© Christine Gstöttner
Die Lorenzinischen Ampullen sind über die Schnauzenregion, den Unterkiefer und um die Augen verteilt und sind an der Hautoberfläche als dunkle Porenöffnungen zu erkennen.
Die von außen gut sichtbaren Poren münden jeweils in einen Kanal der im Inneren der Haut an einer hochempfindlichen Zelle endet. Dort werden die schwachen elektrischen Ströme des im Kanal befindlichen Wassers gemessen. Hauptsächlich dürften Haie diesen elektrorezeptiven Sinn zum Aufspüren von Nahrung verwenden. So können sie das bioelektrische Feld eines im Sand vergrabenen Plattfisches wahrnehmen, oder sie nehmen aus einer Lauerstellung vorbei schwimmende Beute wahr.
Der gut getarnt am Boden liegende Schwellhai wartet auf vorüber schwimmende Beute; bei ihm wurde nachgewiesen, wie er auf das bioelektronische Feld reagiert: Wenn die Beute in den Wahrnehmungsbereich der elektrischen Aura schwimmt, beißt der Hai zu.
Beobachtungen am Hammerhai lassen den Schluss zu, dass er die Lorenzinischen Ampullen besonders effektiv einsetzt. Seine Beute sind zu großen Teilen Stechrochen, welche oft im Sandboden vergraben liegen. Auffallend ist sein wiederholendes Schwenken des abgeflachten Kopfes vor der Beuteerfassung. Sein breiter großflächiger Schädel lässt gleichzeitig auch eine größere Anzahl von Poren zu, mit dessen er offensichtlich in der Lage ist, die elektromagnetischen Felder seiner Beute genau zu bestimmen.
Das häufige Auffinden von metallischen Gegenständen in Haimägen dürfte auf einer Fehlinterpretation der Signale durch dieses Organ beruhen.
Eine weitere These, dass die Lorenzinischen Ampullen der Navigation im Erdmagnetfeld dienen wird diskutiert. Die Tatsache, das viele Haie auch nach längerer Abwesenheit über große Entfernungen in bestimmte Regionen zurück kehren, würde dafür sprechen.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie belegte eine weitere Eigenschaft der Lorenzinischen Ampullen: eine Thermosensibilität dieser gelgefüllten Hautporen. Unklar ist aber, ob Haie einen eventuell vorhandenen "Thermofühler" aktiv zur Orientierung oder auch zur Jagd einsetzen. Zukünftige Untersuchungen hierzu könnten bald näher Aufschluss darüber geben.
| 21.8.2008 | Print |