Sinne der Haie

Das Element Wasser erfordert einen hohen Grad der Anpassung der Sinne, da hier die Wahrnehmung anders funktioniert als an der Luft.

Christine Gstoettner
© Christine Gstoettner
Wasser ist 800 mal dichter als Luft, das bedeutet, daß sich beispielsweise der Schall ca. viermal schneller fortsetzt als in der Atmosphäre.
Gerüche kommen im Wasser nur gebunden vor und deren Verteilung hängt maßgeblich von den Strömungen ab. Dafür sind Einflüsse, wie Druckwellen, erzeugt durch Bewegungen und die unterschiedlichsten elektrischen Strömungen im Wasser von wesentlich größerer Bedeutung als zu Lande.

Um diesen besonderen Bedingungen gewachsen zu sein, hat im Verlauf der Evolution eine bei den Haien eine Feinabstimmung der Sinne stattgefunden. So verfügen beispielsweise Haie der Dämmerzone meist über große Augen, um auch noch das schwächste Licht in der Tiefe nutzen zu können. Ammenhaie besitzen nur kleine Augen, da diese sich erwiesener maßen stärker mit ihrem Geruchssinn orientieren. Hammerhaie verfügen über die grösste Anzahl an Lorenzinischen Ampullen in der Kopfregion, die sie einsetzen, um die im Sand verborgene Rochen aufspüren zu können.

Die Sinne des Hais und deren Funktion im Detail:


Christine Staacks
© Christine Staacks

Geruch


Die Meere sind voller Gerüche, daher ist der Geruchssinn von ganz besonderer Bedeutung für die Haie! Für uns Menschen ist das schwer vorstellbar. Hormone, Pheromone, Abfallprodukte, Produkte verwesende Stoffe, sind dabei nur einige. Welchen möglichen Stellenwert der Geruchssinn beim Hai einnimmt, können wir bei näherer Betrachtung des Gehirns sehen. Bei einigen Arten kann das Riechzentrum bis zu 2/3 der Gehirnmasse ausmachen. Haie sind in der Lage Blut in milliardenfacher Verdünnung (1:10 Mrd.) wahrzunehmen. Versuche ergaben, das Graue Riffhaie kleinste Barschextrakte noch in einer Konzentration von eins zu zehn Milliarden Teilen riechen konnten. Dass entspricht einem Tropfen Wein auf die Wassermenge eines mittelgroßen Schwimmbades (1.000qm groß und 2 Meter tief).

Weitere Versuche ergaben, das selbst blinde Haie zielsicher ihr Futter fanden, diese Fähigkeit aber schnell abnahm, als man diesen die Nasenöffnungen mit Watte verstopfte. Teile der Nasenregion reagieren selektiv auf bestimmte Gerüche, u.a. können Haie keinen Zucker riechen, hingegen andere Stoffe wie Aminosäuren werden selbst in minimaler Verdünnung wahrgenommen.

Diese erstaunliche Fähigkeit wird dem Hai u.a. durch die Schneiderschen Falten ermöglicht; diese kanalisieren das einströmende Wasser, so dass die Nasengruben ständig von Wasser umspült werden. Diese Nasengruben haben je eine Öffnung für ein- und ausströmendes Wasser, welches mit geringem Widerstand das sensible mit feinsten Sinneszellen durchsetzte Gewebe passiert. Die Geruchsstoffe, die im Wasser gelöst an den Sinneszellen vorbei strömen, werden in den selben Zellen in Signale umgewandelt und an das Vorderhirn und entsprechend das zentrale Nervensystem weitergeleitet.
Der Geruchssinn ist, zusammen mit dem Gehör, derer der beiden Sinne mit dem der Hai Reize aus größter Distanz wahrnehmen kann. Je nach Strömung und Geruchsintensität können das durchaus mehrere Kilometer betragen.



Gehör


Das Gehör ist von großer Bedeutung für den Hai - warum?
Die Meere sind voller Geräusche: Wellen die als Brandung gegen das Ufer schlagen, Sediment das sich durch die Wasserbewegung am Boden bewegt, singende Wale, grunzende Seehunde und mit steigender Tendenz Geräusche, die der Mensch in die Meere entlässt (beispielsweise Schiffe, industrielle Anlagen, Wassersportaktivitäten).
Es sind die niederfrequenten Töne (Töne unter 600 Hertz) auf die ein Hai reagiert. Töne, die z.B. ein zappelnder Fisch von sich gibt. Haie sind in der Lage solche Geräusche aus grosser Distanz wahrzunehmen. Das Ohr ist von außen, abgesehen von zwei kleinen auf dem Kopf liegenden, Poren nicht sichtbar. Bei Experimenten mit hochempfindlichen Mikrofonen (Hydrophon) wurde das Zappeln harpunierter Fische auf Tonband aufgenommen und an verschiedenen Plätzen wieder abgespielt. Das Ergebnis war eindeutig: an zuerst haileeren Plätzen fanden sich innerhalb kurzer Zeit viele Haie ein. In einem Aquarium abgespielt, attackierten Haie den Unterwasserlautsprecher.

Unabhängig davon, dass man schon viel über das Gehör weiss, wird vieles jedoch noch nicht wirklich verstanden.
Ein zentraler Teil der Weiterleitung der Schwingungen sind Haarzellen im inneren der Ohren. Auf diesen Haarzellen liegen Steinchen, die s.g. Otoconia, die eine höhere Dichte als die sie umgebene Flüssigkeit besitzen.
Das Ohr des Hais dient auch als ein System zur Kontrolle des Gleichgewichtes und der Beschleunigung. Geradlinige Bewegungen und das Beschleunigen im Zusammenhang mit der Erdanziehungskraft bewirken, daß die Gehörsteinchen in ihrer gallertartigen Umgebung für einen Augenblick der Bewegung "hinterher hinken". Dieser Vorgang wird von den hoch sensiblen Härchen registriert und als Reiz an das Hirn weitergeleitet. Dort wird es als Veränderung von Geschwindigkeit und Richtung entschlüsselt.

Bögen, im inneren des Ohres, liegen halbkreisförmig um die Säckchen und stehen zudem noch im rechten Winkel zueinander. Am Ende eines jeden Bogens sind diese vergrößert. Durch die Position der Bögen zueinander, können alle drei Dimensionen wahrgenommen werden.



Geschmack (Tastsinn)


Die Geschmacksknospen des Hais befinden sich im Gaumenbereich und im "Schlund". In ihrem Aufbau gleichen sie jenen der anderen Wirbeltiere: Auf kleinen Erhebungen sitzen Gruppen länglicher Sinneszellen, die an ihrem freien Ende einen haarigen Fortsatz tragen. Ihre Basis ist mit Nervenfasern versehen, die zum Gehirn führen. Bei manchen Haiarten sind sie am Gaumen zahlreicher als am Mundboden.

Was schmeckt wird hinunter geschluckt und was als ungenießbar bewertet wird, wird wieder ausgespuckt. Diesen Umstand macht sich die Moses-Seezunge zu Nutzen, indem sie einen milchigen Schleim absondert, der als Pardaxin bezeichnet wird und sie für den Hai ungenießbar macht. Die begrenzte Lernfähigkeit bei Haien reicht offensichtlich aus, jeden Versuch einen solchen Fisch zu fressen, im Ansatz abzubrechen und diese nicht mehr als potentielle Beute zu betrachten.



Seitenlinie/Druck


Der Hai verfügt, wie auch die Fische, über ein Seitenlinienorgan. Dieses Organ ist zusammen mit dem Innenohr Teil eines größeren Komplexes, das auch Octavolateralis-System genannt wird. Es handelt sich hier um einen mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllten schmalen Kanal, der sich beidseitig unter der Haut von der Schwanzwurzel bis zum Kopf erstreckt. Von dort aus verlaufen mehrere Kopfkanäle und umfassen den ganzen Kopf. Opens link in same windowmehr


Sehen


Im Gegensatz zu der verbreiteten Meinung, daß Haie über eine schlecht entwickelte visuelle Wahrnehmung verfügen, muß heute angenommen werden, dass sie für deren Bedürfnisse optimal angepaßte Augen besitzen
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Der sechste Sinn und andere "sinnlichen" Besonderheiten


Der sechste ist mit Sicherheit wohl auch der erstaunlichste Sinn des Hais:
die Lorenzinischen Ampullen. Macello Malpighi (1628-1698) entdeckte dieses Organ 1662, näher beschrieben wurde es aber erst 1678 von seinem Landsmann Stefano Lorenzini, der aber die Funktionsweise dieser Organe nicht erkannte.

Lange Zeit wurde den Opens link in same windowLorenzinischen Ampullen Funktionen zur Druckwahrnehmung oder auch der Temperaturmessung zugeschrieben. Erst im Jahr 1962 erbrachten die holländischen Wissenschaftler Dijkraaft und Kalmijn den Nachweis über die tatsächlichen Funktion: die Wahrnehmung elektrischer Reize.
Mit diesen Rezeptoren können Haie selbst schwächste elektrische Felder wahrnehmen: Haie können Unterschiede von nur fünf Milliardstel Volt ausmachen, das entspricht in etwa der Stromstärke einer 1,5V AA-Batterie zwischen deren Plus- und dem Minuspol eine Distanz von 1.5 km Salzwasser liegt. Eine solche Leistung gelingt dem Menschen nur unter Zuhilfenahme von hoch komplizierter Technik. Diese Wahrnehmungskraft der ermöglicht, daß Haie selbst den Herzschlag eines Organismus wahrnehmen können.

Im Meerwasser entstehen schwache elektrische Felder auf unterschiedlichste Weise. Die Hauptproduzenten sind hier Lebewesen; diese erzeugen bioelektrische Felder, die sie in einem niederfrequenten Summen gleich oder einer Art Aura umgeben. Die Ströme entstehen innerhalb deren Körper durch Muskelaktivitäten und elektrochemische Reaktionen. Aber auch typisch elektrisch sensible Gegenstände wie Kabel oder metallene Gegenstände erzeugen durch galvanische Reaktionen schwache elektrische Felder. Bioelektrischen Felder werden durch die Depolarisierung der Muskeln erzeugt und sind auf Grund der sehr beschränkten Leitfähigkeit des Meerwassers aber nur aus kurzer Distanz vom Hai wahrzunehmen. mehr

Bei den Savischen Blasen handelt es sich um vollständig abgeschlossene halbkugelfömige Gebilde, die in der Schnauzengegend liegen, wo sie auf Sehnenplatten lokalisiert sind. Sie stehen, mit einem nach innen mit Sinneshaaren versehenen Nervenstrang, in Verbindung. Die Funktion dieses Sinnesorganes ist bis jetzt schlecht erforscht.


Ähnlich liegen die Dinge bei dem Sauglochorgan (Spiraculares Organ). Es ist mit dem Nerv des Seitenliniensystems verbunden und ergänzt möglicherweise dessen Funktion. Es befindet sich im Inneren des Saugloches und besteht aus einer Röhre mit nur einer Öffnung, die nur ca. 5-7 mm tief ist und nicht mehr als 0,2 mm Durchmesser hat. Sie ist zum Ende hin mit sensorischen Zellen ausgekleidet und nur als winzige Pore im Saugloch sichtbar. Dieses Organ verfügt über keinerlei gehörähnlicher Strukturen und ist somit nicht als Gleichgewichtsorgan einzustufen.

 

| 20.8.2008 | Print |