Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein Korallenriff, bei dem alle Haie getötet werden, in nur einem Jahr ökologisch stirbt. (Bascompte/Melian/Sala 2005)
© Paul Munzinger
Eine apokalyptische Vorstellung, die aber bereits Realität ist. In vielen Meereszonen gibt es schon ökologisch tote bzw. veränderte Gebiete, weil dort die Haie abgefischt wurden. Aber all das passiert im Verborgenen, tief unter der Meeresoberfläche und von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt.
Das Jetzt & die Zukunft
Die Natur reguliert sich selber; im Falle der Haie sind dies späte Geschlechtsreife oder auch eine geringe Anzahl von Nachkommen pro Wurf bzw. längere Pausen zwischen den Reproduktionszyklen, um nicht zu viele Haie in den Meeren zu haben.
Doch genau diese Regulatoren werden den Haien nun zum Verhängnis, denn die zuvor genannten Bedrohungen beduten die Populationen zu stark aus. Hier werden die großen geschlechtsreifen Tiere abgefischt und somit große Lücken in die fortpflanzungsreifen Tiere geschlagen. Und gehen die Fangerträge zurück, werden einfach die Maschenweiten erniedrigt, um die Quoten zu halten.
Auf Grund dieser Tatsache sind heute schon viele Haiarten vom Aussterben bedroht. Da Haipopulationen schwer zu erfassen sind, konnten sich die verantwortlichen Behörden bis heute noch hinter dem Argument verstecken, über nicht genügend Informationen zu verfügen, um Entscheidungen zu treffen. Doch hier wiederholt sich die Geschichte abermals, als ob die rückläufigen Fangergebnisse (soweit diese dokumentiert werden) nicht Beweis genug wären, dass sich die Haipopulationen auf dem Rückzug befänden.
Nur ein rasches Handeln kann hier noch größeren Schaden verhindern, d.h. Erlass von wirksamen Fangquoten und großräumigen Rückzugsgebieten sowie die strenge Kontrolle des Handels mit Haien und Haiprodukten. Vielleicht hat der Hai dann auch noch eine Zukunft in diesem Jahrtausend.
Ein Selbstbedienungsladen für jedermann
Die Krisen gebeutelte Fischerei sucht nach neuen Einnahmequellen. Von den etwa 25.000 verschiedenen Fischarten werden etwa 130 als Speisefisch genutzt, etwa 70% davon sind Meeresfische.
Die Fangflotten der großen Fischereinationen arbeiteten "gründlich" und haben die Ozeane bis an deren Leistungsgrenze abgefischt. Die begehrtesten Speisefische wie etwa Gelbflossenthunfisch und Marlin erklimmen immer neue Rekordpreise in den Auktionshallen der Fischereihäfen und das hat seinen guten Grund: die Bestände befinden sich ebenfalls auf dem Rückzug und zeigen schon seit Jahren keinen Anstieg der Bestände mehr.
Für einen ausgewachsenen Gelbflossenthunfisch (etwa 250-300cm TL) werden etwa US$ 50.000,-- bezahlt. Geht ein solcher kapitaler Fang an den Haken, ist es nicht unüblich, dass dieser sofort verpackt und in einem Learjet nach Japan verfrachtet wird; dort wird aus diesem Sushi für etwa US$ 200.000,-- hergestellt. Um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte, muss die Entwicklung der Fischerei über etwa die letzten 30 Jahre betrachtet werden. Der weltweite Bedarf an Fischprodukten ist seit je her steigend, so dass die Fischereiindustrie immer neue Techniken entwickelt hat, um diesen Bedarf zu decken. Kilometer lange Treibnetze waren der Anfang vom Ende und erst internationale Proteste (wegen des Beifangs an Kleinwalen und Delphinen) führten zu deren Reduzierung. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Fischerei dem Ganzen schon wieder einige Schritte voraus; neue Techniken wurden eingeführt wie das Kiemennetz und die Langleinen. Hat man mit den grobmaschigen Kiemennetzen nichts mehr und weniger gefangen, wurden die Maschen einfach kleiner geknüpft und so systematisch jede "Fischgeneration" abgefischt.
Die Langleinen führte man ein, um erfolgreiche- Jagd auf Thunfisch und Marlin zu machen. Es handelt sich hier um eine je nach Einsatzort bis zu 50km lange Tragleine, die am Anfang und am Ende jeweils mit einer Boje markiert ist. An dieser Tragleine sind in regelmäßigen Abständen (ca. alle 10 Meter) mit Köder bestücke Hakenleinen (etwa 200-300cm Angelschnur mit Haken) befestigt. Bei einer 50km langen Leine macht dies 5,000 Haken.
Das Problem hierbei, ist nicht nur, dass auch kleine Thunfische und Marline an den Haken gehen, sondern auch eine Vielzahl an Haie.Viele Longliner haben früher die Haie wieder ins Meer zurück geworfen, bis sie herausfanden, das die Haiflossen eine einträglich Geldquelle sind. Oftmals habe sich diese Fischer nicht mit dem Töten der Haie aufgehalten, sondern diesen gleich am Schiff bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten und den noch lebenden Hai wieder ins Wasser zurück geworfen; diese verenden dort qualvoll.
Der Lohn für diese widrige Arbeit beträgt etwa US$ 25-30,-- pro Pfund.
Die Flossen landen dann in chinesischen Feinkostläden, oder in Haiflossensuppe-Fabriken. In den feinen chinesischen Restaurants wirjd diese dann für bis zu US$ 200,-- angeboten. Bedenkt man, das Haiflossen keinerlei eigenen Geschmack besitzen und für mehrere Stunden in z.B. Hühnerbrühe aufgekocht werden müssen, ist dies doch eine mehr als nur zweifelhafte Fischerei!
Die gleiche Fangmethode wird auch für eine ganz bestimmte Haiart eingesetzt :
dem Dornhai. Dornhai ist Basis für vielerlei Produkte, die bekanntesten davon dürften wohl die
Schillerlocken und das englische Schnellgericht "Fish & Chips" sein. Seit einigen Jahre wird vor allem der Preis für Schillerlocken genau beobachtet, hat dieser doch schwindelnde Höhen erreicht (etwa 60 Euro). Dies ist auf die schnell schwindenden Bestände zurückzuführen und darauf, dass immer kleinere Exemplare an den Haken oder ins Kiemennetz gehen.
Man bedenke, der Dornhai ist vermutlich die am weitest verbreitete Haiart, doch wird diese (wie bereits schon erwähnt) sehr spät geschlechtsreif und hat nur sehr wenige Nachkommen. Fischt man nun alle geschlechtsreifen Tiere ab, dürfte es, wenn überhaupt möglich, sehr lange dauern, bis sich die Bestände einigermaßen erholt haben.
Die Fischereibehörden Nordamerikas haben im Frühjahr 2000 endlich auf den Druck von Fischbiologen und Ökologen reagiert und großräumige Schutzgebiete für den Dornhai eingerichtet, die ab sofort nur noch saisonal befischt werden dürfen.
| 20.8.2008 | Print |