Trotz der großen Anzahl an Leuten, die sich heute in den Weltmeeren tummeln, gibt es bislang nur eine handvoll Menschen, die je einen Hai gesehen haben und noch weniger wurden jemals bedroht oder verletzt. Trotzdem fürchtet sich der Mehrzahl der Menschen vor Haien.
© Gerhard Wegner
Eine solche phobische Angst, wie wir sie auch vor anderen Tieren wie Schlangen oder Spinnen kennen, ist meist unrealistisch, übertrieben und folgt keinerlei Logik. Die Vermutung liegt nahe, dass es meist gar nicht der Hai selbst ist, vor dem man Angst hat, sondern Faktoren wie die unbekannte Tiefe, dunkle Schatten, Bewegungen oder mangelnde Schwimmfertigkeiten, die diese Unsicherheit auslösen und die uns veranlassen alle Ängste in einem Tier zu vereinen. Diese teils angeborenen Ängste könnten mithilfe vertrauter, erfahrener Menschen durch lernen entkräftet werden und durch positive Erlebnisse weitgehend eliminiert werden, aber von Eltern, Bekannten und Freunden haben wir seit unserer Kindheit gelernt, dass Haie gefährlich sind – geschürt und unterstützt durch Medien, Spielfilme, schlecht recherchierte Dokumentationen oder veraltete Fachliteratur.
Noch vor 300 Jahren waren die Ozeane sowie mehr oder weniger alles Leben aus dem Wasser weitgehend unerforscht. Es existierten nur die Legenden der Fischer, was auch Bilder dieser Zeit widerspiegeln. Alles Unbekannte und Mystische wurde von dieser Zeit an in Form der Haie personifiziert – untermauert durch Legenden von Seefahrern und Fischern. Bilder aus dieser Zeit zeigen die Hilflosigkeit und Ratlosigkeit die herrschte, wenn man einem Hai begegnete oder sich gar ein Unfall ereignete. An diesem Bild konnten und können auch kontroverse Anschauungen wie sie aus pazifischen Kulturen Polynesiens, Japans oder Hawaii überliefert sind, nichts verrücken. Dort wurden Haie als Götter verehrt, Verstorbene als Haie wiedergeboren um die Ressourcen der Riffe zu schützen oder sie wurden schlichtweg als harmlos eingestuft.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam das Baden im Meer in Mode und
ab 1916 finden sich Haibisse sporadisch wiederkehrend in den Medien. Immer wieder wurde Kopfgeld auf die vermeintlichen Menschenfresser ausgesetzt und eine regelrechte Hetzjagd begann, die sich bis heute fortsetzt. Aus dieser Zeit stammt auch der Ausspruch „Nur ein toter Hai ist ein guter Hai!“
1974 kam dann Peter Benchley´s JAWS
(Der Weiße Hai) in die Kinos – ein perfekter Horrorfilm, der aber leider zum Horror für die Haie wurde. Benchley griff in seinem Buch einige frühe Haiunfälle auf und formte daraus den Stoff für einen der weltweit erfolgreichsten aber auch berüchtigtsten Filme aller Zeiten. Nichts in der Geschichte des Menschen hat den Haien und ihrem Image so geschadet, wie dieser Film. Die Hexenjagd auf Haie erreichte eine völlig neue Dimension und verankerte das Killerbild von ihnen für Generationen in unseren Köpfen.
Diese Wellen der Hysterie setzen sich
bis heute fort und alle paar Jahre taucht wieder ein Aufsehen erregender Unfall in den Medien auf, wird aufgebauscht und das Image vom „bösen Hai“ ohne Hintergrundinformationen und Aufklärung wieder aufs neue geschürt.
Was in unseren Köpfen zurück bleibt, ist Angst und der englische Philosoph Bertrand Russel formulierte es, wie es treffender nicht sein könnte: Wenn wir Angst vor einem Tier haben, werden wir in dessen Verhalten immer das Bedrohliche wieder erkennen!
Zur Zeit werden im Gegenzug vom Menschen jährlich rund 200 Millionen Haie abgeschlachtet.
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Quellenangabe
| 20.8.2008 | Print |