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Über
Jahrhunderte bis in die Neuzeit diente Haihaut dem Menschen
als haltbares, lederartiges Material das für viele Zwecke
hervorragende Dienste leistet. Vor allem deren sandpapier-ähnlichen
Struktur und die hohe Reißfestigkeit waren Eigenschaften
die zum einen für Bearbeitung harter Oberflächen sprach
als auch als Schutzbekleidung und als Grifffläche, wie
etwa bei Stichwaffen. Zu Zeiten der Römer waren deren Helme
mit Haihaut überzogen und bei anderen Völkern wurde
Schutzbekleidung mit dieser überzogen.
Haihaut verfügt über eine außergewöhnlich
hohe Reißfestigkeit von etwa 3.000-4.000 kg/cm² und
auf Grund der Plakoidschuppen, die aus dem selben Material bestehen
wie die Zähne im Kiefer des Hais, zeigt Haihaut bei Einsatz
als Schleifpapier nur sehr langsam Abnutzungserscheinungen.
Doch Haihaut ist vielmehr als nur eine Hülle für den
Hai oder ein nützliches Instrument für uns Menschen.
Wie bei allen Wirbeltieren bis hin zu uns Menschen besteht auch
die Haut der Haie aus zwei Schichten: die Außenhaut oder
auch Epidermis genannt und die Innenhaut, die Innerdermis. Die
Haut besteht aus den unterschiedlichsten Gewebearten, wie etwa
dem Bindegewebe, Muskelfasern, Nervenzellen welche auf äußere
Einflüsse reagieren und einem feinen System von Blutbahnen
um die Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen
und damit den kontinuierlichen Erneuerungsprozess zu ermöglichen.
Die Haut, vieler größerer Haiarten, weist eine beachtliche
Dicke auf; abhängig vom Geschlecht des Hais kann diese
mehr als fingerdick sein. An manchen Körperteilen des Walhais
ist seine Haut 10-15cm dick und kann selbst einen Angriff durch
eine Harpune widerstehen.
Die Vorfahren der Haie besaßen, im Gegensatz zu den
heutigen Haien, große Knorpel- bzw. Knochenplatten um
ihren Körper vor äußeren Einflüssen zu
bewahren. Im Verlauf der Evolution haben sich diese zu Dentin-überzogenen
kleinen Hautzähnchen entwickelt, welche den ganzen Körper
des Hais bedecken - sie werden auch Plakoidzähnchen genannt.
Diese Plakoidschuppen oder auch Plakoidzähnchen bestehen
aus dem gleichen Material wie die Zähne, welche der Hai
im Maul hat. Diese Plakoidschuppen sind im Reich der Tiere
einzigartig und alleine auf die Klasse der Knorpelfische beschränkt.
Wie auch die Zähne des Menschen wird jedes Plakoidzähnchen
durch einen Nerv mit feinen Blutbahnen versorgt und so am
Leben gehalten. Erst wenn es seine volle Größe
erreicht hat werden die "Versorgungskanäle"
geschlossen und das Plakoidzähnchen fällt wenig
später aus und wird sodann gleich durch ein Neues ersetzt.
Wie auch die unterschiedlichen Arten der Haie, variieren die
Hautzähnchen in Form und Größe stark und eine
Identifizierung der Art anhand dieser wäre durchaus möglich.
Beim Nagelhai, welcher nur über wenige, dafür aber
sehr große Hautzähnchen verfügt, bis hin zu
Arten, wo deren Größe wenige Millimeter nicht überschreitet
reicht das Spektrum. Alle samt haben sie aber gemein, dass
diese nur entgegen der Schwimmrichtung (in Strömungsrichtung)
wachsen, wie im Beispiel des Nagelhais maximal senkrecht vom
Körper weg, aber nie in Schwimmrichtung (entgegen der
Strömung). Selbst am Körper des gleichen Hais verändert
sich die Form der Plakoidschuppen je nach Lage des Körpers.
Im Bereich des Mauls sind diese abgerundet und mit den Geschmacksknospen
verbunden, an anderen Körperteilen sind diese strömungsoptimiert
geformt oder anderen Einsatzbedingungen angepasst.
Die Mehrzahl aller Haie sind aktive Jäger; die Muster
und Farben ihrer Haut dienen daher mehr der Tarnung und Täuschung.
Doch entgegen den landlebenden Tieren erfordert auch hier
die Umgebung der Meere und Ozeane von den Haien eine besondere
Anpassung. Wasser filtriert mit zunehmender Tiefe das Farbspektrum
heraus und lässt zum Schluss nur noch dunkle Farbtöne
wie Dunkelblau, Grau und Schwarz zu. Daher spielen Farbvariationen
nicht so eine große Rolle wie etwa bei den unzähligen
Korallenfischen. Allerdings wie auch an Land spielen Kontraste
eine große Rolle; das Zusammenspiel von Hell und Dunkel
wie auch die unterschiedlichen Muster (Ornamente, Streifen,
Augenflecken etc.) dienen der Tarnung als auch der Verwirrung
von Opfern wie auch von Jägern.
Die meisten Haie behalten die Farbgebung und ihr Muster bei,
welches sie von Geburt an zeigen. Bei einigen Arten wechseln
diese aber im Verlauf ihrer Entwicklung vom Jungtier zum ausgewachsenen
Hai. Andere Haie wechseln im Verlauf ihrer Entwicklung.
Der Tigerhai zum Beispiel besitzt als Junghai eine deutliche
Streifenzeichnung, welche ihm auch seinen Namen eingebracht
hat. Doch mit zunehmenden Alter verschwindet diese bis sie
nicht mehr sichtbar und einem Einheitsgrau ganz gewichen ist.
Ähnlich ergeht es den Zebrahaien; als Jungtiere verfügen
sie über das auffällige Zebramuster, doch als adulte
Tiere verlieren sich diese vielen Punkte, welche kein zusammenhängendes
Muster mehr ergeben.
Andere Haie dunkeln lediglich nach,
wenn diese mit zunehmender Körpergröße von
helleren, lichtdurchsetzteren Lebensräumen in tiefere
Wasserschichten abwandern. Haie aus Lebensräumen mit
schlechten Sichtverhältnissen und oft schlammigen und
dunklen Bodengründen haben nur eine Farbe von Kopf bis
Schwanz, wie etwa der Ammenhai. Haie aus den ewig dunklen
Tiefen benötigen keinerlei Farbe und sind daher meist
Dunkelbraun bis Schwarz gefärbt.
Einige Tiefseearten verfügen noch über kleine Leuchtorgane,
wie etwa der Laternenhai. Sinn und Zweck dieser Organe ist
noch nicht genau erforscht, doch ist denkbar, dass diese dem
Beutefang oder der Partnersuche dienen. Eine Kontrastfärbung
besitzen viele Haie der offenen See (Pelagial) - sie nutzen
den Effekt des Gegenlichtes. Sie sind in der Regel von Dunkelblau
über Bronze bis hin zu Braun und Schwarz auf der Körperoberseite
gefärbt. Fressfeinde und potentielle Beute kann sie daher
schwer oder gar nicht von oben ausmachen. Ihre Farbe verschwimmt
mit der Wasserbewegung und der Wasserfärbung. Die Körperunterseite
dieser Haie ist hell und ist meist Weiß bis Hellgrau.
Auch hier verschwimmen, von unten betrachtet, deren Körperumrisse
gegen das von der Wasseroberfläche einfallende Licht.
Die Farbsubstanzen, auch Pigmente genannt, werden von mikroskopisch
kleinen sternförmigen Zellen produziert. Diese liegen
in der Haut des Hais und werden Chromatophoren genannt. Die
Pigmente können sich frei innerhalb der Zelle bewegen;
konzentrieren sich diese im Zellkern scheint das dahinter
liegende Gewebe durch und die Haihaut erscheint heller. Verteilen
sich die Pigmentmoleküle wieder in der Zelle, erscheint
die eigentliche Färbung der Haut (meist dunkel).
Der Wobbegong treibt die Tarnung "auf die Spitze":
durch fransenartige Fortsätze verschwimmen dessen Umrisse
noch zusätzlich und der Hai verschmilzt regelrecht mit
seiner Umgebung. So ist der Wobbegong gut geschützt und
kann kraftsparend auf Beute laueren.
Zusätzliche Eigenschaften der Haihaut wurden erst spät
entdeckt. Ein Team von Hydrodynamikern der Technischen Universität
Berlin erhielt 1998 den Philip Morris Forschungspreis für
ihre Entdeckung der hydrodynamischen Eigenschaften der Haihaut.
Diese Wissenschaftler fanden heraus, dass die Struktur der
Haihaut kleine Wirbel auf deren Haut erzeugt, auf welchen
sie mit weitaus weniger Energie durch das Wasser gleiten als
vergleichsweise andere Meerestiere. Eine Folie, ähnlich
der Struktur der Haihaut, wurde entwickelt und an Verkehrsflugzeugen
angebracht. Das Ergebnis war überwältigend: bis
zu 12% Kerosinersparnis ohne Geschwindigkeitsverlust und das
mit einer relativ einfach gemachten Folie. Der Rumpf einer
Yacht wurde ebenfalls mit einer solchen Folie beschichtet
und diese konnte im ersten Anlauf ein prestigeträchtiges
Rennen auf Anhieb gewinnen.
Noch eine weiter Eigenschaft dieser Verwirbelungen auf der
Haihaut wollen Forscher entdeckt haben: diese Wirbel absorbieren
bis zu einem gewissen Maß Unterwassergeräusche,
wie etwa die Klickgeräusche von Delphinen. Es soll daher
den Haien, wie ein akustisches Tarnnetz dienen, mit Hilfe
dessen sie sich regelrecht "anschleichen" können.
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