Haiangriffe oder besser Haiunfälle - das ist eine seit Jahren kontrovers geführte Diskussion. Das Menschen durch Haie zu Schaden gekommen sind, ist eine unbestreitbare Tatsache, doch behinderten zu schnell gefällte Urteile über den Unfallhergang, dass die Bevölkerung richtig informiert wird.
© Christine Gstoettner
Tatsächlicher Weise geschehen jährlich durchschnittlich 70 ‐ 100 Unfälle mit Haien, wovon 7 bis max. 10 tödlich enden. In den meisten Fällen kommen die Opfer nicht aufgrund eines tödlichen Bisses zu Tode, sondern sterben weil sie verbluten, da am Wasser nicht schnell genug für medizinische Versorgung gesorgt werden kann. Allerdings begeben sich jährlich weltweit mehrere Milliarden Menschen zum Baden, Schnorcheln, Tauchen oder Surfen ins Meer und die geringe Anzahl von Zusammenstößen beweist, dass Haie keinerlei realistische Bedrohung darstellen und veranschaulicht, dass Menschen nicht ins Beuteschema passen. Es gibt folglich auch keine Hai‐”Attacken”, sondern lediglich wenige Unfälle, die entweder unbewusst oder aufgrund mangelnden Wissens und Tierverständnisses und daraus resultierendem Fehlverhalten
durch Menschen provoziert werden.
Selbstverständlich sind Haie keine Schosstiere, sondern Topräuber, die um zu überleben Beute jagen, das sind aber nicht wir Menschen. Wenn wir gelernt haben, wie wir gefährlichen Situationen aus dem Weg gehen oder in einer solchen richtig reagieren, dann ist ein weitgehend gefahrloser Umgang mit diesen Tieren möglich und wir können sie auch in ihrem natürlichen Umfeld beobachten oder mit ihnen interagieren.
Wir Menschen zählen nicht in das Beuteraster von Haien. Im Normalfall machen sie – im wahrsten Sinne des Wortes – einen großen Bogen um das unbekannte Wesen Mensch. Wenn sie sich uns also bewusst nähern und uns Menschen auch noch berühren, muss irgendetwas sie sehr neugierig gemacht haben.
Aus der Analyse der Haiunfälle für das Sharkproject‐Buch „Haiunfälle“ hat sich gezeigt, dass mindestens zwei von drei Faktoren zusammenkommen müssen, um einen Irrtum des Hais und damit eine Berührung auszulösen.
Faktor 1: Verwechslung mit Beute
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Der wichtigste Aspekt überhaupt ist Futter im Wasser. Überall wo die Tiere für die Tauchtouristen geködert werden, sind Futterpartikel im Wasser. Speerfischer tragen das Risiko bei sich und Fischer, die mit Ködern arbeiten, gefährden nicht nur sich selbst sondern auch Schwimmer, die in der Strömung des Köders befinden. Haie reagieren sehr aktiv auf chaotische Geräusche zwischen 100 – 200 Hertz. Sie deuten für das Tier auf schnelle Beute, d.h. einen verletzten Fisch hin. Spätestens seit den Experimenten von Beep weiß man, das sich diese Frequenzen nach allen Seiten verbreiten und praktisch sofort Haie alarmieren. Zappelige, nervöse Bewegungen, Schlagen aufs Wasser senden diese Frequenzen aus.
Faktor 2: Verwirrte Sinne
Immer wenn irgendeiner der Haisinne eingeschränkt wird, kommt es ebenfalls zu Irritationen des Tieres . Das können zum Beispiel sein: Geräusche im Wasser (z.B. Motorboote), schlechte Sicht, fremde überdeckende Gerüche (z.B. Flussmündungen, Einleitungen etc.), Druckwellen (Brandung), elektrisch geladene Luft (Gewitter) oder anders.
Faktor 3: Konkurrenz
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Ein auftauchender Fresskonkurrent macht aus einem neugierigen Hai, der immer noch sehr vorsichtig ist, plötzlich ein Tier, das vorprescht, der „erste“ sein will. Mehrere Haie in der Nähe bedeuten deshalb immer eine zusätzliche potenzielle Bedrohung.
Untersucht man nun mit diesem Background bisherige Haiunfälle, wie es in dem Buch „HAIUNFÄLLE“ gemacht wurde, werden die Gründe für die meisten Haiunfälle sehr deutlich. Es wird deutlich, warum man Schwimmen in Flussmündungen unterlassen sollte (Schlechte Sicht, Futterfische, Konkurrenz),warum es bei drohenden Gewittern verstärkt zu Haiberührungen kommt (elektrisch geladene Luft, Geräusche) oder warum Surfer auf ihren Brettern gebissen werden (Geräusche, verwirrte Sinne, Konkurrenz oder ähnliches).
Wobei bei dem Thema Surfer sicher auch noch andere Motivationen in Frage kommen, wie z.B. Spielverhalten der Tiere, ausprobieren, Beutetraining (so hat man Haie schon bei Attacken auf treibende Kelpstängel beobachtet). Es ist also
nicht alles restlos zu klären – aber es macht deutlich, dass einiges dazugehört, den Hai in unmittelbare Nähe eines Menschen zu bringen. Und viele dieser Gründe werden sicherlich Menschen selbst ausgelöst oder hängen mit der Umgebung zusammen, wie z.B. Ködern, Sicht oder Konkurrenz.
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Quellenangabe
| 20.8.2008 | Print |