Das Reich der Haie hat hinsichtlich deren Fressgewohnheiten einiges zu bieten: Die einen zeigen ein eher eingeschränktes Beutespektrum, andere sind eher hochentwickelte Allesfresser.
© Christine Gstöttner
Haie müssen, wie alle anderen Tiere auch, fressen um ihre Organe und Muskeln mit Energie zu versorgen, Gewebe zu ersetzen und um sich fortzupflanzen. Die große Verbreitung und der damit verbundene Artenreichtum ist nicht zuletzt auch darauf zurück zu führen, dass Haie sich fast alle Nahrungsquellen erschlossen haben.
Haie gehören zu den Konsumenten in der Nahrungspyramide, d.h. sie verzehren das, was andere produziert haben. Die Meere sind reich an Nahrung und an Nahrungsformen; Haie haben sich im Verlauf der Evolution ihrer Beute hervorragend angepasst und Strategien entwickelt, um diese erfolgreich zu jagen.
Der Mako ist die schnellste Haiart und das muss er auch sein, da er schnelle Beute, wie etwa Thun- und Schwertfische, jagt. Kleine Haiarten wie die Dornhaie haben ein modifiziertes Gebiss für ihre Beute (Schalen- und Krustentiere) und die großen Haie, wie der Wal-, Riesen- und Riesenmaulhai besitzen modifizierte Kiemenreusen oder spezielle Zähnchen um ihre Nahrung (Plankton) zu erbeuten.
Es spielt keine Rolle, ob die Beute langsam oder schnell schwimmt, sich verborgen hält oder sich freischwimmend in der Wassersäule bewegt. Haie haben Techniken entwickelt, um diese zu erbeuten. Der Tigerhai wird gerne als Allesfresser oder auch Müllschlucker der Meere bezeichnet; treffender wäre die Beschreibung eines am höchsten entwickelten Generalisten. Mit seinem Gebiss ist er in der Lage Schildkrötenpanzer zu knacken oder große Stücke Fleisch aus Walkadavern heraus zu sägen. Er macht Jagd sowohl auf Krustentiere und Fische, als auch auf Seevögel und Meeressäuger.
Bei größeren Haiarten stehen aber auch noch kleinere Haie auf der Speisekarte, sowohl die der eigenen oder auch artfremde Haie.
Wie viel Haie fressen müssen, um ihren Energiehaushalt auszugleichen ist noch nicht genau bekannt und hängt sowohl von der Art als auch vom Aktivitätsgrad ab. Ungefähr 2-3% des eigenen Körpergewichtes scheinen den meisten Arten täglich auszureichen um den Energiebedarf zu decken. Da das mit Sicherheit weit weniger ist, als die meisten Menschen vermuten. Es passt somit nicht in das Bild einer alles verschlingenden Fressmaschine. Bei einigen Arten nimmt man auch an, dass sie Fresspausen einlegen und diese durchaus gut überstehen. Ein Grund hierfür scheint in ihrer großen und nährstoffreichen Leber zu liegen.
Da Haie nicht jeden Tag Beute machen, können sie durchaus größere Mengen an Beute fressen. Da ihr Magen so gut wie keine Vorverdauungsfunktion hat, wird die Nahrung darin nicht zersetzt. Haie sind durchaus in der Lage mit ihrem Magen wie mit einem Vorratsschrank umzugehen, indem sie nur dann ins "Regal" greifen, wenn nötig. Das bedeutet im Klartext, dass Haie kontrolliert Nahrung dem Verdauungstrakt zuführen können. In Gefangenschaft verendeten Tieren konnte selbst nach langer Fresspause (oder Nahrungsverweigerung) noch fast vollständig frisch erhaltener Fisch dem Magen entnommen werden.
| 20.8.2008 | Print |