen des Hais befinden sich im Gaumenbereich
und im "Schlund". In ihrem Aufbau gleichen sie jenen
der anderen Wirbeltiere: Auf kleinen Erhebungen sitzen Gruppen
länglicher Sinneszellen, die an ihrem freien Ende einen
haarigen Fortsatz tragen. Ihre Basis ist mit Nervenfasern
versehen, die zum Gehirn führen. Bei manchen Haiarten
sind sie am Gaumen zahlreicher als am Mundboden.
Was schmeckt wird hinunter geschluckt und was als ungenießbar
bewertet wird, wird wieder ausgespuckt. Diesen Umstand macht
sich die Moses-Seezunge zu Nutzen, indem sie einen milchigen
Schleim absondert, der als Pardaxin bezeichnet wird und sie
für den Hai ungenießbar macht. Die begrenzte Lernfähigkeit
bei Haien reicht offensichtlich aus, jeden Versuch einen solchen
Fisch zu fressen, im Ansatz abzubrechen und diese nicht mehr
als potentielle Beute zu betrachten.
Der Hai verfügt, wie auch die Fische, über ein Seitenlinienorgan.
Dieses Organ ist zusammen mit dem Innenohr Teil eines größeren
Komplexes, das auch Octavolateralis-System genannt wird. Es
handelt sich hier um einen mit einer gallertartigen Flüssigkeit
gefüllten schmalen Kanal, der sich beidseitig unter der
Haut von der Schwanzwurzel bis zum Kopf erstreckt. Von dort
aus verlaufen mehrere Kopfkanäle und umfassen den ganzen
Kopf. mehr
Im
Gegensatz zu der verbreiteten Meinung, daß Haie über
eine schlecht entwickelte visuelle Wahrnehmung verfügen,
muß heute angenommen werden, dass sie für deren
Bedürfnisse optimal angepaßte Augen besitzen
mehr
Der sechste ist mit Sicherheit wohl auch der erstaunlichste
Sinn des Hais:
die Lorenzinischen Ampullen. Macello Malpighi (1628-1698)
entdeckte dieses Organ 1662, näher beschrieben wurde
es aber erst 1678 von seinem Landsmann Stefano Lorenzini,
der aber die Funktionsweise dieser Organe nicht erkannte.
Lange
Zeit wurde den Lorenzinischen
Ampullen Funktionen zur Druckwahrnehmung oder auch der
Temperaturmessung zugeschrieben. Erst im Jahr 1962 erbrachten
die holländischen Wissenschaftler Dijkraaft und Kalmijn
den Nachweis über die tatsächlichen Funktion: die
Wahrnehmung elektrischer Reize.
Mit diesen Rezeptoren können Haie selbst schwächste
elektrische Felder wahrnehmen: Haie können Unterschiede
von nur fünf Milliardstel Volt ausmachen, das entspricht
in etwa der Stromstärke einer 1,5V AA-Batterie zwischen
deren Plus- und dem Minuspol eine Distanz von 1.5 km Salzwasser
liegt. Eine solche Leistung gelingt dem Menschen nur unter
Zuhilfenahme von hoch komplizierter Technik. Diese Wahrnehmungskraft
der ermöglicht, daß Haie selbst den Herzschlag
eines Organismus wahrnehmen können.
Im Meerwasser entstehen schwache elektrische Felder auf unterschiedlichste
Weise. Die Hauptproduzenten sind hier Lebewesen; diese erzeugen
bioelektrische Felder, die sie in einem niederfrequenten Summen
gleich oder einer Art Aura umgeben. Die Ströme entstehen
innerhalb deren Körper durch Muskelaktivitäten und
elektrochemische Reaktionen. Aber auch typisch elektrisch
sensible Gegenstände wie Kabel oder metallene Gegenstände
erzeugen durch galvanische Reaktionen schwache elektrische
Felder. Bioelektrischen Felder werden durch die Depolarisierung
der Muskeln erzeugt und sind auf Grund der sehr beschränkten
Leitfähigkeit des Meerwassers aber nur aus kurzer Distanz
vom Hai wahrzunehmen. mehr
Bei den Savischen
Blasen handelt es sich um vollständig abgeschlossene
halbkugelfömige Gebilde, die in der Schnauzengegend liegen,
wo sie auf Sehnenplatten lokalisiert sind. Sie stehen, mit
einem nach innen mit Sinneshaaren versehenen Nervenstrang,
in Verbindung. Die Funktion dieses Sinnesorganes ist bis jetzt
schlecht erforscht.
Ähnlich
liegen die Dinge bei dem Sauglochorgan
(Spiraculares Organ). Es ist mit dem Nerv des Seitenliniensystems
verbunden und ergänzt möglicherweise dessen Funktion.
Es befindet sich im Inneren des Saugloches und besteht aus
einer Röhre mit nur einer Öffnung, die nur ca. 5-7
mm tief ist und nicht mehr als 0,2 mm Durchmesser hat. Sie
ist zum Ende hin mit sensorischen Zellen ausgekleidet und
nur als winzige Pore im Saugloch sichtbar. Dieses Organ verfügt
über keinerlei gehörähnlicher Strukturen und
ist somit nicht als Gleichgewichtsorgan einzustufen.
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