 |
 |
Foto:
Harald Bänsch |
|
 |
Es ist schon mehr als 25 Jahre
her, das die erste Folge von "JAWS" oder in deutsch
"Der Weiße Hai" über die Leinwände
der Welt flimmerte. Die durch diesen Film ausgelöste Panik
und Hetzkampagne gegen das Tier Hai haben wir als Anlass genommen,
das Bild des Hais in ein besseres Licht zu rücken. Kein
anderer Film hat das Bild eines Tieres bei Millionen von Menschen
so nachhaltig negativ geprägt wie Steven Spielbergs Horrorvisionen.
Schwerwiegend sind heute zusätzlich auch noch die Probleme
die durch Umwelt-einflüsse, Fischerei und falsch verstandene
Traditionen verursacht werden. Die Fischerei, welche durch sinkende
Fangergebnisse und daraus resultierenden niedrigen Einkommen,
die Haibestände aufgrund fehlender Kontrollen und Quoten-regelungen
weltweit über Gebühr strapazieren, muss kontrolliert
werden.
Haie werden gezielt für fragwürdige pharmazeutische
Produkte, Fish&Chips oder geschmacklosen Inhalt von Suppen
gefischt oder gehen als Beifang auf der Suche nach Thunfisch
und Marlin an die Haken der Longline-Fischer.
Als ob das nicht schon genug wäre, rückt der Mensch
den Kinderstuben und Rückzugsgebieten dieser majestätischen
Tiere immer mehr auf den Pelz. Weitläufige Mangrovengebiete
müssen ambitionierten Projekten der Tourismusbranche, bzw.
Industrieprojekten weichen oder werden durch Umweltverschmutzung
sukzessive zerstört. So brennt man die Kerze an zwei Enden
gleichzeitig ab, die Folgen dürften wohl ohne große
Erklärungen klar sein.
Die einzig richtige Antwort
muss heißen: Sinnvolle
Fangquoten, kompromissloser Schutz der Rückzugsgebiete
und Kinderstuben. Sollten solche Maßnahmen zu spät
kommen, sind die Auswirkungen auf das größte und
komplexeste Ökosystem der Welt kaum abzuschätzen.
Da die Zukunft der gesamten Menschheit maßgeblich von
einem gesunden Zustand der Weltmeere abhängt, muss es im
Interesse eines jeden sein, die Balance in den Ozeanen zu wahren
und damit eine klare Aussage zum Schutz aller Meeresbewohner
zu machen!
Heute zeichnet sich ein ganz anderes Bild über den Hai.
Verflogen sind die Mythen des einst mächtigen und geachteten
Jägers der Meere.
Das Industriezeitalter und die technischen Errungenschaften
haben der Menschheit zu Wohlstand und Reichtum verholfen und
eine zuvor nie möglich gewesene Ausbeutung der natürlichen
Ressourcen ermöglicht.
War zu Beginn der industriellen Revolution nur die sehr ölhaltige
Leber der Haie von Interesse, so sind es heute sein Knorpel
für pharmazeutische Produkte mit frag-würdiger Wirkung,
das Vitamin A der Leber für hochwertige Hautcreme und andere
kosmetische Erzeugnisse wie auch die Netzhaut des Haiauges für
Organtransplantationen bei Menschen.
Neuestes Feld der Forscher sind die Nieren der Haie: Wissenschaftler
wollen dem verantwortlichen Gen für die Zellregeneration
auf die Schliche gekommen sein. Diese Gen soll Organtransplantationen
überflüssig machen, indem sich die erkrankten Organe
mit Hilfe dieser Geninformation wieder regenerieren sollen.
Weitere Produkte sind auch die Haihaut für Lederprodukte
aller Art wie auch die Haikiefer als Trophäe für die
Regale "ambitionierter" Sportfischer. Daher kann man
wohl den Hai ohne zu übertreiben als schwimmenden "Supermarkt"
bezeichnen.
Doch Haie werden von der Menschheit nicht nur aktiv sondern
auch passiv bedroht, d.h. wir nehmen in einem Maß Einfluss
auf deren Umwelt, das der Lebenszyklus der Haie unter den veränderten
Bedingungen nicht mehr garantiert ist; insbesondere sind dies
die Auswirkungen durch Umweltzerstörung und -verschmutzung.
Die
Urlaubsindustrie, auf der Suche nach immer neuen Zielregionen,
lässt ganze Küstenregionen begradigen und zubetonieren.
Dabei werden Seegraswiesen und Mangrovenregionen nahezu vollständig
vernichtet und damit die Kinderstuben der Haie zerstört.
U.a. in Ermangelung geeigneter Aufwuchsgebiete können sich
die angeschlagenen Haipopulationen nicht mehr erholen. Die Haie
suchen entweder diese Gebiete nicht mehr zum Zweck der Niederkunft
auf, oder die Junghaie werden in der jetzt ungeschützten
Umgebung zur Welt gebracht und unmittelbar danach zur Beute
größerer Räuber.
Zu einer Zerstörung der wichtigen Uferregionen tragen auch
nicht unwesentlich Einflüsse durch Umweltverschmutzung
bei. In Drittweltländern, wo Abwässer ungeklärt
in Flüsse und Bäche eingelassen werden, werden so
diese Bereiche regelrecht vergiftet.
Aber auch alternative Projekte wie Aufzuchtfarmen für Fische
und Garnelen führen zur Zerstörung von ufernahen Regionen.
Hier werden Schutzbereiche abgeholzt und zerstört um Platz
für die Zuchtgehege zu schaffen - mit den gleichen, zuvor
beschriebenen Folgen für die Haie!
Auf der Jagd nach hochwertigen Speisefischen wie Marlin oder
auch Thunfisch gehen zu einem großen Prozentteil auch
Haie an den Haken. Kein Wunder, dass dies geschieht, sind doch
zum einen diese Fische selbst Beute der Haie, andererseits gehören
auch die verwendeten Köder dazu, die ursprünglich
nicht für die Haie gedacht waren. Da bei dieser Methode
des Fischfangs die Leinen für einen Zeitraum von bis zu
24 Stunden ausgelegt bleiben, sind die Haie zum Zeitpunkt des
Leineneinholens bereits tot. Die wenigen, die den Todeskampf
bis dahin noch überlebten, werden meist von den verärgerten
Fischern getötet und ins Meer zurück geworfen.
Doch in letzten Jahren ist nun glücklicherweise Bewegung
in die Statuten der Sportfischer gekommen; Praktiken wie das
Finning oder
der Massenfang nach dem die Beute auf der Müllhalde landet,
sind bei internationalen Wettbewerben nun verboten. Inwiefern
die s.g. "Catch-and-Release" ein gangbarer Weg ist,
sowohl dem Hai als auch den Sportfischern gerecht zu werden,
muss noch verfolgt werden.
Einige Wissenschaftler betrachten diese Methode sehr kritisch,
führen sie doch an, dass die Tiere zum Zeitpunkt der Rückführung
ins Wasser dermaßen geschwächt sind, dass sie sich
nicht wieder erholen oder auch zur Beute größerer
Räuber werden.
|
 |
|
|