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Der Hai verfügt, wie auch
die Fische, über ein Seitenlinienorgan. Das Organ ist,
zusammen mit dem Innenohr, ein Teil eines größeren
Komplexes, des Octavolateralis-Systems. Es handelt sich hier
um einen mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllten
schmalen Kanal, der sich beidseitig unter der Haut von der
Schwanzwurzel bis zum Kopf erstreckt.
Von dort aus verlaufen mehrere Kopfkanäle,
die wie schon im Kapitel über das Gehör erwähnt
mit dem Innenohr verbunden sind. Die Sinneszellen des Seitenlinienorgans
reagieren auf Druckunterschiede - sie nehmen diese über
niederfrequente Schwingungen im Wasser wahr (Erschütterungen,
Bewegungen, Geräusche). Die Haie sind so in der Lage
auf mittlere Entfernungen Beute oder Gegenstände zu orten.
Im Zusammenspiel mit dem Innenohr werden wahrscheinlich auf
diese Art auch die eigenen Bewegungen kontrolliert und koordiniert.
Der gesamte Komplex ist auf denen im Innenohr sehr ähnlichen
Sinneszellen, den sog. Haarzellen, aufgebaut. Die Oberfläche
dieser hochsensiblen, mit Flüssigkeit umgebenen Zellen
ist mit haarähnlichen Fortsätzen (Stereozilien und
Klinozilien) versehen.
Das hierdurch ausgelöste Signal wird an die angrenzenden
Nervenfasern geleitet. In diesen entsteht dadurch wiederum
ein elektrischer Impuls, der ans Hirn weitergeleitet wird.
Dieses biochemische Signal wird, wie bereits beschrieben,
durch die Reizung dieser haarähnlichen Fortsätze
bewirkt.
Die im gesamten Octavolateralis-System
vorkommenden Haarzellen reagieren unterschiedlich auf physikalische
Ereignisse. Im Unterschied zu denen im Innenohr, welche wie
beschrieben in der Hauptsache auf Schwerkraft, Beschleunigung
und Schallwellen reagieren, sind die Sinneszellen des Seitenlinienorgans
darauf eingestellt, Wasserbewegungen entlang der Hautoberfläche
zu registrieren. Die Haarzellen (Neuromasten) des Seitenliniensystems
liegen sowohl auf der Hautoberfläche als auch in Kanälen.
Die Klino- und Stereozilien dieser Haarzellen sind in eine
zylinderähnliche Gelatinemasse (Kupula) eingebettet.
Die Gelatine wird von Zellen abgesondert, die sich in unmittelbarer
Nähe der Haarzellen befinden. Die Kupula reicht bis ins
umgebene Wasser; eine Bewegung des Hais bewirkt deren Ablenkung,
bzw. der darin enthaltenen Klino- und Stereozilien und somit
eine Reizung der Haarzelle.
Forschungen haben ergeben, dass das Seitenlinienorgan
über die Haut auf Nettobewegungen des Wassers sensibel
anspricht. Das bedeutet; die wahrnehmbaren Wasserbewegungen
können nur im unmittelbaren Umfeld, also nur relativ
nahe an deren Ursprung registriert werden. Weiter von der
Quelle der Bewegung entfernt, bewegen sich Wasserteilchen
nur noch vor und zurück, d.h. ohne Nettoverschiebung.
Dieses Fernfeld wird vom Seitenlinienorgan nicht mehr oder
nur sehr begrenzt wahrgenommen.
Das Seitenliniensystem ist ein extrem
hilfreiches Instrument, denn es erlaubt dem Hai Objekte zu
lokalisieren, selbst wenn andere Sinne blockiert sind oder
keine Anwendung finden.
Im Zusammenspiel mit dem Pitorgan, auch Grubenorgan genannt,
liefert die Kombination beider Organe dem Hai komplexe Informationen
über Art und Ursprung von Wasserbewegungen.
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