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Harald Bänsch

Der Nachwuchs
Haie sind denkbar schlechte Eltern

Bei allen Haien stellt die Geburt wie auch der Paarungsakt eine gefährliche Situation dar, da sich diese dann nur eingeschränkt bewegen oder verteidigen können. Meist suchen daher weibliche Haie geschützte Plätze auf, die von ihren Artgenossen oder größeren Feinden normal nicht aufgesucht werden.

Diese Umgebung (Lagunen, Seegraswiesen etc.) stellt meist auch dann den Lebensraum für die ersten Lebensjahre der Junghaie dar. Keine Haiart betreiben "Brutpflege", d.h. die Junghaie sind vom ersten Moment auf sich gestellt und müssen sich sofort selber behaupten.

Entgegen früheren Annahmen ist es keineswegs erwiesen, daß weibliche Haie den Appetit verlieren, wenn sie sich auf die Geburt vorbereiten. Es ist weitaus denkbarer, dass sie aufgrund der geschützten Umgebung dort keine Beute machen, da sich ihre bevorzugten Beutetiere dort nicht aufhalten.


Die Kinderstube der Haie
Junghaie verbringen die erste Zeit in der Umgebung, an der sie zur Welt gebracht wurden, insofern dies in uferbezogenen Regionen geschah. In den meisten Fällen dürfte dies eine geschützte Umgebung mit einem den Junghaien zuträglichen Futterangebot sein, d.h. kleine Fische, Weich- und Krustentiere. Diesen Bedingungen entsprechen zumeist die Mangrovenregionen entlang der Küstenlinie, die Lagunen und flache Riffregionen. Diese Lebensräume bieten den jungen Haien aber nicht nur eine reiches Futterangebot, sondern verlangen ihnen eine hohe Widerstandskraft gegen extreme Umgebungsbedingungen ab. Hohe Wassertemperaturen von bis zu 40°C gehen meist mit stark ansteigendem Salzgehalt einher und umgekehrt. Veränderungen der Wetterlage verändern oft das Gefüge dieser Regionen innerhalb kürzester Zeit, so dass die Haie sich schnell diesen Verhältnissen anpassen müssen.

Anatomisch sind die Haie für diese Umgebung ausgerüstet; Zähne, Körperform, Kraft und Geschwindigkeit entsprechen den notwendigen Anforderungen für ein erfolgreiches Überleben in ihrer Umgebung. Dennoch ist die Überlebensrate gering und nur einer von fünf Haie wird seine Umgebung zur gegebenen Zeit verlassen um die nächste Entwicklungsstufe anzugehen.
Junghaie verlassen ihre geschützte Umgebung meist erst dann, wenn sie in der Lage sind, größeren Feinden zu trotzen. Da sie im "freien" Wasser auf größere und auch neue Beute treffen, verändert sich auch zum Teil ihre Anatomie, d.h. z.B. modifizierte Zähne wachsen für die neuen Aufgabe, oder die Hautfarbe verändert sich. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch der Weiße Hai: seine so für seine Art typischen dreieckigen Zähne bilden sich erst ab einer Größe von ungefähr 350cm aus und erst mit diesen ist er in der Lage große Beute, wie etwa Robben zu fressen. Davor ähnelt sein Gebiß eher dem der Makohaie.


Wann sind Haie zur Fortpflanzung fähig?
Die meisten Haiarten erreichen ihre Geschlechtsreife meist erst nach vielen Jahren; meist sind es die männlichen Tiere, welche zuerst, d.h. bei einer geringeren Körperlänge (verglichen mit Weibchen), die Geschlechtsreife erreichen. Bei männlichen Tieren ist dies optisch von außen ersichtlich: die Klasper überragen die äußeren Enden der Brustflossen, während die der noch nicht geschlechtsreifen Tiere mit den äußeren Enden abschließen, oder kürzer sind.
Weibliche Haie erreichen im Verhältnis zu den männlichen Tieren erst mit einer etwa 10% größeren Körperlänge die Geschlechtsreife, wobei dies nicht als Faustformel zu verstehen ist, sondern mehr als Anhaltspunkt.

Blauhaie (Prionace glauca) werden mit etwa 5-6 Jahren geschlechtsreif und haben etwa 80-120 Junge. Dornhaie hingegen werden erst mit 12-15 Jahren (teilweise sogar erst mit 30 Jahren) geschlechtsreif und bringen lediglich 4-8 Junge zur Welt. Im Durchschnitt liegt die Schwelle zur Geschlechtsreife bei Haien in etwa bei 10 - 12 Jahren. Dies ist ungewöhnlich spät verglichen mit Knochenfischen, die meist noch innerhalb des ersten Jahres ihrer Geburt die Geschlechtsreife erreichen.

Was das Verhältnis von Geschlechtsreife, Anzahl der Nachkommen in Verbindung mit dem Lebensraum anbelangt kann folgende Aussage getroffen werden:

Haiarten mit einer relativ hohen Anzahl von Nachkommen erreichen die Geschlechtsreife relativ früh, haben dafür eine geringere Lebenserwartung und bringen ihre Jungen in einer eher ungeschützten Umgebung zur Welt. Diese Regel gilt im umgekehrten Sinn für Haie mit hoher Lebenserwartung und später Geschlechtsreife.
Natürlich spielen äußere Einflüsse, wie etwa die Verfügbarkeit von Nahrung und das dadurch beeinflußte Wachstum eine nicht unwesentliche Rolle für den Zeitpunkt der Geschlechtsreife, doch das soll hier nicht weiter vertieft werden.