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Foto: Harald Bänsch |
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Wie auch heute, war schon vor ca. drei
bis vier Milliarden Jahren das Wasser die Wiege allen Lebens.
Zu diesem Zeitpunkt etwa bildeten sich die ersten Organismen
(Bakterien) und daraus die ersten kernlosen Zellen und vor ca.
einer Milliarde Jahren begann dann die Entwicklung der ersten
Mehrzeller. Von da ab entwickelte sich das Leben rasant; gegen
Ende des Silurs, als sich aus Algen die ersten Landpflanzen
entwickelten und krebsartige Gliederfüßler sich an
die Strände der noch flachen Meere wagten, gab es bereits
Vorfahren unserer Haie - die Ältesten davon waren die Panzerfische.
Die
frühesten fossilen Beweise von der Existenz fischartiger
Lebewesen datieren sich auf eine Zeit vor ca. 500-550 Million
Jahre zurück. Diese sind leider nur Bruchstücke
der frühesten Entwicklungsperiode, die ersten gut erhaltenen
Fossilien stammen aus der Mitte der Periode des Ordoviziums
(vor ca. 470 Mio. Jahren). Diese Tiere hatten einen flachen
mit einem Platten überzogenen Körper - diese frühen
Fische gehörten zu den Kieferlosen.
Zur Zeit des Devon (vor. 400 Mio. Jahren) beschleunigte sich
der Prozess der Evolution und es entwickelten sich mehr und
mehr Arten und damit auch die Ausgangsformen der Haie; einer
dieser Vertreter war der Xenacanthus. Diese Panzerfische waren
noch vorwiegend von Knochenplatten geschützt. Sie erreichten
wahrscheinlich im ausgewachsenen Zustand Größen
von 20 cm bis ca. 1 m und besaßen ein unterständiges
Maul.
Auch verfügten diese über zwei Rückenflossen
mit kurzen Dornen; das Innenskelett war verknöchert.
Da sich die fischartigen Tiere sowohl im Süß- als
auch im Salzwasser entwickelten, ist bislang noch nicht geklärt,
wo der Startschuss für die Entwicklung der Haie fiel.
Sowohl versteinerte Funde von Haizähnen, als auch die
wenigen gut erhaltenen Fossilien von frühen Haien, beweisen
zu dieser Periode die Existenz derer in beiden Lebensräumen.
Vor ca. 400 Millionen Jahren, zur
Zeit des frühen Devon, als sich unter den Pflanzen auf
den vorhandenen Landmassen Bärlappgewächse, Schachtelhalme
und Farne auszubreiten begannen, wurden die Panzerfische (Placodermi)
durch den ersten wirklichen Knorpelfisch, den Cladoselache,
verdrängt.
Es wird vermutet, dass die ersten Cladoselache-Arten Süßwasserarten
waren und erst später im Meer auftraten; Funde aus den
USA z.B. in den Schiefersteinbrüchen rund um die Ufer
des Eriesee beweisen, dass schon zu dieser Zeit Vorfahren
der Haie die Gewässer bevölkerten (ältester
bewiesener Fund 360 Millionen Jahre alt).
Erste Haischuppen stammen
aus dem Landovery Schieder in der Mongolei und sind ca. 410
Millionen Jahre alt.Cladoselache erreichte vermutlich im ausgewachsenen
Zustand lediglich Größen diesseits der 200 cm,
sie besaßen schon die haitypische Körperform, große
Augen und ein Maul endständig der Schnauze wie bei vielen
(es gibt lediglich einige wenige solcher Arten, der Rest ist
unterständig) heute vorkommenden Haiarten. Durch fossile
Funde bewiesen, besaß Cladoselache ein Knorpel-skelett,
mehrspitzige Zähne, seitlich gelegene Kiemenspalten,
zwei Rückenflossen, mit je einem Dorn vor deren Basis,
und eine halbmondförmige Schwanzflosse mit kräftigen
Kielen an deren Wurzel.
Wahrscheinlich waren die ersten Haie Jäger des offenen
Meeres und ihre Beute waren kleinere Fische, die sie ganz
verschluckten oder mit ihren scharfen Zähnen in Stücke
zerrissen. Auf Grund der großen Augen wird vermutet,
dass sie ihre Beute visuell ausmachten. Der starke thunfischähnliche
Schwanz lässt vermuten, dass es sich um kraftvolle Schwimmer
handelte, doch die relativ kleinen Brust- und Rückenflossen
dürften nur eine eingeschränkte Beweglichkeit ermöglicht
haben. Da zu diesem Zeitpunkt schon weitaus größere
Räuber die Meere durchstreiften, ist es nicht unwahrscheinlich,
dass Cladoselache selber als Beute dienten und für diese
größeren Räuber eine willkommene Mahlzeit
darboten.
Mit dem Ende des Karbon, vor ca. 290 Millionen Jahren, war
Cladoselache verschwunden. Andere modernere Knorpelfische
hatten ihren Platz in der Evolutionsgeschichte eingenommen
- die Ordnung der Hybodontiformes wird heute als die, den
modernen Haien am Nächsten angesehen und damit als Ausgangsbasis
der heute lebenden Haie betrachtet.
Diese Haie verfügten durch ihre veränderten Flossen
über eine verbesserte Schwimm- und Manövrierfähigkeit,
eine Analflosse war vorhanden und die männlichen Tiere
besaßen Klasper (paariges Geschlechtsorgan). Einige
Arten verfügten über zwei verschiedene Formen von
Zähnen, was ihnen eine weitreichendere Möglichkeit
der Ernährung ermöglichte.
Diese hatten scharfe Zähne im Vorderteil der Kiefer und
flache plattenartige im hinteren Teil - damit konnten sie
Muscheln, Schnecken und durch Gehäuse geschützte
Krebse verbeißen. Die "Blütezeit" der
hybodonten Haie dauerte in etwa bis zum Ende der Kreidezeit.
Hybodonte Haie starben vor ca. 65 Millionen Jahren aus. Die
ersten Stierkopf- und Katzenhaie, gefolgt von den Grauhaien,
erschienen im Jura, zu einer Zeit, wo auch noch verschiedenste
Saurier auf diesem Planeten lebten. Es wird heute angenommen,
dass sich zum Zeitpunkt der späten Kreidezeit alle heutigen
Haiarten gebildet hatten und sich seither nur wenig verändert
haben. Mit Beginn des Tertiär, vor 65 Millionen Jahren,
in der Zeit in der sich die Gebirge aus den Meeren erhoben,
schwammen dann die meisten Vertreter aller jetzt lebenden
Haiarten durch die Meere. Heute beträgt der Anteil der
Haiarten ganze drei Prozent gemessen am Artenreichtum der
Fisch- und Fischartigen (ca. 24.000 Arten); Forscher sind
der Ansicht, dass zur Zeit zwischen der Periode des Jura (vor
ca. 200-145 Mio. Jahren) und des Endes der Periode der Kreidezeit
(vor ca. 145-65 Mio Jahren), der Anteil der Haie am Lebensspektrum
der Fischartigen, bis zu 60% betrug.
Ein ganz besonderer Vertreter dieser Hochkultur war der Megalodon
- ein Raubhai mit gigantischen Ausmaßen. Er lebte vor
ca. 25 - 5 Millionen Jahren. Kein heute lebender Hai kommt
der Sage eines Urmonsters, eines Seeungeheuers, näher
als der Carcharocles megalodon . Dieser Hai, respektvoll Megalodon
genannt, war ein riesiger Raubhai. Erste Rekonstruktionen
gingen von einer Länge bis zu 18 Meter aus. Neuere Forschungen
reduzieren diese These auf realistisch 12-13 Meter.
Damit dürften die Tiere zwischen 12 - 15 Tonnen gewogen
haben, die Schwanzflosse war gigantische 4 mtr. und die Rückenflossen
noch 2 mtr. hoch. Damit war der Megalodon etwa doppelt so
groß, wie ein Weißer Hai.
Was heute noch von seinen gigantischen Ausmaßen zeugt,
sind seine Zähne. Der größte bislang gefundene
Zahn, maß stolze 13,4 cm x 15,4 cm. Heute befindet sich
dieser Zahn im British Museum of Natural History.
Die Nahrung des Megalodon waren große
Meeressäuger, wie fossile Indizien für Angriffe
auf Wale zu beweisen scheinen. Megalodon scheint vor ungefähr
5 Millionen Jahren ausgestorben
zu sein. Aufgrund neuerer Fossilienfunde gehen einige Wissenschaftler
heute davon aus, dass einige Exemplare noch in jüngerer
Vergangenheit gelebt haben könnten, vor ca. 24.000 -
11.000 Jahren.
Fantasyfans vermuten deshalb sogar noch heute lebende Megalodons
in der Tiefsee. Diese Thesen darf jedoch getrost verwerfen.
Ein Raubtier dieser Größe wäre in unseren
überfischten Weltmeeren niemals unentdeckt geblieben.
Der Grund des Aussterbens ist völlig unklar. Einige Thesen
vermuten eine Weiterentwicklung seiner spezialisierten Nahrung,
den Walen, die ihm die Jagd immer mehr erschwerte. Lange Zeit
waren Wissenschaftler der Meinung, dass der Megalodon zur
gleichen Familie wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias)
gehört und sogar einer der Vorfahren des heutigen Weißen
Hais ist. Fossilienfunde belegten jedoch eindeutig, dass beide
Arten zeitgleich gelebt haben. Der Megalodon wird deshalb
heute der eigenen Familie Carcharocles (Carcharocles megalodon)
zugeordnet.
Haie bestehen zu über 90% aus leicht zersetzbaren
Geweben d.h. dass nach dem Ableben des Tieres dieses sofort
in die Verwesung übergeht und außer den aus Dentin
bestehenden Zähnen nichts mehr zurück bleibt.
Das macht auch das Leben der Paläontologen nicht leicht,
die Artenvielfalt der Haie vergangener Zeiten zu strukturieren.
Oft können sich diese Wissenschaftler nur anhand von
Zähnen und Zahnplatten ein Bild vom Artenspektrum der
einzelnen Perioden machen.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die wenigen fossilen
Funde von Haien wie Schätze gehandelt werden.
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